Zwei historische Schausteller-Waggons und einen Unimog umfasst das originelle Gespann von Paul Busse. Heute will er mit seiner mobilen Sauna im Tegernseer Tal eintreffen. Foto: privat

Mit mobiler Sauna langsam ins Schwitzen kommen

Tegernseer Tal - Sauna, das bedeutet für Paul Busse (61) auch Seelenpflege. Den Wellnesstempeln setzt der Freiburger ein selbst gezimmertes Vehikel entgegen: den Saunawagen. Am Freitag will er das Tegernseer Tal erreichen.

Aus dem Schwitzbad direkt in einen eiskalten See: „Das ist das wahre Erlebnis“, schwärmt Busse. Um es den Menschen zu bieten, tuckert er gemeinsam mit Lebensgefährtin Doris Schulte seit fünf Jahren regelmäßig mit seinem Saunawagen durchs Land. Nur in seiner Freizeit allerdings: Im Hauptberuf betreibt Busse das Waldkurbad am Möslepark in Freiburg.

Rund 8000 Kilometer hat der leidenschaftliche Saunagänger mit seinem Gespann bisher bewältigt. Gezogen wird es von einem Unimog Cabrio, Baujahr 1978, erlaubte Höchstgeschwindigkeit 25 Kilometer pro Stunde. Angehängt sind zwei historische Schausteller-Waggons. Im älteren, 1911 in Straßburg gebaut, bieten Busse und seine Partnerin Massagen an. Der zweite stammt aus den 30er-Jahren und beherbergt einen mit Holz zu beheizenden Sauna-Ofen. Bis zu vier Saunagänger können in dem holzgetäftelten Waggon gleichzeitig schwitzen.

In Tschechien ist Busse mit seinem Gefährt schon gewesen, im Osten Deutschlands und im Burgund. „Immer auf der Suche nach einem Ort, wo wir am Wasser stehen bleiben können“, erzählt Busse. Tegernsee sei eigentlich kein gutes Ziel. Schließlich ist dort die Idee des Saunabadens direkt am natürlichen Gewässer mit der Seesauna bereits nobel verwirklicht. Doch Busse zieht es aus einem anderen Grund an den Tegernsee: Hier hat er vor 40 Jahren die Hotelfachschule Speiser besucht. Am Wochenende findet das große Jahrestreffen der Ehemaligen statt, da will er dabei sein.

Eineinhalb Tage braucht Busse für die Fahrt von Freiburg ins Tal. Die Langsamkeit gehört zur Philosophie des „Weltenbummlers DaySpa“, wie Busse sein Angebot nennt. Eben darum setzt er sich keinen Zeitplan, macht keine Werbung. „Sonst müsste ich ja wieder Termine einhalten.“

Der Weltenbummler stellt seinen Saunawagen auf, wo er einen Platz am Ufer findet, und heizt den Ofen für jeden an, der zufällig des Weges kommt und spontan Lust hat, ein Schwitzbad zu nehmen. Handtücher für seine Kundschaft hält Busse bereit, ein Saunabesuch kostet 10 Euro. Der Andrang hält sich in Grenzen. „Meist sind es nur eine Handvoll Leute, manchmal kommt auch keiner“, berichtet Busse. Verdienen lassen sich mit der Sauna auf Rädern ohnehin nichts: „Das ist ein Hobby.“

Am späten Freitagnachmittag will der Sauna-Fan im Tegernseer Tal sein, vermutlich parkt er sein Gespann am Ringsee. Wo genau, lasse sich nicht sagen: „Die Leute sollen halt nach uns Ausschau halten.“ Bleiben wird er bis Dienstag. Vermutlich.

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