Noch fährt er: Elisabeth Schmids Ford ist schon 13 Jahre alt. Ein neuer lohnt sich für die 74-Jährige nicht. foto: al

Carsharing: Seniorin sucht halbes Auto

Irschenberg - Seniorin, 74, sucht Gleichgesinnte, mit denen sie ein Auto teilen kann: Elisabeth Schmid aus Irschenberg hat im Gemeinderat einen Antrag auf Carsharing gestellt. Vielleicht bringt sie damit eine kleine Sensation in den Ort.

Elisabeth Schmid ist eine Frau, die ihr Leben lang im Auto saß. In einem gelben Auto. Sie kutschierte Rechnungen, Liebesbriefe und Urlaubskarten durch ganz Irschenberg, sortierte sie, warf sie in die Briefkästen ein. „Postlerin“ nennen sie die Leute bis heute, und der Spitzname klebt so sehr an ihr, dass Bürgermeister Hans Schönauer ihren richtigen Namen glatt vergessen hat.

Doch mittlerweile ist Schmid 74 und in Rente, und längst steuert sie nicht mehr mit dem gelben Postauto durch den Ort, sondern mit ihrem roten Ford. Aber auch diese Ära wird bald zu Ende gehen: „Mein Wagen ist schon 13 Jahre alt.“ Und ob er das nächste Mal durch den TÜV kommt, sei fraglich. Vor kurzem jedoch hat die Irschenbergerin im Radio ein Schlüsselwort gehört: „Car-sharing“. Ein neumodisches Wort, das der Seniorin nur schwer über die Lippen geht. Und das sie doch ganz und gar entzündet hat.

Daher hatte Schmid nun einen Antrag auf Carsharing im Irschenberger Gemeinderat gestellt. Will heißen: Sie sucht Gleichgesinnte, die sich in Zukunft mit ihr ein Auto teilen. Und sie hoffte wohl auch, dass sich die Gemeinde in irgendeiner Weise daran beteiligt.

Doch die Kommune winkte gleich ab. „Der Gemeinderat sieht das nicht als Aufgabe der Gemeinde an“, erklärt Geschäftsleiter Josef Bögl auf Anfrage. Dennoch will Bürgermeister Schönauer Schmid moralisch dabei unterstützen, ein Auto gemeinsam mit anderen zu nutzen. „Vor allem bei älteren Leuten steht ein Pkw oft in der Garage“, meint er. „Da ist es kaum noch wirtschaftlich sinnvoll - bei steigenden Benzinpreisen.“ Und schließlich sei das Carsharing ja bereits ein bewährtes Konzept (siehe Kasten). „In Großstädten gibt es das schon lange.“ Im ländlichen Irschenberg geht das bislang noch nicht.

Doch eine 74-Jährige will das nun ändern. Denn wenn ihr Auto den Geist aufgibt, dann rentiere es sich in ihrem Alter ja kaum mehr, ein eigenes neues anzuschaffen. Schließlich ist sie eine Frau mit Weitblick: „In zehn, 15 Jahren kann ich vielleicht nicht mehr fahren.“ So ganz realistisch gesehen.

Deshalb will sie nun also das neumodische Carsharing in ihr Leben lassen. Bislang ist sie noch fit und braucht ein paar Mal in der Woche ein Auto. Sie fährt zum Einkaufen nach Miesbach oder Bruckmühl, zum Arzt nach Bad Aibling. „Da sind die Busverbindungen zum Teil sehr schlecht“, klagt sie. Auf das ständige Umsteigen hat sie auch keine Lust. Und zu teuer sind ihr die Fahrscheine sowieso. „Da käme mich ein Taxi billiger“, scherzt sie bitter.

Wie das Carsharing genau aussehen, wieviele Mitstreiter es geben soll und wie man die Kosten aufteilt, all das müsse man genau absprechen, sagt Schmid. Lieb wäre ihr ein kleiner, wendiger Wagen. „Die großen sind so unpraktisch“, findet sie. Immerhin ist sie eine Frau, die weiß, was sie nicht will: „Bloß keine Fahrgemeinschaft.“ Also gemeinsame Touren kommen für Schmid nicht in Frage. „Wenn ich zum Supermarkt fahre, will ich nicht drei Leute auf dem Rücksitz haben.“ Auf Unabhängigkeit legt Schmid nämlich großen Wert. Dafür schraubt sie ihre Ansprüche bei der Auswahl ihrer Mit-Teiler runter: „Es ist mir egal, ob sie jung oder alt sind.“

Die Gemeinde gab der Seniorin nun den Tipp, sich bei einem ansässigen Autovermieter zu informieren, um dort einen Wagen zu mieten. Vielleicht tageweise, vielleicht zusammen mit anderen Bürgern. Und die Idee findet die 74-Jährige gar nicht mal so schlecht: „Ich werde mich darüber informieren“, sagt sie - und hofft auf Gleichgesinnte.

Von Marlene Kadach

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