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Kalter Machtkampf zwischen Hausärzten und AOK

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Landkreis - Das Tischtuch zwischen Hausärzten und AOK ist zerschnitten. Nachdem die Krankenkasse den Honorarvertrag gekündigt hat, drohen die Mediziner mit Rückgabe ihrer Kassenzulassung.

Im Landkreis wollen die Ärzte die Protestaktion in Nürnberg unterstützen. „Es herrscht eine existenzielle Verunsicherung“, sagt der Vorsitzende des kreisärztlichen Verbandes, Dr. Klaus Fresenius aus Kreuth. Am Donnerstagabend trafen sich etwa 20 Hausärzte aus dem Tegernseer Tal, um zu beraten, wie es weitergehen soll. Ergebnis: Die Linie des bayerischen Hausärzteverbandes wird unterstützt. Damit folgen die Allgemeinmediziner im Tal ihren Kollegen aus Miesbach und Holzkirchen und beteiligen sich an der Protestaktion des bayerischen Hausärzteverbandes am Mittwoch, 22. Dezember, in Nürnberg. Dort soll bei einer Großveranstaltung über den Ausstieg entschieden werden.

„Wir sind zwar ein privilegierter Landkreis“, sagt Fresenius, aber dennoch seien die Kollegen vor Ort vom System und der AOK bitter enttäuscht. Dabei erschien diese zunächst als Retterin der Hausärzte. Mit ihrem überdurchschnittlichen Honorarvertrag beendete die AOK den Streit um eine angemessene Entlohnung in Bayern. In der Folge wechselten viele Versicherte zur AOK. Nun der Streit: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen kürzten ohne Absprache die Honorare. Statt 86 Euro pro Patient und Quartal gibt es nur noch 76 Euro. Die Ärzte drohten mit Systemausstieg - die AOK kündigte die Verträge.

Laut Fresenius stören sich die Hausärzte an der Willkür: Es gebe keine Verlässlichkeit mehr und keine Transparenz. „Die überwiegende Mehrheit der Hausärzte im Landkreis hat die Schnauze voll“, bestätigt deren Kreisvorsitzender Dr. Sepp Dieter Treu aus Hausham. „Es gibt keine Rückendeckung mehr durch die Politik. Das ist ein kalter Machtkampf.“

Bayerns Hausärzte hätten sich nämlich auf den gekürzten Satz der AOK eingelassen, wollten aber eine Verbindlichkeitszusage bis 2015. Die AOK als größte Kasse im Freistaat wollte diese aber nur bis 2011 geben. „Wir wollten Rechtssicherheit. Die Folge war die Kündigung.“

Der Plan der Hausärzte sieht so aus: Wenn mindestens 60 Prozent ihre Kassenzulassung zurückgeben, ist die Versorgung nicht mehr gewährleistet, und die Kassen müssten den einfachen Satz erstatten. Fresenius bedauert diese Eskalation: „Beide Fronten bauen Großszenarien auf.“

Dass die Patienten zwischen diese Fronten geraten könnten, ist laut Treu seitens der Hausärzte nicht gewollt: „Wir werden die AOK-Patienten weiterhin ohne Einschränkung betreuen. Das war nie anders geplant.“

Der Streit müsse auf anderer Ebene geklärt werden. Ziel sei es, den ursprünglichen Modellvertrag weiterleben zu lassen - in reduzierter Höhe, aber mit Laufzeit bis 2015.

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