Leiteten den Abend: Referent Robert Metzger (l.) und der Verdi-Ortsvorsitzende Klaus Reiter. Foto: Thomas Plettenberg

Kliniken in der Kostenklemme

Miesbach - Warum schreiben viele Kliniken rote Zahlen? Darüber sprach Robert Metzger, ver.di-Gewerkschaftssekretär für das Gesundheitswesen im Bezirk Rosenheim, im Miesbacher Bräuwirt.

In den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Altötting gibt es laut Metzger nur noch drei auf sich allein gestellte Kliniken, darunter Agatharied. „Viele Kliniken werden durch eine Fusion vor der Schließung gerettet“, so der Referent. Bayernweit geht die Zahl der Plan-Krankenhäuser und der Betten zurück. So schreiben 20 bis 30 Prozent der Kliniken im laufenden Betrieb rote Zahlen.

Dafür verantwortlich ist die duale Krankenhaus-Finanzierung seit 1972. Als Einnahmequelle haben Kliniken die Erlöse der Krankenkassen und die Investitionsfördermittel der Länder. „Doch der Druck wächst stetig“, sagte Metzger. Die Kliniken werden von zwei Seiten in die Zange genommen: Die Länder haben die Förderung teils drastisch gekürzt, gleichzeitig sollen die Betriebskosten sinken. Wegen des DRG-Erlössystems bezahlen die Kassen seit 2004 nur noch für einzelne Fälle und nicht mehr für den Aufwand. Zugleich machen es den Krankenhäusern gestiegene Kosten schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. Sie müssen über neue Strukturen nachdenken. So auch Agatharied, selbst wenn dort derzeit eine schwarze Null steht.

„Es ist kein riesiger Topf an Möglichkeiten“, erklärte Metzger. Zunächst könne eine Klinik versuchen, als großes Haus maximale Versorgungsstrukturen zu erreichen, wobei aber der Gesetzgeber die Größe festlegt. Eine weitere Option stelle ein medizinisches Versorgungs- und Gesundheitszentrum dar. Doch diese Form sei für Ballungsräume geeigneter als für ein ländliches Krankenhaus.

Kommunale Kliniken entscheiden sich hingegen häufig für eine Kooperation. Der Transfer von Leistungen zwischen Häusern gestaltet sich jedoch auch schwierig: „Agatharied gehen die gleichwertigen Partner für eine Kooperation ab“, sagte Metzger. Die Klinik würde sich geografisch in einer deutlich isolierten Situation befinden.

Bleibt noch die Fusion, die Metzger für Agatharied befürwortete - die meisten Anwesen jedoch nicht. Sie befürchteten eine Schwächung des Standorts. Metzger entgegnete: „Die Patientenwanderung besteht schon, zum Beispiel zu Spezialkliniken. Bei einer Fusion bleibt das Geld wirtschaftlich in einem Topf.“ (vm)

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