Eine Nachwuchshoffnung am Flügel: Philipp Scheucher begeisterte sein Publikum beim Klavierabend im Tegernseer Barocksaal. Foto: Andreas Leder

Pianist Philipp Scheucher: Eine erlesene Kür

Tegernsee - Mit einem Klavierabend des 1993 in Graz geborenen Pianisten Philipp Scheucher ist die Klassik-Reihe Podium für junge Solisten in die aktuelle Konzertsaison gestartet.

Für den Freundeskreis zur Förderung junger Musiker ist mit dem Konzert ein Wunsch in Erfüllung gegangen.

Der junge Österreicher beeindruckte das Publikum im Tegernseer Barocksaal mit einer reifen Darbietung und überzeugendem Können. Für seinen zweiten Auftritt an diesem Ort - 2008 war Scheucher als 15-Jähriger schon einmal zu Gast - hatte er Klavierwerke von Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt und Sergej Prokofiev ausgewählt, eine erlesene Kür aus Romantik und Moderne.

Zu einem Höhepunkt des Abends geriet Chopins „Berceuse“: Erst streichelnd, dann intensiver anschlagend zauberte er die Arabesken, Trillern und Kaskaden im natürlichen Spannungsbogen träumerisch hin.

Am Scheideweg von purem Virtuosentum und individueller Entwicklung liegt die Ballade in h-Moll von Franz Liszt. Genüsslich spielte Scheucher die anfängliche, unheilvolle Bassmelodie über einem drohenden, noch tieferem Gemurmel, ließ das lyrische Thema aufhellend erblühen und ranken, das Baritonlied wehmütig ertönen. Scheuchers Interpretation gab dem Stück eine Tiefe, die der Komposition an sich nicht unmittelbar eigen ist.

Ein begeistertes Publikum applaudierte dem jungen Pianisten stehend zu seiner Leistung und bekam noch zwei Zugaben zu hören: Schumanns nachdenkliches „Von fremden Ländern und Menschen“ sowie Vladimir Horowitzs leidenschaftlich-virtuose „Carmen-Variations“.

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