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Mit Blüten in die Spielbank

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Giovanni U. aus Italien: Er hat versucht, der Spielbank Bad Wiessee falsche Hunderter anzudrehen. © ebu

Bad Wiessee – Giovanni U. versuchte im Dezember 2009 in der Spielbank Bad Wiessee sein Glück. Nicht nur beim Roulette – auch beim Einsatz von Falschgeld. Doch eine Croupière ahnte den Coup des Italieners.

Giovanni U. (72) aus Bologna benahm sich in der Spielbank Bad Wiessee (Kreis Miesbach) so unauffällig wie möglich. „Er stand bei mir am Tisch und hat zwei- bis dreimal einfache Chancen gespielt“, berichtet eine Croupière (32) aus Miesbach. Kurz vor dem Fall der Kugel setzte er Bargeld auf rot oder schwarz. Als er eine einfache Chance gewann, räumte die Croupière den Tisch ab und wechselte seine drei Hundert-Euro-Scheine in Jetons um. Da kam die 32-Jährige Giovanni U. auf die Schliche: „Die Scheine fühlten sich komisch an. Ganz glatt.“ Es handelte sich um Blüten. Die Mitarbeiterin gab ihrem Tischchef Bescheid. Währenddessen erzählte U. einem anderen Mitarbeiter, dass er Berlusconi kenne.

Jetzt muss sich der Italiener wegen Geldfälschung und versuchten Betrugs vor dem Landgericht München II verantworten, weil er der Bad Wiesseer Spielbank 5000 Euro Falschgeld andrehen wollte. Der 72-Jährige gibt alles zu. Er habe die Blüten zum Preis von 20 Prozent des Nominalwerts von einem gewissen Antonio aus Neapel gekauft – mit Geld, Schmuck und Parmaschinken. Doch dann mauert der Italiener. Er weiß angeblich nicht mehr, wie viel Geld er gekauft hat. Erst spricht er von 6500 Euro, später von „vielleicht 10 000 Euro ungefähr“.

Den Geldfälscher Antonio aus Neapel, den Giovanni U. in einer Bar in Bologna traf, lernte er angeblich über seinen staatlich bestellten Betreuer kennen, der ihm bei den alltäglichen Arbeiten hilft. Der junge Tunesier und seine Freunde hätten bei ihm in der Wohnung geschlafen. „Sie haben ihn beeinflusst“, sagt der Anwalt des Angeklagten. Als sich U. mit Antonio unterhielt, habe der Neapolitaner vorgeschlagen, ihm Blüten zu verkaufen. „Ich wusste ja gar nicht, dass er diesen Beruf ausübt“, sagt U. Doch das Gericht zeigt Zweifel an den Ausführungen des Italieners. Er hat in seiner Heimat bereits sechs Vorstrafen seit 1981, darunter auch einschlägige. „Sie haben das auch schon praktiziert, bevor Sie Ihren Betreuer kannten“, sagt der Vorsitzende Richter. Giovanni U. ist in den italienischen Casinos bereits gesperrt. Deshalb spielte er in Bad Wiessee, Seefeld in Tirol und Slowenien.

Statt über seine Straftaten und das Falschgeld, lamentierte der herz- und krebskranke Giovanni U. lieber über sein angeblich verkorkstes Leben. Seine Familie habe ein Vermögen besessen, Villen in Bologna und San Remo sowie eine Passage mit Geschäften in Cesena. „Ich habe mit sechs Jahren am Bahnhof geschlafen, weil ich mich in der großen Villa verloren fühlte“, erzählt er den Richtern. Seine Jugend habe er in Internaten verbracht. Später habe er Wirtschaftswissenschaften studiert – aber ohne Abschluss, weil er sich um den kranken Vater habe kümmern müssen. Das große Erbe, inklusive einer Stradivari, habe allein seine Schwester bekommen. Auch mit den Frauen habe er kein Glück gehabt. Seine erste Frau habe ihn mit fünf Kindern verlassen. Auch seine jetzige, junge Frau sei „auf und davon“. Der Prozess dauert an.

Nina Gut

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