Kraftvolle weibliche Torsi: Cornelia Hammans erschafft aufregende organische Formen, die nie direkt Echtes abbilden, aber in ihrer Natürlichkeit stets lebendig wirken. Fotos: Thomas Plettenberg

Weibliche Formen mit Kraft

Warngau - Bildhauerin Cornelia Hammans zeigt in ihrer neuen Kunst-Halle im Warngauer Birkerfeld organische Formen und kraftvolle Skulpturen.

„Der weibliche Körper ist schöner, er hat viele Rundungen, wo ein Mann einfach nur glatt ist.“ Für die Warngauer Bildhauerin Cornelia Hammans ist das der Grund, in ihren Arbeiten hauptsächlich weibliche Formen aufzugreifen. Gut ein Jahr ist es her, dass die Tegernseerin im Birkerfeld bei Warngau eine gewaltige Halle bezog und zu einem behaglichen Kunst-Ort gestaltete. Ihre Skulpturen – viele Bronze-Torsi, aber auch ein nagelneues Objekt aus poliertem Edelstahl – füllen den hohen Raum, an dessen einer Wand sich Industrie-Regale bis zur Decke recken, lassen ihn zu einer luftigen Galerie moderner Künste werden. Künste deshalb, weil Hammans an den Wänden großformatige Bilder einer befreundeten Künstlerin zeigt, ihrer Lehrerin Sigrid Mathews Hoffmann. Das ist für die gebürtigen Bonnerin, die seit 20 Jahren in Bayern lebt, kein Problem. Auch zur Eröffnung ihrer Kunst-Halle lud sie zahlreiche andere Maler und Bildhauer ein, ihre Werke zu präsentieren.

Eine uralte Werkbank steht in einer Ecke, ein vom Leben gezeichneter Holztisch daneben. Die Möbel mit den deutlichen Gebrauchsspuren unterstreichen die Wirkung von Hammans Torsi. Oft ist die Bronze so behandelt, dass sie alt wirkt, organisch, so, als hätte sei schon ein wechselvolles Leben hinter sich.

Waren es anfangs eher gezähmte, bravere Ausschnitte weiblicher Figuren, die Hammans oft in gebeugter oder gestreckter Position abbildete, so zeigt die 54-Jährige heute in ihren Arbeiten unbändiges Temperament. Das Leben, das die bearbeitete Bronze suggeriert, wird in den jüngeren Formen der Bildhauerin noch viel stärker widergespiegelt.

„Andere Leute kiffen sich zu, ich hole mir meine Ideen aus der Natur“, bekennt die Frau mit den lachenden Augen freimütig. Sie brauche das: lange Wanderungen in den Bergen, bei denen die Gedanken fließen, bis der Kopf frei ist, irgendwo eine Form auftaucht. Etwa auf einer Wurzel im Schnee. Hammans hat das Motiv aufgegriffen und daraus zwei Körperhälften geschaffen – Oberschenkel und Pobacken, die versetzt zu einander liegen, wie bei einer Schlafenden.

In jüngster Zeit fertigt die Bildhauerin auch kantigere Formen – etwa ein Rückgrat. „Meine Skulpturen bekommen mehr Kraft, manchmal brechen die glatten Oberflächen auf.“ Auch das Verwenden von poliertem V2A-Stahl spiegele diese wachsende Kraft und Härte ihrer Figuren wider. „Oft weiß ich erst bei der fertigen Skulptur, in welcher Stimmung ich mich bei ihrer Herstellung befunden habe.“ Die Kunst wird zum ergebnisoffenen Prozess, an dessen Ende auch die Künstlerin über das Ergebnis staunen kann.

Hammans sitzt in einer Art Wohnzimmer, das am Ende der Halle hinter einer Trennwand eingerichtet ist – urgemütlich. Nebenan: eine luftige Küche mit viel Platz, die in einen gewaltigen alten Esstisch mit einem Dutzend verschiedener alter Stühle mündet. Eine Kerze flackert, aus gewaltigen Boxen hämmert Rockmusik. Hier besuchen sie andere Künstler, Freunde. Und bisweilen wird gemeinsam im großen Stil aufgekocht: eine Mischung aus Galerie, Werkstatt, Loft und Künstlerkneipe. So aufgeräumt die Halle wirkt – in einer Ecke befindet sich eine Werkbank, auf der schon der Ton für die nächste Skulptur wartet.

Sehen wollen die Arbeiten Hammans viele Menschen. Etwa in Paris im Carrousel du Louvre, oder in St. Moritz, wo soeben eine große Ausstellung im Dorfzentrum endete. jhd

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