Corona in Deutschland: Spahn verkündet Testpflicht für Reiserückkehrer ab Samstag - doch nicht für alle

Corona in Deutschland: Spahn verkündet Testpflicht für Reiserückkehrer ab Samstag - doch nicht für alle
Trümmerhaufen: Die Kirche Chiesa di San Paolo in der Partnergemeinde Mirabello hat das Erdbeben zerstört. Jetzt sammeln die Weyarner für ihre italienischen Freunde.   foto: kn

Wenn ein Güterzug durchs Haus fährt

Weyarn - Die Erde bebte nur kurz - doch die Folgen sind verheerend. Die Weyarner sammeln für ihre Partnergemeinde Mirabello, die Opfer einer Naturkatastrophe wurde. Alois Killy war vor Ort.

Nur 22 Sekunden hat die Katastrophe gedauert. Und von Weitem sahen ihre Auswirkungen gar nicht so schlimm aus. Doch als Alois Killy die Hauptstraße im italienischen Mirabello entlang fährt, zuckt er zusammen: Tiefe Risse ziehen sich durch die Häuser, die Menschen wohnen in Zelten in ihren Gärten, die Gehwege sind voller Sand. Polizisten patrouillieren durch den Ort, passen auf, dass Langfinger keine Gebäude plündern. Die prächtige Kirche, die Chiesa di San Paolo, ist eine Ruine, das Dach ist mitsamt einem großen Teil der Mauer eingestürzt. Wie durch ein Wunder blieb der Glockenturm verschont - stolz überragt er die Trümmer von Mirabello. „Die Bewohner dort“, sagt Killy, „sind am Ende“.

Killy, der Sprecher des Arbeitskreises (AK) Mirabello-Weyarn, hat für drei Tage die italienische Partnergemeinde besucht. Dort hatte es, wie berichtet, am 18. Mai gegen vier Uhr in der Früh ein Erdbeben gegeben. Seitdem sammelt der AK Spenden für die Freunde aus dem Süden, 21 000 Euro sind schon zusammengekommen. Killy aber wollte sich ein Bild vor Ort verschaffen und klären, wie die Spenden verteilt werden sollen.

Gemeinsam mit Mirabellos Altbürgermeister Giancarlo Pincelli hat Killy eine Tour durch die Partnerkommune gemacht. Killy und Altbürgermeister Pincelli kennen sich schon lange, sind gut befreundet und auch noch gleicher Jahrgang: 1947. Doch seit dem Erdbeben gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen ihnen: Pincellis Umfeld ist zerstört, sein Haus beschädigt. „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie ich mich fühlen würde, wenn meinem Haus, das ein Lebenswerk ist, etwas passieren würde“, meint Killy.

Dabei hatte der italienische Altbürgermeister - im Vergleich - noch Glück. Sein Zuhause ist trotz einiger Risse zumindest noch bewohnbar. Allerdings schläft er seit dem Beben mit seiner Familie im Erdgeschoss, daneben lagern drei gepackte Reisetaschen. „Damit sie, wenn es wieder wackelt, schnell raus laufen können und die nötigsten Sachen dabei haben.“ Doch Pincelli saß der Schock noch tief in den Knochen. Als Mirabellos Erde Mitte Mai für 22 Sekunden bebte, wachte der 65-Jährige in seinem Bett auf. „Es hat sich angehört und angefühlt, als ob ein Güterzug in mein Haus fahren würde“, hat er Killy erzählt.

Schlimm oder gar tödlich verletzt wurde bei dem Unglück zwar niemand. Aber Mirabello steht das Wasser bis zum Hals. 1000 Häuser müssen statisch überprüft werden, 300 sind komplett gesperrt, die Schüler wurden frühzeitig in die Sommerferien geschickt. Es herrscht Ausnahmezustand. „Es wird ein Jahr dauern, bis sich Behörden und Experten überhaupt mal einen Überblick verschafft haben“, schätzt Killy. Erst dann können die Einwohner konkrete Maßnahmen erwarten. Eine Erdbebenversicherung hat dort keiner, schließlich war die Region bislang nicht gefährdet. Deshalb ist es laut Killy auch so wichtig, dass die Bürger aus dem Landkreis Miesbach die Italiener unterstützen. „Die Leute dort sind sehr gerührt von unserer Anteilnahme.“ Bis Weihnachten soll im Rahmen vieler Benefizaktionen weiter gesammelt werden. Damit Mirabello eines Tages wieder aus seinen Trümmern aufsteht.

Spendenaktionen: Das „stadtland improtheater“ spielt am kommenden Donnerstag, 5. Juli, zugunsten der Erdbebenhilfe Mirabello in der WeyHalla Weyarn. Los geht es um 20 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr. Eine Eintrittsspende von mindestens zehn Euro wird erbeten, der Erlös aus Essen und Getränken geht ebenfalls nach Mirabello. (mar)

Auch interessant

Kommentare