Der Koloss steht heute auf Warngauer Flur, gehörte aber einst zur Gemeinde Gotzing. Foto: Thomas Plettenberg

Der Turmbau zum Taubenberg

Warngau - Heute vor exakt 100 Jahren wurde der Aussichtsturm auf dem Taubenberg eröffnet. Eine Sonderbriefmarke erinnert an das Jubiläum.

Zwar ist im Herbst ein Fest geplant. Der Jubiläumstag selbst wäre aber beinahe unbemerkt vorübergegangen. Die Hobbyhistoriker Thomas Landerer, der in Weyarn aufwuchs, und Martin Reiter aus Warngau haben aufgepasst. Reiter gestaltete eine Sonderbriefmarke zum Jubiläum, die die Deutsche Post in limitierter Auflage ausgibt. Erhältlich sind die Exemplare bei der Wirtsfamilie Maurer im Berggasthof Taubenberg.

Geplant war der Taubenbergturm eigentlich als „monumentaler Abschluss der Kaltenbachquellfassung“, heißt es in einem zeitgenössischen Zeitungsbericht des Miesbacher Anzeigers. Doch der Untergrund in Reisach erwies sich laut SWM-Informationen nicht als tragfähig genug für einen Turm, stattdessen entstand das so genannte Wasserschlösschen. Und weil der hölzerne Aussichtsturm, den ein Fabrikant 1892 hatte errichten lassen, allmählich marode wurde und sich der Taubenberg großer Beliebtheit bei Münchner Ausflüglern erfreute, wanderte der Turm kurzerhand aus dem Tal auf den Berg - der Wasserturm wurde der neue Aussichtsturm. Das beschloss die „magistratische Plenarsitzung" Ende 1908.

Die Tuffstein-Blöcke wurden mühsam mit Pferdefuhrwerken größtenteils vom Unterthalhamer Bahnhof aus auf den Berg geschafft, erklärt Landerer, der Respekt hat vor dieser Leistung. Zehn bis 20 Arbeiter, vorwiegend aus der Gegend, waren auf der Baustelle beschäftigt. Der alte Holzturm, der neben dem neuen Turm stand, diente während der Bauzeit als Material- und Werkzeuglager.

Nach etwa einem Jahr Bauzeit wurde der 30 Meter hohe Koloss mit den gegenläufigen Wendeltreppen im Inneren eröffnet. Die Stadt München ließ sich damals das Vergnügen, die reizvolle Aussicht vom Turm auf die Alpen und bis München genießen zu können, übrigens bezahlen: Der Eintritt kostete 20 Pfennig für Erwachsene und zehn Pfennig für Kinder unter zwölf Jahren. Heute ist ein Besuch günstiger: Den Schlüssel gibt es gegen Pfand im Berggasthof Taubenberg.

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