Soeben mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet: Die Regisseure und Drehbuchautoren Karsten Scheuren (r., aus Mitterdarching) und Bernhard Albrecht haben eine Reportage über ein ausgesprochen heikles Thema angepackt. Foto: kn

Einfühlsame Reportage: Adolf-Grimme-Preis für Regisseur aus dem Landkreis

Mitterdarching - Karsten Scheuren (39) aus Mitterdarching wurde für seine Fernseh-Reportage "Karawane der Hoffnung" über Genitalverstümmelung ausgezeichnet.

Mit ambitionierten Reportagen für das Fernseh-Format „Galileo Spezial“ hat sich Karsten Scheuren aus Mitterdarching einen Namen gemacht. Für „Karawane der Hoffnung“ – einen Film über Genitalverstümmlung in Afrika – erhielt der 39-Jährige den Adolf-Grimme-Preis.

„Grab in eisigen Höhen“, die Geschichte einer Leichenbergung aus der alpinen „Todeszone“, brachte Scheuren 2008 einen Preis beim Internationalen Bergfilmfestival Tegernsee ein – neben dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Preis des DAV. Für Scheuren war es eine besondere Auszeichnung, immerhin hat der in München Geborene das Tegernseer Gymnasium besucht, er lebte am Schliersee.

Der Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Information & Kultur“ ist für einen deutschen Fernseh-Journalisten so etwas wie der Ritterschlag. Am vergangenen Freitag wurde Scheuren zusammen mit seinem Kollegen Bernhard Albrecht im Theater der Stadt Marl – in dieser Stadt sitzt das Grimme-Institut – ausgezeichnet. Albrecht und Scheuren haben sowohl das Drehbuch des Streifens verfasst als auch Regie geführt (siehe Kasten). Die Grimme-Jury lobt: „Ein großartiger Film, der gerade im Programmumfeld eines Privatsenders vorbildlich die gebotene Balance hält: populär gemacht und doch von respektabler journalistischer Seriosität.“

Für Scheuren selbst ist die Auszeichnung eine „Ermutigung, da weiterzumachen, wo wir jetzt sind.“ Er empfinde den Preis als große Ehre, „und es macht mich unheimlich stolz, da mit meinen zarten 39 Jahren ranzukommen“. Der Mitterdarchinger zum Hintergrund des Filmes: „Wir wollten ein relevantes Thema aufgreifen, das man sonst so nicht zu sehen bekommt.“ Den Ausschlag habe ein Zeitungsartikel gegeben, in dem von Rüdiger Nehberg und seinem Kampf gegen die Genitalverstümmelung bei jungen Frauen berichtet wurde. Besonders kritisch bei dieser Materie: „Was müssen wir dem Zuschauer an Verstümmelungsbildern zumuten, und was dürfen wir ihm noch zumuten.“ Ihn freue besonders, dass der sorgfältige Umgang des Teams mit dieser Frage von der Fachpresse und der Jury anerkannt worden sei. Angesprochen auf den nächsten Preis, den er nun ansteuere wehrt Scheuren ab: „Preise sind wichtig, aber für mich ist es der höchste Preis, wenn die Zuschauer einen Moment lang innehalten und sich Gedanken machen.“ jhd

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