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Die Angst vor der 1000er-Inzidenz: Geschäftstreibende besorgt wegen Lockdown-Gefahr - „Eine Katastrophe!“

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Von: Christian Masengarb, Dieter Dorby, Felicitas Bogner, Gerti Reichl

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Herbert Rehmer Fitness & Gesundheit Dr. Rehmer, Gmund und Holzkirchen
Herbert Rehmer, Fitness & Gesundheit Dr. Rehmer, Gmund und Holzkirchen © mm

Die Sorge vor dem nächsten Corona-Lockdown treibt viele Geschäftsinhaber um. Springt die Inzidenz über die 1000er-Marke müssten viele ihre Läden schließen. Das sagen sie dazu.

Miesbach - Auch wenn die Inzidenz im Landkreis in der vergangenen Woche gesunken ist, treibt die Sorge vor dem nächsten Lockdown viele Geschäftsinhaber um. Springt die Inzidenz über die 1000er-Marke müssten gemäß der neuen Corona-Regeln viele Gastronomen, Händler und Dienstleister ihre Läden binnen weniger Tage schließen – und das auf unbestimmte Zeit, bis die Inzidenz wieder fällt.

Corona in Bayern: 1000er-Inzidenz - Geschäftsleute fürchten nächsten Lockdown

Unsere Redakteure haben mit sechs Geschäftstreibenden aus dem Landkreis darüber geredet, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen. Was bedeuten die neuen Regeln für Gastronomen, Betreibern von Fitnessstudios und Pensions-Inhaber? Wie planen sie, wenn sich kurzfristig alles ändern kann? Lohnt es sich für sie überhaupt noch, zu öffnen? Welche Sorgen treiben sie um, was wünschen sie sich?

Die Antworten zeigen viele Gemeinsamkeiten und einige Unterscheide: Alle unserer Gesprächspartner berichten von Absagen, Geschäftsausfällen und einer schwierigen Zeit. Einige appellieren an die Menschen: „Lasst euch impfen!“ Eine hat ihr Geschäft schon vorsorglich geschlossen und, wie im vergangenen Winter, auf Essen zum Mitnehmen umgestellt. In unserem Corona-Update auf Seite 10 haben wir die aktuelle Corona-Lage im Landkreis zusammengefasst.

Bald neuer Corona-Lockdown? „Mehr gesunden Menschenverstand von allen“

Herbert Rehmer, Fitness & Gesundheit Dr. Rehmer, Gmund und Holzkirchen:

Wir müssen die Verschärfungen in unseren Betrieben weiter differenzieren. Sobald die Inzidenzen länger über 1000 sind, müssen wir zwar für unsere Fitnessstudio-Gäste schließen, der Rehasport kann jedoch weiterhin stattfinden. Dies führt dazu, dass manche Gäste sich ungerecht behandelt fühlen, wenn die einen weiterhin trainieren dürfen und sie selbst nicht. Insgesamt ist die Lage für unsere Branche sehr bedrohlich.

Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Auch unter meinen Mitarbeitern sind noch ein paar ungeimpft. Manche konnte ich überzeugen. Sowohl von der gesamten Gesellschaft als auch der Politik bedarf es in dieser Situation mehr Verantwortungsbewusstsein. Wir brauchen eine höhere Impfquote, aber auch mehr Vorsicht und gesunden Menschenverstand von allen.

Neue Corona-Regeln: Cafe schließt - „Es geht einfach nicht mehr“

Sophia Mairhofer, Café Winklstüberl, Fischbachau:

Sophia Mairhofer Café Winklstüberl Fischbachau
Sophia Mairhofer, Café Winklstüberl, Fischbachau © mm

Wir hatten ohnehin festgelegt, ab diesen Montag geschlossen zu bleiben, um Mahlzeiten, Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen anzubieten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Wegen der Auflagen kommen wenig Gäste, öffnen lohnt sich nicht. Mit den vielen Auflagen, ist es auch schwierig, nichts falsch zu machen.

Wir haben immer unser Bestes versucht, aber es geht einfach nicht mehr. Wir machen lieber zu, vielleicht hat es sich in einem Monat beruhigt. Die neuen Regeln machen es nun noch schwieriger. Vielleicht muss innerhalb von ein paar Tagen plötzlich schließen. Das ist fast nicht zu planen. Wir haben jetzt zum ersten Mal freiwillig geschlossen. Das war eine schwierige Entscheidung. Aber ich glaube, wir haben uns in dieser erneuten Ausnahmesituation gut entschieden und bekommen positive Rückmeldungen.

Corona in Miesbach: „Sanfter Lockdown“ für Pension - Viele Absagen, kaum Buchungen

Franz Mayer, Pension Wendelstein, Miesbach:

Franz Mayer Pension Wendelstein Miesbach
Franz Mayer, Pension Wendelstein, Miesbach © mm

Das ist ein sanfter Lockdown: viele Absagen, kaum Buchungen. Und die Frage der staatlichen Unterstützung ist offen. Das ist für uns ganz schwer zu kalkulieren. Bis 23. Dezember haben wir gerade mal fünf Buchungen, und das Telefon ist still. Der November ist generell schwächer, aber jetzt fallen auch noch viele Monteure weg, weil ihre Einsätze nicht zwingend notwendig sind. Ungeimpfte müssen ja einen PCR-Test vorlegen, wenn sie übernachten wollen.

Deshalb telefonieren wir regelmäßig bei Online-Buchungen nach, damit die Gäste das auch beachten und nicht abends ohne Test vor der Tür stehen. Verständnis habe ich bedingt, denn es ist ja erwiesen, dass in der Hotellerie kaum Ansteckungen vorkommen, wenn ein Hygienekonzept vorliegt und auch strikt umgesetzt wird. Das zu kontrollieren ist aber wohl zu spät passiert.

Neue Corona-Regeln in Miesbach: „Mich schockt nichts mehr“

Hans Vogl, Hotel Landgasthof Altwirt, Großhartpenning:

Hans Vogl Hotel Landgasthof Altwirt Großhartpenning
Hans Vogl, Hotel Landgasthof Altwirt, Großhartpenning © mm

Mich schockt nichts mehr. Mir geht es nur um die Mitarbeiter, dass ich sie zahlen kann. Aber das Geschäft ist sowieso zum Erliegen gekommen. Tagungen und Schulungen sind abgesagt, Weihnachtsfeiern finden nicht statt. Am Montag hatten wir 14 Zimmer belegt, vor drei Wochen waren es da noch 42. 28 haben abgesagt, in der Regel Firmenkunden.

Gerade hat wieder eine Gruppe 25 Zimmer storniert. Bei den Auflagen hast du keine Chance, Geld zu verdienen. Ob wir jetzt kein Geschäft machen und trotzdem aufhaben oder kein Geschäft machen und zusperren – da weiß ich nicht, was besser ist. Wenn ich mir was wünschen dürfte? Dann dass die Leute sich impfen lassen. Das Thema ist im Sommer verpennt worden, da hätten wir Gas geben müssen. Wir müssen zusammenhalten, und ich bin allen dankbar, die zu uns halten.

Neue Corona-Regeln in Bayern: „Eine Katastrophe! Man kennt sich nicht mehr aus“

Francesco Sabbatella, Ristorante Francesco, Tegernsee:

Francesco Sabbatella Ristorante Francesco Tegernsee
Francesco Sabbatella, Ristorante Francesco, Tegernsee © mm

Es ist eine Katastrophe! Man kennt sich nicht mehr aus. Jeden Tag schauen wir ins Internet, was angeordnet ist, und zum Landratsamt kommt man telefonisch sowieso nicht mehr durch. Bei uns gilt ja seit letzter Woche ohnehin schon 2G, was dazu geführt hat, dass weniger los war als sonst. Weil wir jetzt um 22 Uhr schließen müssen, kommen weitere Absagen bereits reservierter Tische dazu.

Wir sind gerade neun Leute hier, vier im Service und fünf in der Küche. Ich selbst helfe an allen Ecken und Enden. Einer ist nur am Eingang für die Kontrollen zuständig. Ich blicke mit Sorge und Angst auf die nächsten Wochen und überlege schon, nur noch mittags aufzumachen und den Rest nur To Go anzubieten. Auch wenn 80 Prozent meiner Stammgäste geimpft sind, so kann ich nur an alle anderen appellieren: Geht endlich zum Impfen!

Corona in Bayern: „Die Leute werden immer ängstlicher“

Elke Schwarz, Kosmetik am See, Rottach-Egern:

Elke Schwarz Kosmetik am See Rottach-Egern
Elke Schwarz, Kosmetik am See, Rottach-Egern © mm

Die letzten Wochen waren erschreckend, und ich muss feststellen, dass die Leute immer ängstlicher werden. Dass ich schon seit zwei Wochen mit 2G-Regeln arbeite, finden meine Kundinnen und Kunden korrekt. Die meisten sind geimpft, wer seinen Termin absagt, benutzt wohl eine Ausrede.

Alles in allem bin ich schwer sauer, denn ich hatte durch die vergangenen Lockdowns sieben Monate keine Einnahmen und nur Staatshilfen. Sollte das alles von vorne losgehen, dann weiß ich wirklich nicht, ob ich das nochmal durchstehe. Denn anders als in der Produktion, können wir keine Aufträge abarbeiten und nach dem Start wieder den Schalter umlegen. In meiner Branche ist das schwer, wir müssen wieder Vertrauen aufbauen und um die Kunden kämpfen. Ich muss sagen, dass es eigentlich düster ausschaut.

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