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Pfeifenmacherin Lilli Hoffmann (Foto links) säubert die Windladen, auf denen die Pfeifen stehen. Die Windlade gilt als Herzstück der Orgel.

Sanierung der Haushamer Orgel: Ein Instrument, eine Million Teile

Hausham - Die Haushamer Kirche St. Anton erweist sich derzeit als Baustelle: Im Kirchenschiff und auf der Empore liegen Orgelpfeifen, Gerüste ziehen sich die Wände entlang, überall lagern Material und Technik. Die Sanierung der historischen Koulen-Orgel befindet sich in der heißen Phase.

Die Koulen-Orgel im romantischen Baustil mit ihren 33 Registern besitzt eine singuläre Stellung in Süddeutschland, wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bescheinigt. „Es handelt sich um eine der wenigen Orgeln, die nahezu original ist“, weiß auch Michael Unsinn, Montageleiter bei der Firma Vleugels Orgelbau, die die Orgel renoviert.

Doch die Haushamer Pfarrei verkannte jahrelang den Wert des Schmuckstücks: 1990 legte sie die Koulen-Orgel still, nachdem sie ein elektronisches Modell angeschafft hatte. „Das Elektronikum pfeift aus dem letzten Loch“, klagt Pfarrer Michael Mannhardt. Das Provisorium war nicht mehr tragbar, während zugleich ein Schmuckstück vor sich hin schlummerte. Und verfiel. Weil die Koulen-Orgel mangelhaft gewartet wurde, hatten sich Dreck, Ruß und Öl abgelagert und das Klangbild zerstört. „Eine pneumatische Orgel muss man mindestens einmal pro Woche spielen“, erklärt Unsinn.

Noch aber steckt die Pfarrei mitten im Sanierungsmarathon. „Alle Verschließteile werden renoviert“, erklärt Unsinn. Und das sind einige: etwa eine Million. Die Experten bauten die Orgel auseinander und transportierten Pfeifen, Orgelwerk und Spieltisch zur Reinigung zum Firmensitz nach Hardheim. Um allein den 200 Kilo schweren Spieltisch aus der Kirche zu hieven, ließen sie ihn mit Seilen und Hebekran die Empore herunter. Im April kamen die renovierten Teile zurück nach Hausham. In den nächsten vier Wochen möchten die Arbeiter die Pfeifen wieder einbauen und stimmen, um dem Instrument seinen Originalklang zu verleihen. Bis Anfang August soll die Orgel fertig sein und später mit einem Fest eingeweiht werden.

Vorher geht es aber ans Bezahlen: 197 000 Euro kostet die Renovierung, hinzu kommen Arbeiten an den äußeren Orgelpfeifen und im Kirchenraum für rund 50 000 Euro. Großinvestitionen, für die die Haushamer eigens einen Orgelbauverein gründeten. Dessen Zwischenbilanz: 166 000 Euro Spenden und Zuschüsse. „Viele Spender kamen aus der Pfarrei“, sagt Kirchenpfleger Josef Obermeier. Zudem hilft das Erzbischöfliche Ordinariat bei einer Zwischenfinanzierung. Ob der Restsumme ist Pfarrer Mannhardt daher zuversichtlich: „Wir sind gut unterwegs.“

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