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Mangelware Streusalz

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Landkreis - „Bis vor fünf Jahren hatten wir diese Engpässe nicht." An der Lagerkapazität liege es nicht, dass nun regelmäßig im Winter der Salznotstand ausgerufen werde, sagt Michael Haller.

Schließlich sei das System auf Nachbestellung angelegt. Denn Hallen, in denen der gesamte Wintervorrat lagern könnte, seien einfach viel zu groß. Außerdem: „Wir haben auch schon problematischere und dramatischere Winter gehabt“, sagt der Leiter des Tegernseer Bauhofs. Schuld an der jetzigen Situation sei vielmehr das Salz selbst.

Auf die Straßen kommt seit einiger Zeit so genanntes Steinsalz. Das ist gröber als Siedesalz, das zuvor verwendet wurde und bereits nach kurzer Zeit wirkte, weiß Haller. Steinsalz sei nicht so ergiebig. Da könne es auch schon mal passieren, dass der Schneepflug das Streugut von der Straße räumt, bevor es überhaupt reagiert habe. Die Konsequenz: Der Verbrauch in Tegernsee ist von 220 auf 350 Tonnen gestiegen. Aber: „Das Steinsalz ist billiger.“

Auch in Miesbach geht der Salzvorrat gut drei Wochen nach dem ersten Schneefall trotz des neuen 250-Tonnen-Silos zur Neige. 200 der 350 Tonnen sind laut Bauhofleiter Peter Kadel bereits verteilt. Der Nachschub ist bestellt, der Liefertermin noch unbekannt.

Die gesteigerte Nachfrage macht sich auch beim Preis bemerkbar. So sei laut Kadel der Salzpreis in der vergangenen Saison schon mal von 100 auf 300 Euro gestiegen. Und wer bereit sei, mehr zu zahlen, bekomme auch eher seine Lieferung. Das ergebe sich aus der Monopolsituation des Salzlieferanten. Grundsätzlich stehen die Kommunen aber ganz hinten in der Schlage. Wenn das Bergwerk mit dem Abbau nicht nachkomme, so Haller, würden erst Autobahn- und Straßenmeistereien versorgt.

Deshalb ist Sparen angesagt. Gestreut wird in Miesbach nur noch im Kreuzungsbereich, auf Busstrecken und steilen Straßen. In einem durchschnittlichen Winter verbraucht der städtische Bauhof 750 Tonnen Streusalz. „Dabei bleibt es heuer nicht“, vermutet Kadel.

Mit 2500 Tonnen sind die Lager der Straßenmeisterei in Hausham noch zu 60 Prozent gefüllt. Zu Engpässen komme es hier nie, sagt Leiter Horst Müller. Deshalb hat auch er schon nachbestellt. Sein Vorteil: Vertraglich ist festgelegt, dass pro Halle pro Tag 50 Tonnen Salz geliefert werden müssen. „Tröpfchenweise und nicht als großer Schlag“ gehe es derzeit, sagt Müller. Das liege auch daran, dass die Winter im Norden der Bundesrepublik schneereicher geworden sind. „Die brauchen jetzt mehr Salz als vorher.“

Müller plagt vielmehr ein anderes Problem: die Temperatur. Damit das Salz die Fahrbahn freihalten kann, ist ihm Natriumchlorid beigemischt. Und dafür darf es nicht kälter als minus neun Grad sein. Sonst gefriert der Wasseranteil und verwandelt die Straße in eine Rutschbahn. Da bleibt nur auf die Mittagssonne zu hoffen, die den Belag auf minus vier Grad anwärmt und dem Salz eine Chance lässt.

Darauf ist die Autobahnmeisterei Holzkirchen nicht angewiesen. Ihr Gemisch wirkt bis minus 13 Grad. Und die zwei Lager für 2600 Tonnen sind immer gefüllt. dd

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