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„Da flippst Du aus.“ So schön ist es hier am Schliersee.

Der Schliersee und die Insel der Liebe

Schliersee - In unserer Sommerserie stellen wir oberbayerische Seen aus verschiedenen Blickwinkeln vor. Heute: Der Schliersee und die Insel der Liebe.

Wer von der Insel Wörth mitten im Schliersee spricht, darf über die Liebe nicht schweigen. Es begab sich vor ewigen Zeiten, der Ritter von Waldeck, ein tapferer und gottesfürchtiger Mann, kehrt gerade vom Kreuzzug in die Heimat zurück. Er will endlich seine Wunden pflegen, sein schönes und eheliches Weib in den Arm nehmen. Doch daraus wird ganz und gar nichts: Er findet, so die Legende, seine Gattin in den Armen des bösen Schlossvogtes Golo vor. Und da so ein Kreuzritter bekanntlich keinen Spaß versteht, lässt er auf der Insel Wörth flugs einen Hungerturm bauen, wirft den Golo und sein treuloses Weib hinein, auf dass die beiden jämmerlich verhungern.

Ewig her und ziemlich brutal. Heute gibt es für solche Fälle Paartherapeuten und, wenn nötig, Scheidungsanwälte. Hungertürme sind in Oberbayern etwas aus der Mode gekommen. Selbst auf der Insel Wörth geht es mittlerweile gesitteter, stilvoller, liebevoller zu. Hier haben sie vor einiger Zeit so ziemlich das Gegenteil eines Hungerturms hingebaut – ein schickes Inselrestaurant. Spezialitäten des Hauses: Edelfischsuppe, Kalbslende mit Parmaschinken, Eis-Marillenknödel auf Waldbeeren-Ragout.

„Es war eine Meisterleistung“, sagt Heiko Baier, der Wirt. 2001 haben sie das „Wirtshaus im See“ fertig gestellt. Sie haben ein Spezialschiff aus Hamburg geholt und jeden Mischwagen, die Bagger, jedes Gramm Zement, jede Fliese, jeden Wasserhahn rüber gefahren. 480 Mal musste das Schiff hin und her fahren. „Vorher gab es hier keinen Strom und kein Wasser“, sagt Baier, 38. Und heute? Ja, heute ist die Insel ein Ausflugsziel der Superklasse. Sagt der Wirt. „So einen Flecken findest Du nicht noch mal in Bayern.“ Hier gibt es Bergpanorama, Weißbier, Liegestühle, ein Aussichtstürmchen, sogar ein Marien-Marterl und – Selbstauskunft des Wirtshauses – „gehobenes internationales Essen auf einer geilen Sonnenterrasse“, zudem Barbecue-Partys, Gäste, die per Helikopter anreisen, und im Winter Weihnachtsfeiern mit Eisbar. „Da flippst Du aus“, sagt der Wirt.

Hoppla, ganz schön was los am beschaulichen Schliersee. Am Anfang fanden das die Einheimischen gar nicht so witzig. „Die Gspinnerten aus München“ haben sie die Wirtsleute genannt. Inzwischen hat sich das Verhältnis deutlich verbessert, sagt Baier. Die Schlierseer kommen jetzt zum Familienbrunch auf die Insel, 17,90 Euro pro Person und mit Live-Musik. Auch sonst dürften sie sich eigentlich nicht beschweren, beteuert der Wirt. „Ich bin ein Motor“, sagt er. Er sorge für 3500 Übernachtungsgäste im Jahr. Denn das Wirtshaus im See ist nicht nur ein traumhaft schöner Fleck zum Cappuccino trinken, sondern es heiratet sich auch ganz hübsch inmitten eines Sees mit Alpenblick. „Wir haben sogar einen roten Teppich“, sagt Baier. Allerdings müsse man sich ein Jahr vorher bei ihm rühren, sonst hat man keine Chance auf eine See-Hochzeit. Hoffungslos begehrt, die Insel Wörth. „95 Prozent der Leute, die kommen, sind Münchner“, sagt Baier.

So eine Insel ist ja schön und gut, aber völlig unbrauchbar ohne einen gescheiten Bootsführer. So einen wie Michi Lauber, 24, aus Schliersee und immer mit einem Spruch auf den Lippen. Das ist gut für die Laune und fürs Trinkgeld. Seit fünf Jahren macht er den Job jetzt schon. „Ich habe dann die Ehre, die Herrschaften um 3 oder 4 Uhr nachts abzuholen“, erklärt er. Während Braut und Bräutigam auf der Insel im Hochzeitszimmer schlafen dürfen, bringt Lauber die Gäste ans Ufer. „Bei uns im Volksmund heißt die Insel eh nur noch: die Hochzeitsinsel.“ Und auch in Sachen wütende Kreuzritter ist der junge Mann mehr als fit. Als Bub war er jahrelang selbst mit eben jenem Forschungsprojekt beschäftigt. In Schlierseer Grundschulen erzählt man sich nämlich seit Generationen von einem unterirdischen Tunnel, der direkt von der Burgruine Hohenwaldeck zur Insel Wörth führen soll. „Wir haben gesucht, bis wir 14 waren“, sagt Lauber. Und: „Wenn wir ihn nicht gefunden haben, dann gibt es ihn nicht.“ Brautentführungen fallen auf der Insel also eher flach. Auch gut.

Von Stefan Sessler

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