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An der Abzweigung des Rotwandwegs kamen auch die Spezial-Schneefahrzeuge der Bergwachten Hausham und Schliersee nicht mehr weiter.

Geburtstagsfeier endet in lebensgefährlicher Odyssee

Spitzing - Es sollte eine fröhliche Geburtstagsfeier auf einer Berghütte werden: Doch für fünf Männer und eine Frau zwischen 21 und 46 Jahren aus dem Großraum München entwickelte sich der Ausflug zur Wilfeldalm im Rotwandgebiet zur lebensgefährlichen Odyssee.

Am Freitag gegen 20 Uhr brachen die fünf vom Spitzingsee auf in Richtung Untere Wildfeldalm, die sie für ein Wochenende gemietet hatten. Allerdings hatten die Mitglieder der Geburtstagsgesellschaft die aktuellen Wetter- und Schneeverhältnisse völlig unterschätzt und sich nach Angaben der Bergwacht-Bereitschaften Hausham und Schliersee ohne Tourenski oder Schneeschuhe und auch ohne Stöcke auf den Weg gemacht. Bei Dunkelheit, einer Neuschneeauflage von rund einem halben Meter sowie dichtem Schneetreiben verpassten sie bereits die Abzweigung der Rotwand-Wegs und bemerkten ihren Irrtum erst beim Berggasthof Igler.

Nach der Umkehr und einem mehrstündigen Aufstieg durch den Tiefschnee erreichten sie eine Hütte und mussten entsetzt feststellen, dass der Schlüssel nicht passte. So erreichte kurz nach Mitternacht ein Notruf die Rettungsleitstelle Rosenheim. Die Bergwanderer gaben an, an einer Alm im Rotwandgebiet zu sein. Allerdings wussten sie nicht genau, wo sie sich befanden.

Der diensthabende Einsatzleiter der Bergwacht Schliersee ließ unverzüglich über die Rettungsleitstelle eine Einsatzmannschaft, einen Bergwacht-Notarzt und einen Ski-Doo-Fahrer alarmieren. Darüberhinaus rückte auch die Bergwacht Hausham aus. An der Abzweigung des Rotwandwegs war aufgrund der starken Schneeverwehungen auch für die Spezial-Schneefahrzeuge Schluss. So startete von dort eine erste Suchmannschaft, bestehend aus fünf Schlierseer und zwei Haushamer Bergrettern, auf Tourenski in Richtung Rotwandhaus. Aufgrund der zweithöchsten Lawinenwarnstufe 4 waren die erfahrenen und ortskundigen Männer mit einer vollständigen Lawinen-Ausrüstung versehen.

Gegen 3 Uhr morgens konnten die Münchner in der Oberen (alten) Wildfeldalm ausgemacht werden. Im dichten Schneetreiben hatten sie ihr Ziel, die Untere (neue) Wildfeldalm, verfehlt, obwohl die Hütten nur etwa 100 Meter auseinanderliegen. „Die untere Hütte war so eingeschneit, dass man sie auch bei Tag nur schwer erkennen kann“, berichtet ein Bergwachtler der Suchmannschaft. Durch Glück gelangten die Verirrten in den Stall der alten Alm. Erschöpft und völlig durchnässt, drängten sie sich unter eine dort gefundene Abdeckplane und wärmten sich notdürftig an mitgebrachten Teelichtern, die eigentlich für die Geburtstagsfeier gedacht waren.

Die Bergwacht versorgte die fünf Männer und die Frau mit heißem Tee. Gegen 4.30 Uhr erreichte die Gruppe schließlich die Schneefahrzeuge, von dort ging's nach Spitzing-Ort.

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