Marianne Lindner wird 90 Jahre alt

Gmund - „Ich war mein Leben lang die Beißzange vom Dienst“, erzählt die Grand Dame des bayrischen Volksschauspiels Marianne Lindner. Am Dienstag feiert sie ihren 90sten Geburtstag zuhaus in Dürnbach.

Sie war immer die Bissgurn. Eine staunenswerte, knapp 70-jährige Bühnenkarriere lang. Selbst, als sie noch ganz jung war, erinnert sich Marianne Lindner, habe sie nie die „junge Geliebte“ geben dürfen, sondern immer das verhärmte, bigotte, herrische oder bissige Frauenzimmer. Marianne Lindner lächelt, als sie das sagt. Jetzt wird sie 90 Jahre alt, und im Privaten hat sie von der Bissgurn ganz und gar nichts. „Aber das waren ja die viel interessanteren Rollen“, meint Lindner.

Die Schauspielerei war ihre ganze Leidenschaft. Lindner spielte in allen Klassikern der bayerischen Komödie wie in den „Drei Eisbären“, dem „Verkauften Großvater“, dem „Ehestreik“ und quasi in allen Inszenierungen des Komödienstadls. In einem Bücherl hat sie handschriftlich und fein säuberlich alle ihre Rollen und Engagements aufgelistet.

Neben dem Bücherl gibt's einen ganzen Stapel Fotoalben heran, voll mit Aufnahmen der Lindner und ihren Kollegen in Aktion. Beppo Brem, Maxl Graf, Walter Sedlmayr, Ludwig Schmid-Wildy, Gerhard Lippert sind hier zu finden. „Mit Michl Lang hat es am meisten Spaß gemacht“, erinnert sie sich an die Zeit des Komödienstadels. Er lief zur besten Sendezeit, um 20.15 Uhr am Sonntagabend, und machte die Schauspielerin über Deutschland hinaus berühmt. Marianne Lindner spielte in Berlin, Prag und Paris nicht nur, aber vor allem das bayerische Urgestein, das sie eigentlich gar nicht war. Denn geboren und aufgewachsen ist sie in Bad Blankenburg in Thüringen.

Laut ihrem Bücherl begann Marianne Lindner 1942 als Schauspielerin am Bauerntheater in Obersdorf, wo sie Siegfried Lindner, ihren zweiten Ehemann kennen lernte. Mit ihm kam sie zum Tegernseer Volkstheater, mit dem sie durch die Lande tourte. In Ostin lernte Marianne Lindner bairisch. Das Ehepaar baute ein richtiges Theaterhaus mit Probebühne, Requisiten- und Kulissenräumen und einem Aufenthaltsraum für die Schauspieler. „Ich habe alles gespielt, was ich wollte“, sagt die Lindner stolz. Sie spielte im Tatort, im Polt-Film „Kehraus“ und in den Serien „Irgendwie und sowieso“ sowie „Der Bulle von Tölz“. Erst vor zwei Jahren hängte sie die Schauspielerei an den Nagel, berichtet Lindner: „Sie war mein Lebensinhalt.“

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