Mit Kameras

Liftbetreiber machen Jagd auf Skipass-Betrüger

Spitzingsee/Bayrischzell - Vorsicht Kamera: Seit dieser Saison lassen die Liftbetreiber in den großen Skigebieten des Landkreises von den Skifahrern am Eingang ein Foto machen. Die Überwachung soll den Tickethandel unter der Hand stoppen.

Egid Stadler hat schon die wildesten Geschäfte beobachtet: Skifahrer, die am Parkplatz ihre gebrauchten Lifttickets verscherbeln. Erwachsene, die Kindern abgelaufene Stundenpässe unterjubeln. „Für viele ist es verlockend, die Karten weiterzuverkaufen“, sagt der Geschäftsführer der Vereinigten Liftbetriebe am Sudelfeld. „Der Missbrauch ist hoch.“ Und der von vielen als Kavaliersdelikt eingestufte Handel unter der Hand hinterlässt Spuren in den Kassen der Betreiber. Außerdem: „Die ehrlichen Kunden sind sonst die Dummen.“

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn immer mehr Skiliftbetreiber installieren Überwachungskameras an den Eingängen. Auch im Bereich der Alpenbahnen Spitzingsee sowie im Skigebiet Sudelfeld sind die elektronischen Augen seit dieser Saison im Einsatz.

Laut Antonia Asenstorfer, Pressesprecherin der Alpenplus Partner, unter deren Dach fünf Skigebiete zusammengefasst sind, wurden die Kameras im Zuge der Modernisierung der Zutrittssysteme der Bahnen angebracht. Insgesamt fielen dafür Kosten von rund einer Million Euro an. „In Österreich sind Kameras üblich“, sagt Asenstorfer. Im Landkreis stehen sie nun an Stümpfling- und Suttenbahn sowie am Kurvenlift im Skigebiet Spitzingsee-Tegernsee sowie am Waldkopflift am Sudelfeld. Bald kommen dort Grafenherberg, Bayrischzell und Rosengasse hinzu. „Die Kameras sind nötig“, bekräftigt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee: „Denn die Karten sind nicht übertragbar.“ Und bei rund 5000 Nutzern an einem Spitzentag behält man so den Überblick.

Und so funktioniert die Kontrolle: Passiert ein Skifahrer an einem Tag zum ersten Mal den Eingang zum Lift, schießt die Kamera ein Kopffoto. Ein Computer speichert das Bild, verknüpft es mit der Kartenkennung. Schlüpft der Skifahrer ein weiteres Mal durch dasselbe Drehkreuz - oder ein anderes im selben Skigebiet -, erscheint auf dem Bildschirm das Foto der Erstregistrierung. So können Mitarbeiter erkennen, ob der Eintretende der ursprüngliche Ticketinhaber ist.

„Allerdings laufen die Überprüfungen nur stichprobenartig“, sagt Asenstorfer. Der Computer schlägt nicht von selbst Alarm, wenn Gesicht und Karte nicht übereinstimmen. „Es gibt nur Sichtkontrollen.“ Will heißen, die Liftmitarbeiter vergleichen das erscheinende Bild mit der Person. Zusätzlich zeigt der Bildschirm verschiedene Ticketparameter an. Zum Beispiel kann der Kontrolleur erkennen, ob der Skifahrer, der mit der Kinderkarte fährt, tatsächlich ein Kind ist.

Trotz des groben Rasters lohnt sich die Überwachung: „Der Betrug ist seitdem zurückgegangen“, sagt Asenstorfer. An der Stümpflingbahn wurden einmal innerhalb einer Stunde 14 Schummler ertappt. Stadler spricht sogar von 20 Fällen täglich. Bislang behandeln die Betreiber die Betrüger milde. „Wir ziehen nur den Skipass ein“, sagt die Pressesprecherin. Bußgelder fallen nicht an. „Schließlich wollen wir niemandem die Freude am Skifahren nehmen, sondern aufklären“, ergänzt Stadler.

Datenschutzrechtlich ist die Überwachung Asenstorfer zufolge unbedenklich. „Die Fotos werden nur für die Nutzungsdauer der Karte gespeichert.“ Außerdem würden sie nicht mit weiteren Daten zur Person verknüpft. Aushänge an den Liften würden auf die Überwachung hinweisen.

Auch Peter Meier vom Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach hat keine Bedenken: „Zumal es sich um keine klassische Videoüberwachung handelt“, sagt er. Außerdem liege mit dem Missbrauch mancher Nutzer ein plausibler Grund vor. „Wichtig ist, dass der Kreis der Personen, die auf das Foto zugreifen, klein ist“ - und obendrein, dass das Bild ausschließlich zu diesem Zweck verwendet wird, und die Betreiber es nach der Nutzungsdauer löschen. Diese muss in den Geschäftsbedingungen verankert sein. Kauft ein Sportler dann eine Karte, hat er in den Vertrag eingewilligt. „Bislang sind in diesen Fällen keine Beschwerden an uns gegangen“, sagt Meier.

Die Skifahrer scheinen es gelassen zu nehmen. „Die Kameras sind mir gar nicht aufgefallen“, gesteht Christa Winkler, Zweite Vorsitzende des Skiverbands Oberland. Auch bei Versammlungen der Szene sei das Thema noch nicht auf den Tisch gekommen. „Man kann die Betreiber verstehen“, sagt sie.

Von Marlene Kadach

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