Überbordende Spielfreude und griffige Regie: Die Waller Brettlhupfa zeigen dem Publikum, was hinter den Kulissen einer Theateraufführung so alles passieren kann. Foto: lEder

Brettlhupfa spielen "Theater im Theater"

Wall - Wie es hinter den Kulissen einer Theater-Inszenierung zugehen könnte, das zeigt die bejubelte Premiere von "Der nackte Wahnsinn". Regie führte Steffi Baier.

Wie ein Wirbelsturm rauscht Mrs. Clackett auf die Bühne, stürmt zum Telefon, johlt gekonnt den Theatertext der Haushälterin in den Hörer. Drumherum: Die geschmackvolle Inneneinrichtung einer englischen Villa, und für ein paar Sätze darf sich der Zuschauer auf eine Boulevard-Komödie im britischen Stil einstellen. Doch die Requisiten-Choreographie ist mühsam, wohin mit der Zeitung, wohin mit dem Hörer, wann kommen die Sardinen auf den Tisch? Die Szene bricht, in breitem Bairisch entschuldigt sich die Schauspielerin für ihren Fehler, und aus dem Publikum meldet sich ein sichtlich nervöser Regisseur zu Wort.

Wie das Stück „Nackte Tatsachen“ letztendlich ausgeht und welchen Sinn die vielen Sardinen haben, bleibt im Vagen, denn die Theatergruppe d’Waller Brettlhupfa spielt Theater im Theater: Die Farce „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn beleuchtet das „innige“ Verhältnis der Schauspieler, nicht nur auf, sondern insbesondere hinter der Bühne.

Die rasante Aufführung, mit viel Liebe zum Detail und unschlagbarem Rhythmus-Gefühl von Regisseurin Steffi Baier in Szene gesetzt, feierte bei der Premiere im Waller Trachtenheim einen fulminanten Erfolg: Die darstellerische Leistung des neunköpfigen Schauspiel-Ensembles darf sich in vielerlei Hinsicht mit Profibühnen messen lassen. Denn „Der nackte Wahnsinn“ fordert von fast jeder Rolle einen ständig schizophrenen Charakterwechsel, damit die Komik des Stücks funktioniert, fordert Schauspieler, die ständig zwischen ihrem Bühnen-Ich und dem teilweise diametral entgegengesetzten Typencharakter einer bayerischen Landbühne hin- und herschalten können.

Ohne Ausnahme meisterten Rosi Rinshofer, Christian Selbherr, Elisabeth Estner, Michael Zehrer, Josefa Estner und Sepp Kloiber diese Aufgabe bravourös, den Wahnsinn der Bühnenmannschaft komplettierten Ludwig Stürzer als Regisseur Ludwig, Judith Baumgartner als Regieassistentin und Hansi Fahrnbauer als Bühnenmeister.

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