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Hinter den Kulissen des neuen Abfüll- und Lagerbetriebs an der Kreuzstraße wird seit November 2011 gearbeitet.

Brauhaus - Betriebsstart ohne großes Tamtam

Gmund/Tegernsee - Das Bierbrauen in Tegernsee hat eine über 1000-jährige Tradition. Mit der Eröffnung des Abfüll- und Lagerbetriebs an der Kreuzstraße hat das Herzogliche Brauhaus jetzt ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen.

Große Eröffnungs-Zeremonien passen seit jeher nicht ins Konzept des Brauhauses Tegernsee. Geschäftsführer Christian Wagner legt lieber Zurückhaltung an den Tag, genießt mit Braumeister Norbert Stühmer im Stillen, dass das Tegernseer Bier nur so sprudelt und das Bräustüberl mit Wirt Peter Hubert brummt. Wagner würde am liebsten gar nichts sagen zum Neubau in der Nachbargemeinde Gmund, wo nach einjähriger Bauzeit bereits seit Ende November 2011 der Betrieb auf Hochtouren läuft.

Auf dem knapp fünf Hektar großen Areal hat sich die Brauerei Platz verschafft, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Das Gewerbegebiet „Am Kanzlerfeld“ wurde eigens für die Pläne der Brauerei geschaffen. Eine Abbiegespur von der B 472 wurde gebaut. Nicht alles hatte gefallen. Naturschützer prangerten im Vorfeld den Verlust von Landschaft an, doch schließlich waren sich die politischen und behördlichen Entscheidungsträger einig: Der Erhalt eines wichtigen Wirtschafts- Unternehmens und die Sicherung von Steuereinnahmen zählen mehr. Erweiterungspläne am Stammsitz in Tegernsee waren aufgrund mangelnder Gewerbefläche gescheitert, und so machte die Nachbargemeinde den Weg frei. Der Gmunder Kämmerer kann sich die Hände reiben, denn die Brauerei zahlt kräftig Gewerbesteuer. Deren Höhe errechnet sich nach einem Schlüssel aus am neuen Standort beschäftigten Mitarbeitern und deren Gehältern. Genau diesen Anteil verliert Tegernsee. Wie hoch diese Summe genau ist, sei Steuergeheimnis.

Tatsache ist: Nicht nur wegen des Neubaus hat die Brauerei laut Wagner in den vergangenen fünf Jahren die Personalzahl um 15 Personen erhöht. Die Belegschaft mit derzeit 64 Mitarbeitern verteilt sich gleichmäßig auf beide Standorte. Gebraut wird der Gerstensaft unverändert in Tegernsee – nach überlieferten, weiterentwickelten und veredelten Rezepturen der Benediktiner-Mönche. „Das wird auch in Zukunft so bleiben“, sagt Wagner. Erst nach fünf- bis sechswöchiger Lagerung wird das unfiltrierte Bier mit einem Tank-Fahrzeug in das neue Gebäude verfrachtet. „Dort wird filtriert, auf Flaschen und Fässer umgefüllt, verladen und wie jeher an die Gastronomie geliefert“, erklärt Wagner.

Einen Vorteil für Tegernsee hat die Verlagerung aber doch: Der Schwerlast-Verkehr hat sich bis auf den Bier- Shuttle deutlich verringert. Eigen-Fuhrpark und der Getränkegroßhandel müssen die Biere nicht mehr direkt am Tegernseer Schloss beladen und abholen – etwa 60 bis 80 Lkw-Bewegungen spielten sich hier bisher pro Tag ab. „Der stark frequentierte Brauerei-Innenhof ist seit dem Neubau deutlich entlastet“, meint Wagner. Überhaupt hat Tegernsee jetzt mehr Platz. „Den gewonnenen Raum werden wir für den weiteren Ausbau von Gärund Lagerkeller verwenden.“ Die Zeichen stehen auf Wachstum.

 von Gerti Reichl

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