Überraschungen im Schlamm

Holzkirchen - Beim Abfischen des Roggersdorfer Weihers staunten die Experten: Im Schlamm steckten etwa hundert der seltenen Teichmuscheln, die ungewöhnlich groß und ungewöhnlich alt sind. Sie sollen auch den neuen Weiher bevölkern.

„Die Muscheln sind bestimmt 40 bis 50 Jahre alt“, sagt Stefan Moser vom Bezirksfischereiverein Miesbach. Zusammen mit gut einem Dutzend Helfern vom Verein und einigen Roggersdorfern kümmerte sich der Experte um die Evakuierung der Weiherbewohner, damit das Gewässer entschlammt und saniert werden kann. Nächste Woche sollen Fische und Muscheln, die derzeit in einem Aufzuchtbecken bei Hausham untergebracht sind, wieder nach Roggersdorf zurückkehren – in ein frisch renoviertes Zuhause.

Das Abfischen hatte elektronisch begonnen. Per Stromstoß versuchte der dafür extra ausgebildete Stefan Moser, die Tiere zu betäuben, um sie dann aufkeschern zu können. Da der Weiher aber verschlammter war als gedacht, wurden nicht alle Tiere erwischt. Das gelang jetzt ohne Strom: Ein Bagger grub zwei Gumpen in den bereits gut abgelassenen Weiher, wo sich die Fische sammelten und fangen ließen. Insgesamt 100 Kilo Karauschen („Bauernkarpfen“) sowie 40 Kilo Rotaugen/Rotfedern und zehn Schleien wurden evakuiert. Raubfische waren nicht darunter. „Vielleicht sollte man aber welche einsetzen“, schlägt Moser vor. Er denkt an den einen oder anderen Barsch. „Dann regulieren sich die Bestände von selbst.“

Die vornehmsten Weiherbewohner wurden von Enten eingeschleppt, als Larven an deren Füßen oder im Gefieder. „Solch prächtige Teichmuscheln habe ich selten gesehen“, sagt Moser. Auffällig ist, dass junge Exemplare fehlten und dass sich keine Dreikant-Muscheln fanden. „Es handelt sich wohl um ein Altersheim für Teichmuscheln“, scherzt Moser. Die Helfer mussten sie aus dem Schlamm rechen, „denn sie versuchten, sich dem Umzug zu entziehen“, so der Experte. Nur vereinzelt schwammen Kleinfische („Bitterlinge“) in den Keschern, die mit der Teichmuschel in Symbiose leben. (avh)

Auch interessant

Kommentare