Südamerikaner unterm bayerischen Birnbaum: Die Herde ist zurzeit ganz wild auf die reifen Birnen. Manfred Feicht züchtet die Alpakas in weiß, braun und schwarz. Foto: Andreas Leder

Ein Milchbauer stellt um - auf Alpaka

Weyarn - Alpakas sind auf dem Vormarsch im Oberland. Meist als Touristen-Gag. Doch die Südamerikaner mit dem sanften Wesen haben mehr Qualitäten. Und auf die setzt Bauer Manfred Feicht (40).

Wer in den Stall am Hof von Manfred Feicht kommt, hört kein Muh. Er hört ein Brummen wie in der Spielwarenabteilung: bei den Teddybären, die brummen, wenn man sie kippt. Dann sehen sie einem auch schon neugierig entgegen: riesige Kulleraugen unter einer flotten Frisur.

Wachhundqualitäten hätten sie auch, diese Alpakas. Aber deshalb stehen sie nicht bei Feicht im Stall. Sie stehen hier wegen ihrer feinen Wolle. „Die einzige Wollfaser, die innen hohl ist“, erklärt der Bauer. Die Wolle wirkt dadurch temperaturausgleichend. Sie hält warm, bringt einen aber nicht ins Schwitzen.

Fast immer stehen die Alpakas draußen auf der angrenzenden Wiese - und ziehen Spaziergänger und Nachbarskinder in ihren Bann. An dem kleinen Hang mit dem Birnbaum grasen acht Alpakastuten friedlich nebeneinander. Ab und an übt sich eines der Fohlen in übermütigen Bocksprüngen. Fünf junge Alpakas sind heuer am Schusterhof, am Fuße des Weyarner Lindls, zur Welt gekommen - und das auch noch in allen Farben.

Feicht baut derzeit eine Alpaka-Herde auf, Platz hat er für etwa 25 Tiere. Begonnen hat seine Zucht mit vier Stuten. Derzeit sind es 16 Tiere. Die drei Hengste stehen auf einer eigenen Wiese mit eigenem Stall; sie würden sonst um die Stuten streiten. Feichts ganzer Züchter-Stolz heißt Herkules. Der ist zwar noch grün hinter den weißen Ohren, und bis der junge Hengst ein ausgewachsener Macho ist, dauert es noch etwas. Aber in ihm liegt die züchterische Zukunft: „Er hat einen Spitzenvater“, lobt Feicht. Das kann man auch sehen: an Herkules’ Fell. Es deutet ganz leichte Wellen an, ähnlich wie das Fell der selteneren Suri-Alpakas, deren Wolle noch ein bisschen hochwertiger ist als die der weiter verbreiteten Huacaya-Alpakas, die auch Feicht hält.

Vor drei Jahren hat er auf Alpaka umgestellt. Den elterlichen Milchviehbetrieb hatte der heute 40-Jährige damals seit fünf Jahren im Nebenerwerb geführt, während er jeden Tag nach Rosenheim zur Arbeit als Maschinenbauer pendelte. Sein Vater war schwer erkrankt und schließlich gestorben. Allein mit seiner heute 62-jährigen Mutter kümmerte sich Feicht um die 18 Milchkühe. Zweimal täglich melken, Stall und Gras machen, den Hof in Schuss halten: Wieviel zuviel ihm das allein mit der Mutter und neben dem Vollzeitjob mit Pendeln war, das hat Feicht erst so richtig gespürt, als er schon umgestellt hatte, gesteht er sich im Nachhinein ein. „Jetzt kann ich sogar mal ein paar Tage wegfahren“, sagt Feicht. Denn die Alpakas sind deutlich pflegeleichter und genügsamer. Einmal jährlich, bevor es heiß wird, werden sie geschoren, zweimal jährlich braucht es Zahn- und Fußpflege. Ansonsten versorgen sie sich auf der Wiese weitestgehend selbst, nur ein bisschen Heu hat Feicht im Winter zugefüttert.

Haben ihm andere Landwirte denn den Vogel gezeigt, als er auf Alpaka umgestellt hat? Nein, gesagt hat keiner was, sagt Feicht. „Aber gedacht“, vermutet er und grinst verschmitzt. Seine Mutter hat sich das auch gedacht. „Wia kummt ma denn auf so einen Schmarrn?“, hat sie ihn damals gefragt. Heute gefallen sie ihr auch, die Oberland-Alpakas. Wer kann diesen Kulleraugen schon widerstehen?

Katrin Hager

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