Großeinsatz läuft: Polizei evakuiert Rathaus von Augsburg ab 

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Diese Spende kann Leben retten: Otterfings Kommandant Markus Kirmayr (2. v. l.) und sein Stellvertreter Franz Huber übernehmen offiziell den Defibrillator und den Notfall-Rucksack von Elfie von Khreninger, der Vorsitzenden des Fördervereins Notfallmedizin Holzkirchen – zur Freude auch von Kreisbrandinspektor Anton Riblinger (r.). Foto: Herbert Kölbl

Lebensretter in Reserve

Otterfing - Es ist ein Nebenprodukt der Integrierten Leitstelle: Seit es die Zentrale in Rosenheim gibt, werden Feuerwehren häufiger zu Erste-Hilfe-Einsätzen gerufen, wenn es eng wird. Daher bekommen immer mehr Wehren einen Defibrillator, wie zuletzt die Otterfinger Feuerwehr. Die Kommandanten sehen das mit gemischten Gefühlen.

Oft genug geht es um Minuten. Eine Otterfingerin kommt vom Einkaufen zurück, dann sieht sie ihren 60-jährigen Ehemann auf dem Boden liegen, das Gesicht blau angelaufen. Herzinfarkt. Sie handelt schnell, wählt die 112. Die Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle Rosenheim suchen nach einem Rettungsmittel. Unglücklicherweise ist der Rettungswagen Holzkirchen just woanders im Einsatz, also müssen die Kollegen aus Dürnbach ausrücken. Doch bis die eintreffen, verstreicht zu viel Zeit. Deshalb alarmiert die Leitstelle die örtliche Feuerwehr, deren Aktive plötzlich als Erste-Hilfe-Retter gefragt sind.

Die Feuerwehr als Lebensretter bei Schlaganfällen und Herzinfarkten oder bei Stürzen aus großen Höhen - solche Szenarien werden sich häufen. „Seit es die Integrierte Leitstelle, werden die Feuerwehren direkt alarmiert, wenn kein anderes Rettungsmittel greifbar ist“, erklärt deren stellvertretender Leiter Mario Zimmermann. Das verlangt nach der entsprechenden Ausrüstung: Die Feuerwehr Otterfing bekam jetzt einen Defibrillator samt Notfall-Rucksack vom Förderverein Notfallmedizin Holzkirchen spendiert. Der Gesamtwert beträgt 3000 Euro.

Die Feuerwehr-Aktiven bringen wichtige Voraussetzungen mit für diese Einsätze: Sie sind schnell da, wissen um die Örtlichkeiten und sind grundsätzlich in Erste-Hilfe ausgebildet; einmal im Jahr müssen sie ihre Kenntnisse auffrischen. Demnächst steht auch eine Defibrillator-Schulung an.

Die Feuerwehr steht der neuen Situation zwiespältig gegenüber. „Unser Ziel ist es, Menschen zu retten“, sagt Otterfings Kommandant Markus Kirmayr. Schon vor Einführung der Leitstelle seien er und seine Kollegen gerade bei Unfällen häufig als erste am Einsatzort gewesen. Dass sie künftig den Defibrillator einsetzen können, darüber ist er „einerseits froh“; schließlich diene der „Defi“ auch dem Eigenschutz, wenn etwa bei Atemschutzeinsätzen ein Kollege umkippe. „Andererseits kommen so zusätzliche Aufgaben auf uns zu.“

Otterfing ist kein Einzelfall. Laut Kreisbrandinspektor Anton Riblinger verfügen im Landkreis-Norden bereits die Feuerwehren Holzkirchen und Hartpenning über Defibrillatoren. Das sei durchaus nötig. Denn durch die Leitstelle schlage die Feuerwehr öfter als früher als erste an den Einsatzorten auf. „Momentan ist das noch in Ordnung.“ Schließlich gehöre das Retten zur Pflicht der Wehren. „Aber wir hoffen, dass nicht noch mehr Aufgaben kommen.“

Für den 60-jährigen Otterfinger kam die Hilfe zu spät. Die Feuerwehr, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Defibrillator besaß, holte geistesgegenwärtig einen aus der benachbarten Bank. Aber sie konnten den Mann nicht retten. Er starb. Manchmal kommt einfach jede Hilfe zu spät. (mar)

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