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Lichteraktion: Mit Teelichtern legen die Demonstranten das Wort „Respekt“. Sie fordern die Entfernung der Annaberg-Gedenktafel an der Weinbergkapelle.

Weinbergkapelle

"Wir werden nicht locker lassen!"

Rund 50 Menschen sind an der Schlierseer Weinbergkapelle zu einer Lichteraktion zusammengekommen. Dort sorgt eine Gedenktafel seit längerem für viel Diskussionsstoff.

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Viele Teilnehmer aus dem Landkreis werden es wohl nicht gewesen sein, die nun an der Weinbergkapelle in Schliersee die Entfernung der Annaberg-Gedenktafel forderten. Gut 50 Menschen waren zu der Lichteraktion gekommen, der überwiegende Teil bestand aus Seminar-Teilnehmern, die derzeit in der IG Metall Jugendbildungsstätte Schliersee sind. Die Einrichtung hatte als Teil des „Bündnisses gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland“ zu der Aktion eingeladen. Wie üblich, wenn am Weinberg Versammlungen weltlicher Art stattfinden, war auch die Polizei vertreten. Die Beamten beobachteten das Geschehen vom Parkplatz des Rathauses aus. Jeder Besucher bekam ein Teelicht, das er auf den Hügel tragen konnte. Oben legten sie aus den Lichtlein das Wort „Respekt“. Zunächst griff der Leiter der Jugendbildungsstätte, Werner Hartl, zum Mikro: „Man kann über Totengedenken sprechen, nicht aber über ein Gedenken an eine faschistische Organisation.“ Wie berichtet, ist damit das Freikorps/Bund Oberland gemeint. Jährlich kommen Mitglieder von dessen Nachfolge-Organisation – ein Traditionsverein – nach Schliersee, um der 52 Toten zu gedenken, die beim Sturm auf den Annaberg 1921 gestorben sind. Nachdem das Lied „Bella Ciao“ mit der Textzeile „Nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg“ eingespielt worden war, ergriff Max Fichtner für das „Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe“ das Wort, allerdings nicht, bevor die Demonstranten die Gedenk- mit einer anderen Tafel abgedeckt hatten. „Respekt! Kein Platz für faschistische Traditionspflege“, stand darauf. Fichtner warf dem Schlierseer Pfarrer Peter Hagsbacher vor, einen Zusammenhang von Freikorps und Annaberg-Erstürmung mit dem Nationalsozialismus zu leugnen und sich gegen die Entfernung der Gedenktafel zu stemmen. Den Zusammenhang stellte Fichtner unter anderem damit her, dass stets Kränze von Organisationen niedergelegt werden, „die zu den Wegebereitern des Nationalsozialismus gerechnet werden müssen“. Wie berichtet, machten Teile der Freikorps-Mitglieder später Karriere bei den Nazis, zum Beispiel Karl Diebitsch, der Fichtners Worten zufolge die Tafel in Schliersee in den 1950er-Jahren entworfen hatte. Hartl kündigte zum Abschluss an: „Wir werden nicht locker lassen und schauen, was in den nächsten Wochen passiert.“ Unklar blieb, ob die 500 Unterschriften pro Entfernung der Tafel bald an Hagsbacher übergeben werden oder erst noch mehr gesammelt werden sollen.

dak

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