1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Miesbach
  4. Holzkirchen

Reiseleiterin für kleine Abenteurer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Pionierin unter freiem Himmel: Monika Hafner (28) arbeitet seit zehn Jahren im Waldkindergarten Holzkirchen. „Immer wieder spannend, wie sich unsere Neulinge an das Abenteuer Wald gewöhnen“, sagt sie. Foto: Andreas Leder
Pionierin unter freiem Himmel: Monika Hafner (28) arbeitet seit zehn Jahren im Waldkindergarten Holzkirchen. „Immer wieder spannend, wie sich unsere Neulinge an das Abenteuer Wald gewöhnen“, sagt sie. Foto: Andreas Leder

Holzkirchen - Der Wald ist ihr Arbeitsplatz: Monika Hafner hat sich 2002 auf ein Abenteuer eingelassen, das damals viele als Spinnerei belächelten. Die damals 18-Jährige reifte mit dem Konzept.

Die schlimmsten Tage? Da muss Monika Hafner nicht lange überlegen. Seit zehn Jahren trotzt die Kinderpflegerin im Waldkindergarten Holzkirchen Wind und Wetter, lässt sich im Sommer von Brombeerdornen piksen, stapft im Herbst durch knöcheltiefen Matsch, reibt im Winter unermüdlich kalte Finger. Richtig schlimm ist es für sie aber nur bei Sturm. Denn dann muss die Truppe den Wald räumen, weil Äste abbrechen und auf Kinder stürzen könnten. Für solche Tage gibt es ein Ausweichquartier. Sehr komfortabel, aber eben drinnen - und deswegen schlimm für Monika Hafner.

Vor zehn Jahren sah sie zufällig die Stellenausschreibung des Waldkindergartens. „Das ist grad richtig für mich“, wusste sie sofort. Schon als Mädchen hatte sie am liebsten draußen gespielt. „Ein Kindergarten im Wald, das passte wie die Faust aufs Auge“, erinnert sich die 28-Jährige. Prompt bekam sie den Job, befristet auf ein Jahr, weil der junge, auf eine Elterninitiative gegründete Kindergarten noch alles andere als fest etabliert war.

Der Verein brauchte eine Kinderpflegerin, um die offizielle Anerkennung zu bekommen. Dabei war noch längst nicht klar, ob sich die aus Skandinavien stammende Idee vom Kindergarten unter freiem Himmel auch in Oberbayern würde durchsetzen können.

Sie konnte. Und Monika Hafner hatte mit ihrem Enthusiasmus und ihrer fröhlichen und geradlinigen Art großen Anteil daran, dass in Holzkirchen aus dem Versuch eine Institution wurde. „Moni ist die Konstante in unserem Kindergarten“, bringt es Öffentlichkeits-Vorstand Roland Schuler auf den Punkt.

Sie hat Generationen von Kindern und Eltern erlebt und sämtliche Leiterinnen, die es seit der Anerkennung gab. Immer konnte sie viel eigenverantwortlich gestalten. „Dadurch habe ich viel an Persönlichkeit und Selbstständigkeit gewonnen.“

Wie finden das die Kinder, den ganzen Tag ohne klassisches Spielzeug im Freien? „Es gibt ganz selten Kinder, denen es nicht gut gefällt“, sagt die Kinderpflegerin. Es sei immer wieder spannend, wie sich Neulinge langsam an das Abenteuer Wald gewöhnen, um dann schnell sehr selbstständig zu werden. Natürlich friere mancher schneller als der andere, und nicht jeder sei jeden Tag gleich gern draußen. „Aber in den zehn Jahren habe ich nur ein Mädchen erlebt, das besser in einem klassischen Kindergarten aufgehoben gewesen wäre.“

Auch heute will eine Einrichtung wie der Waldkindergarten noch erklärt werden, wenn Eltern auf der Suche nach einer passenden Betreuung für ihr Kind sind - natürlich auch hinsichtlich des Wetters. Und was ist das schönste Wetter? Ganz klar, sagt Hafner: „Klare Wintertage, wenn die Sonne auf dem Schnee glitzert. Und auch der Frühling, wenn der Matsch ein Ende hat und alles wieder strahlend grün ist.“

Heidi Siefert

Auch interessant

Kommentare