Die Mess-Skala spricht eine deutliche Sprache: Die Spalten weiten sich millimeterweise.

Am Galaun droht ein Felssturz

Tegernsee - Ständig größer werdende Spalten sorgen am Galaun unterhalb des Riedersteins für Unruhe: Es könnte ein Felssturz drohen.

Zweimal im Jahr kontrolliert Thomas Gallemann vom Bayerischen Landesamt für Umwelt seine Messpunkte an einer etwa 30 bis 40 Meter hohen Abrisskante am Galaun. Hier, etwas abseits von Wanderwegen, wird das "Phänomen der Bergzerreißung" genauestens registriert, seit man 2005 die enormen Spalten entdeckte. Auch diesmal hat sich die etwa 150 Meter lange Spalte wieder um drei Millimeter geweitet. Was auf den ersten Blick marginal erscheinen mag, summiert sich im Laufe der Jahre. Inzwischen gibt es hier auffallend tiefe Spalten von ein bis zwei Metern Breite. "Bergzerreißung am Galaun" nennt Gallemann deshalb sein Messprogramm. Der Experte ist überzeugt: "Es wird der Tag kommen, an dem eine gewisse Menge an Felsmaterial abgehen wird."

Das bestätigt auch Andreas von Poschinger, Leiter des Referats Ingenieurgeologie und Georisiken: "Es kann noch ein paar Jahre dauern, bis der Abbruch stattfindet. Wenn es soweit ist, werden mehrere 1000 Kubikmeter Felsmasse ins den Wald abstürzen." Das wäre zunächst nicht dramatisch: Die Bäume am Hang stellen eine natürliche Bremse für die Felsbrocken dar. Was dennoch durchkommt, wird sich nach Einschätzung der Fachleute in Richtung Süßbach schieben. "So dürften weder Häuser noch Straßen von einem Felssturz bedroht sein", sagt von Poschinger.

Vorerst jedenfalls. Denn dann drohen andere Szenarien: "Durch einen Felssturz könnte sich das Gleichgewicht der Steilwand am Galaun verändern, was unbedingt beobachtet werden sollte", erklärt Gallemann. Und von Poschinger vermutet, dass durch die Geröllmassen der Kopf einer älteren Rutschmasse belastet werde, die dadurch reaktiviert werden könnte. "die Rutschung reicht an ihrem Fuß bereits jetzt bis nahe an das Siedlungsgebiet heran."

Noch ist am Galaun nichts passiert. Allein das Risiko eines Felssturzes steigt kontinuierlich.

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