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Tegernseer Schmuckstück: die herzogliche Bibliothek. Vor gut einem Jahr hat die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee den Raum feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. Jetzt möchte ihn die Kirche erwerben.

Kirche möchte herzogliche Bibliothek kaufen

Tegernsee - Vor gut einem Jahr wurde die herzogliche Bibliothek im Tegernseer Schloss eröffnet. Jetzt tut sich Überraschendes im Hintergrund: Die Erzdiözese München-Freising möchte den Raum von der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee kaufen, derzeit laufen die Verhandlungen.

Mehr als 11 600 historische Bücher von Anfang des 17. bis Beginn des 20. Jahrhunderts stehen in den Holzregalen, wertvoller Stuck sowie Fresken von Hans-Georg Asam zieren die Decke. Als prall gefüllte Schatzkammer präsentiert sich das Zimmer im Tegernseer Schloss seinen Besuchern. „Psallierchor ist die richtige Bezeichnung für den Raum, Bibliothek folgte erst später“, erklärt Dekan Walter Waldschütz. Fast 200 Jahre wurde der von der Klosterkirche abgetrennte Raum kaum betreten. Dann kaufte ihn die Kreissparkasse (KSK) Miesbach-Tegernsee und erwarb von Herzog Max von Bayern das Dauernutzungsrecht, um das Zimmer öffentlich zugänglich zu machen. Offiziell vorgestellt hatte die KSK die Bibliothek Mitte März 2011. Seitdem ist es still geworden.

„Es ist noch nicht konkret besprochen worden, wie es weitergeht“, sagt Peter-Friedrich Sieben, Pressesprecher der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Der Grund: Die Zukunft des Raumes hängt seit Monaten in der Luft, weil seitdem Gespräche zwischen Kreissparkasse, Herzog und Kirche laufen. Letztere möchte den Raum kaufen. „Ich kann bestätigen, dass Gespräche geführt werden. Über den Inhalt wollen wir uns nicht öffentlich äußern“, sagt Bernhard Kellner, Pressesprecher der Erzdiözese München-Freising, auf Nachfrage. Nur soviel: „Wir haben Interesse den Psallierchor zu erwerben, aus pastoralen, historischen und kunsthistorischen Gründen.“ Über die konkreten Beweggründe für den möglichen Kauf hält sich das Ordinariat derzeit noch bedeckt. Der Pressesprecher der KSK lässt wenigstens durchblicken, dass die Anfrage „von höchster Stelle“ gekommen sei. „Wir verschließen uns dem Interesse der Kirche nicht“, sagt Sieben.

Doch gerne sprechen weder die Kreissparkasse noch die Erzdiözese über das Thema. Zu sensibel ist die Angelegenheit, zu groß sind die Summen – von Millionenbeträgen ist die Rede. Immerhin geht um eine Grundsatzentscheidung, ob der Raum gekauft werden soll oder nicht. „Nach der Restaurierung hatte die Kirche Interesse“, erklärt Waldschütz. Schließlich sei die Kirche ehemals selbst Eigentümerin gewesen und wünsche sich den Psallierchor deshalb nun wieder zurück. „Es ist ein sakraler Raum, ein ehemaliger Gebets- und Gottesdienstraum.“

In den Entscheidungsprozess ist auch Waldschütz involviert: Der Dekan wurde von der Erzdiözese um eine Stellungnahme zur Nutzung gebeten. Die entsprechende Beschlussvorlage der örtlichen Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats hat Waldschütz vor wenigen Wochen abgegeben. Doch viele Fragen zu Kauf und Nutzung seien noch offen. Zum einen geht es um den Raum selbst, aber auch um das Inventar, sprich: den historischen Bücherbestand. Wann eine Entscheidung fällt, sei laut Erzdiözese und KSK daher nicht absehbar.

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