Gruppenbild mit Dame: Klaus Naumann (v. l.) bekam von Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Manfred-Wörner-Medaille verliehen. Mit dabei in Berlin waren seine Frau Barbara und „sein“ Bürgermeister Jakob Eglseder. Foto: kn

Soldat für ein starkes Europa

Otterfing - Er baute die alte Bundeswehr des Kalten Krieges in eine moderne Armee um, die sich den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts zu stellen hat. Er gilt als der höchstdekorierte deutsche Soldat seit dem Zweiten Weltkrieg - und er lebt in Otterfing. General a. D. Klaus Naumann (73) bekam am Dienstag von Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Manfred-Wörner-Medaille verliehen.

Die Auszeichnung wird seit 1996 vergeben und würdigt Persönlichkeiten, die sich in „besonderer Weise um Frieden und Freiheit in Europa verdient gemacht haben“. Der 73-Jährige ist der erste Berufssoldat, dem diese Auszeichnung zuteil wird.

Auf Wunsch des Geehrten war bei der Zeremonie im Bendlerblock auch der Bürgermeister seiner Heimatgemeinde mit dabei. „Ein ganz besonderes Erlebnis“, berichtet Jakob Eglseder - und das nicht nur, weil sich der ehemalige Wehrpflichtige plötzlich im Kreis hochrangigster Militärs wiederfand. „Es war schon beeindruckend, welchen Respekt Klaus Naumann genießt.“ Seit seiner Pensionierung 1999 reist der ehemalige General als gefragter Redner und Sicherheitsexperte durch die ganze Welt. „Man sieht ihn deswegen regelmäßig im Rathaus“, sagt der Bürgermeister, „wenn sein alter Reisepass voll ist und er einen neuen braucht.“

Verteidigungsminister de Maizière würdigte Naumann für dessen Einsatz für ein starkes Europa, seine Weitsichtigkeit in sicherheitspolitischen Fragen und sein Engagement in der Sicherheitspolitik. „Sie zählen zu den Experten, denen überall auf der Welt zugehört wird“, betonte de Maizière in der Laudatio. Der Minister erinnerte an Naumanns „Signal von Leipzig“ anno 1992, als der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr unverblümt ankündigte, dass die Bundeswehr bald bereit sein müsse zu kämpfen. Naumann habe sich zudem um vertrauensvolle Beziehungen zu den russischen Streitkräften während des Abzugs aus Deutschland 1991 bemüht. Beziehungen, die der Otterfinger ab 1996 als Vorsitzender des NATO-Militärausschusses ausbaute. Gleichzeitig setzte er auf die Osterweiterung des Bündnisses.

Der Geehrte arbeitete selbst eng mit dem damaligen NATO-Generalsekretär Wörner zusammen - bis zu dessen Tod im August 1994. „Ohne Wörner wäre die NATO nicht das, was sie heute noch immer ist“, betonte Naumann in seiner Dankesrede. Frieden könne nur in Freiheit gelingen. Ursprünglich habe er Archäologe werden wollen. Ein Schlüsselerlebnis sei dann aber der Ungarn-Aufstand 1956 gewesen - die Initialzündung, dass man sich engagieren muss. Das tat er auch, als die Bundeswehr in ihren ersten Kampfeinsatz musste: Naumann war während des Kosovo-Kriegs für die militärpolitischen Grundsatzentscheidungen der NATO verantwortlich. „Er sah sich nie als Werkzeug der Macht, sondern immer als Werkzeug des Friedens“, sagt Eglseder. (avh)

Auch interessant

Kommentare