Kinderbetreuung in Warngau: Liegt die Zukunft im Wald?

Warngau - Die Gemeinde Warngau wagt den Versuch: Den offenen Bedarf an Kindergartenplätzen will sie mit einer Waldkindergarten-Gruppe decken. Doch die katholische Kirche müsste mitspielen.

Die Gemeinde Warngau hat ihren eigenen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen erhoben - zum zweiten Mal seit 2008. Das Ergebnis überrascht wenig: Die 180 Fragebögen, die bei der Elternbefragung ausgefüllt zurückkamen, belegen den Handlungsbedarf gerade bei Kindergartenplätzen, den die Gemeinde längst ahnte. Vor allem in Wall werden Plätze gebraucht.

Die Gemeinde und die Arbeitsgruppe Kinderbetreuung sehen einen Lichtblick, den Bedarf schnell und flexibel zu decken: eine Waldkindergarten-Gruppe. Anders als für eine weitere konventionelle Gruppe wären dafür keine größeren Baumaßnahmen nötig, die sowohl Geld als auch Zeit kosten. Die Kinder verbringen dabei die ganze Zeit zu jeder Jahreszeit im Wald - es sei denn, es droht Gefahr etwa durch Sturm. Sie bräuchten lediglich ein Areal im Wald, einen Bauwagen als „Basislager“ für Brotzeittaschen, Bastelsachen oder Bücher und eine mobile Toilette, erklärte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG). Etwa 800 solcher Kindergärten - einige auch in kirchlicher Trägerschaft - gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Der nächste liegt nicht weit entfernt, in Holzkirchen. Und offenbar wären dem Konzept auch die Warngauer Eltern nicht abgeneigt: Auf die Frage, ob sie sich eine Betreuung in einem Waldkindergarten vorstellen könnten, antworteten 60 mit ja. Allerdings müsste bei der Erweiterung eines der beiden bestehenden Kindergärten um eine Wald-Gruppe auch deren Träger mitspielen: in beiden Fällen also die katholische Kirche. „Das ist unser Nadelöhr“, stellte Winfried Dresel (Grüne) fest.

Maria Aigner-Irger (CSU), selbst ausgebildete Kinderpflegerin und Mutter, sieht in einer Wald-Gruppe gleich mehrere Vorteile. „Wir sollten für Eltern ein wenig Wahlmöglichkeit schaffen“, plädierte sie für ein bisschen Mut im Gemeinderat. Würde die Wald-Gruppe in Wall angesiedelt und der Kindergarten St. Margareth die Öffnungszeiten bis 14 Uhr erweitern, ließen sich vielleicht sogar mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wenn die Wald-Gruppe um 12 Uhr schließe, könnten die Kinder, die längere Betreuung brauchen, weitere Zeit im normalen Kindergarten verbringen. Und man könnte vielleicht sogar Schulkinder mit einer Mittagsbetreuung einbeziehen. „Dann hätte man ein Gesamtkonzept für Kinder und Schulkinder mit einer Betreuung bis 14 Uhr“, erklärte Aigner. „Eine Waldkindergarten-Gruppe würde den Druck rausnehmen. Und wenn die Zahl doch wieder rückläufig wird, ist nicht viel kaputt.“

Viel Flexibilität bei geringen Kosten und wenig Zeitaufwand - das überzeugte die Gemeinderäte. Einstimmig erteilte das Gremium den Auftrag, die Gemeinde möge bei der Kirche anklopfen, ob sie als Träger bereit wäre, das Konzept Waldkindergarten in in Wall oder Warngau mitzutragen. Die Kosten für die Ausstattung würde die Gemeinde tragen.

Katrin Hager

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