Reif fürs Museum: Andreas Waldschütz präsentiert in seiner Werkstatt eine Kerschensteiner Zither. Sie gehört zu den rund 180 Exemplaren seiner Sammlung, die er eventuell bald veröffentlichen will – samt Zitherzubehör. foto: tp

Zither-Sammlung: Auf der Suche nach der Richtigen

Warngau - Die Zither ist die Wächterin der Volksmusik, und Andreas Waldschütz hat gleich eine ganze Armee angelegt: Rund 180 Zithern ruhen in seiner Werkstatt in Thalmühl. Diese sind bald reif fürs Museum - er denkt jetzt darüber nach, seine Sammlung der Öffentlichkeit zu zeigen.

Mit den Zithern verhält es sich wie mit den Frauen. Die perfekte Zither gibt es nicht. Entweder ist sie zu laut, zu schön oder zu knatschig. Deshalb ist Andreas Waldschütz seit seiner Jugend ein Getriebener. Rastlos hetzt er durch das Internet und Kennerkreise. „Ich bin immer auf der Suche nach einem besseren Instrument“, sagt er.

Deswegen haben sie sich im Laufe der Zeit summiert. Er nickt und deutet auf ein Regal in seiner Werkstatt: Viele Zithern ruhen hochkant zwischen den Holzbrettern, auch den restlichen Raum haben sie besetzt. Sie räkeln sich auf Tischen und auf der Werkzeugbank. Die Bauchigen, die Schlanken, die, die mit Lack ihre Schönheitsfehler übertünchen. Ein angenehmer Holzgeruch schwebt in der Luft. Mit 14 Jahren begann er zu sammeln, jetzt besitzt er über 180 Zithern. Die Idee drängte sich auf: „Ich denke darüber nach, meine Sammlung öffentlich zugänglich zu machen“, erklärt der 29-Jährige, der in Thalmühl bei Warngau lebt. Ein Museum für Zithern. Wo, wann und in welcher Form das geschehen soll, weiß er allerdings noch nicht.

Die vielen Zithern, das Volkstümliche, das Bodenständige. Das alles passt perfekt zu Waldschütz. Er ist ein kerniger Kerl mit Trachtenhut und kariertem Hemd, er mag Lieder wie „Der Weg zum Herzen“ und den „Tölzer Schützenmarsch“ und kann sie auch spielen. Vier Instrumente beherrscht er: Geige, Klarinette, Gitarre - und eben Zither. Eigentlich ist Waldschütz Geigenbauer, hat die Schule in Mittenwald besucht, fertigt Violinen an. Aber der Sprung zum Zitherbau sei klein. Meist restauriert er sie bloß, „denn fürs Herstellen ist kaum ein Markt da“. Manchmal verkauft er die Reparierten - aber nur die Doppelgänger, zuvor greift er zur Schellackpolitur. „Eine alte Kunst“, wie er sagt. Sie optimiert die Zithern, klanglich, optisch und überhaupt.

Vor zwei Jahren brach der Damm. Ein Münchner Sammler vermachte ihm günstig seinen Schatz: 120 Zithern auf einen Schlag. Konzertzithern, Luftresonanzzither, Harfenzithern. Ein Traum. Sein ältestes Stück ist Jahrgang 1840. Eine Helmzither, deren Harfenkopf an die harte Kopfbedeckung erinnert. Georg Tiefenbrunner, eine Münchner Zitherbaugröße, fertigte sie an. Waldschütz streicht über das dunkle Holz des kleinen Instruments. „Mit der Zeit sind die Zithern gewachsen.“ Seine jüngsten Exemplare stammen aus den 1950er-Jahren. „Später entstandene haben keinen Sammlerwert.“ Zu seinen Lieblingen zählt eine Harfenzither von 1920, deren unterer Teil an eine Geige mit ihren F-Löchern erinnert. Die optimale Verschmelzung für Waldschütz. Das angedachte Zithermuseum hätte jedoch mehr zu bieten: Denn er hortet alles, was mit Zithern zu tun hat. Zitherringe zum Zupfen, aus Edelstahl, Kupfer oder Horn, Stimmschlüssel, die an Korkenzieher erinnern, Stimmpfeifen, alte Noten: „Früher war die Zithermusi eine unterhaltende Salonmusi.“ Schnulzig sei sie gewesen, sagt er und kramt ein Heft heraus: „Dornröschens Traumfahrt“, steht darauf. Heute dient die Zither der Volksmusik, ist die Wächterin der Tradition.

Mittlerweile hat es Waldschütz eingesehen: Die perfekte Zither gibt es nicht. „Es kommt immer auf den Zweck, auf den jeweiligen Auftritt an“, weiß er heute.

Von Marlene Kadach

Auch interessant

Kommentare