Abgeschottet im Dornröschenschlaf: Gut Kaltenbrunn steht seit Jahren leer. Foto: Thomas Plettenberg

Hochschule im Tegernseer Tal?

Tegernsee - Eine Hochschule im Tegernseer Tal - diesen Coup will die Standortmarketing-Gesellschaft des Landkreises landen. Möglicher Standort könnte Gut Kaltenbrunn sein.

Es war ein Punkt unter vielen, den Oliver Reitz, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG), in seinem Tätigkeitsbericht aufzählte. Zweifelsohne birgt er aber die meiste Brisanz. Die SMG wolle eine Hochschule im Tegernseer Tal initiieren, berichtete der 43-Jährige den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses des Kreistags. „Das muss nicht zwingend eine eigene Hochschule sein“, sagte Reitz. „Auch eine Filiale wäre möglich.“

Zwei Studiengänge drängen sich nach Ansicht des SMG-Geschäftsführers auf: Tourismusmanagement und Gesundheitsmanagement. „Oder vielleicht auch Gesundheitstourismusmanagement“, überlegte er. In jedem Fall müsse es ein Studienzweig sein, den andere Landkreise in der Umgebung nicht zu bieten haben. Erste Sondierungsgespräche habe es bereits gegeben, konkret nannte Reitz die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Die hat bereits rund 70 Standorte außerhalb von München, unter anderem auf dem Wendelstein. „Es geht zunächst darum, eine Nische für uns zu finden und zu überlegen, ob wir so eine Universität allein oder nur mit Partnern stemmen können“, präzisiert Reitz auf Nachfrage. „Mir ist es jetzt wichtig, einen Denkprozess in Gang zu setzen.“

Von ungefähr kommt die Idee des Diplom-Geographen nicht. Vor seiner Tätigkeit im Landkreis war Reitz an der Zeppelin-Universität am Bodensee für die Universitäts-Entwicklung zuständig. „Mir tut es weh, wenn junge Menschen, aber auch Förderer oder deren Geld abwandern“, bekannte er in der Sitzung. Als Beispiel nannte er Metro-Gründer Otto Beisheim und Ex-Schörghuber-Manager Robert Salzl, der als Kurator für die International School of Management tätig ist. Mit einer Hochschule würde im Landkreis studentisches Leben Einzug halten, das wiederum Auswirkungen auf andere Lebensbereiche, beispielsweise die Gastronomie, hätte.

Standort einer Universität könnte das heute leer stehende Gut Kaltenbrunn sein. „Hier treffen sich zwei Themen“, so Reitz. „Auf der einen Seite gibt’s eine Idee, auf der anderen ein ungelöstes Problem - vielleicht ist da ja ein gemeinsamer fruchtbarer Weg möglich.“ Reitz sprach gar von einem Bildungsdreieck Tegernseer Tal. „Weitere Flächen wären im Tegernseer Schloss denkbar, weil das Gymnasium Tegernsee auf Dauer sicher nicht den heutigen Raumbedarf hat, sowie im Wiesseer Kurviertel“, sagte der SMG-Geschäftsführer. „Hier könnte man die medizinische Komponente des Studiums abdecken.“

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