Haben gemeinsem Lücken gefüllt: Angelika Gebhard und Andrey Alexander mit ihrem dem Pergamon-Kalender, der bereits einen ersten wichtigen preis gewann. Foto: Andreev

Foto-Restauration des Pergamon-Altars als Kalender: Internationale Anerkennung

Bad Wiessee - Weltumseglerin Angelika Gebhard und Andrey Alexander erhalten für ihr Kunst-Projekt auf der 60. Internationalen Kalenderschau in Stuttgart die Silbermedaille.

In Stein gehauene Pantomime, pure Kunst – nicht weniger sind für den Moskauer Pantomimen, Regisseur, Autor und Fotografen Andrey Alexander die Hochreliefs des antiken Pergamon-Altars auf der Berliner Museumsinsel. Dem Landkreis-Publikum ist Alexander von zahlreichen Auftritten her bekannt. Fasziniert von den Steinbildern mit teils großen Lücken, die unter anderem den Kampf der Giganten gegen die griechischen Götter darstellen, suchte der aus Moskau stammende Pantomime nach einer Möglichkeit, diese packenden Darstellungen in seiner ganz eigenen Art zu restaurieren – auf Bildern.

Unterstützung fand er bei einer lieben Bekannten aus Bad Wiessee, der Weltumseglerin Angelika Gebhard (54). Die beiden haben bereits zahlreiche gemeinsame Kunst-Projekte bewältigt – von Pantomime-Auftritten Alexanders bis hin zu gemeinsamen Büchern und Präsentationen. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Projekt von Uwe Kai aus Tegernsee, der extra die Ulli und Uwe Kai-Stiftung ins Leben rief, um das gewaltige Kunst-Vorhaben zu finanzieren.

Aus ihrem Fundus vieler tausend Fotos, die Gebhard und Andrey im Laufe der Jahre in ihren Fotostudios in Moskau und Bad Wiessee aufgenommen haben, entstanden Mosaiksteinchen, die dabei halfen, die weißen Stellen in den rund 113 laufenden Metern Fries wieder aufzufüllen: Sportler, Tänzer, Schauspieler und Aufnahmen antiker Skulpturen von zahlreichen Reisen wurden einbezogen.

Anerkennung für die Foto-Restauration des Ost-Frieses kam zu Beginn des Jahres von berufener Seite. Bilder mit restaurierten Friesen hatten Eingang in einen aufwändig gestalteten Kunstkalender gefunden, der bei einem der renommiertesten und größten Wettbewerbe für Print-Erzeugnisse in Stuttgart, der 60. Internationalen Kalenderschau, unter 1400 Mitbewerbern mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. „Pergamon-Fantasy“ lautet der Titel des (unverkäuflichen) Druckwerks.

„Für mich steht hinter der griechischen Mythologie eine sehr weise Philosophie, die all unsere menschlichen Schwächen und Stärken in grandiosen Bildern und Geschichten wiederspiegelt.“ So erklärt Gebhard, was sie an diesem Kunst-Projekt so begeistert hat. Die Religion der Antike gebe ihr das Gefühl, „unserem Universum ein Stückchen näher zu sein“.

In Kooperation mit der Eremitage St. Petersburg und dem Petersburger Dialog-Verein Berlin soll nun im Verlaufe des Projekts auf großformatigen Abbildungen eine vollständig restaurierte Fassung der zerstörten Friesteile entstehen. „Viele Helden dieses großen Theaterspiels haben Köpfe und Hände verloren“, so Alexander. Niemand wisse, wie sie tatsächlich ausgesehen haben. „Ich bin Regisseur, nehme andere Akteure aus anderen Epochen, die in unserer grausamen Welt am Leben geblieben sind. In meiner Inszenierung werden sie für einen Augenblick lebendig.“ Dabei erzählten sie in philosophischen Legenden vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Chaos und Harmonie – über den Sinn der Welt. „Haben wir den richtigen Weg gewählt? Unsere Restauration ist eine Einladung zur Diskussion“, so Alexander.

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