Das Postamt bietet schon lange keinen schönen Anblick mehr. Foto: Andreas Leder

Problemfall Postgebäude

Rottach-Egern - Das Rottacher Postgebäude ist zum Schandfleck in der Ortsmitte geworden. Trotz vieler Aufforderungen der Gemeinde hat Eigentümer Hermann Elmering bislang einen neuen Anstrich verweigert. Immerhin gibt’s nun ein neues Versprechen: Im Frühjahr soll die Fassade verschönert werden.

Dr. Hermann Elmering ist als Unternehmensberater und Hausverwalter erfolgreich, in den 90er Jahren saß er auch im Aufsichtsrat von Thyssen Krupp Elevator. In diese Zeit, genauer 1996, fällt der Erwerb von mehreren Postgebäuden im Tegernseer Tal und Bad Tölz.

„Uns ist das Postgebäude damals nicht angeboten worden“, sagt Bürgermeister Franz Hafner (FWG) heute, „das hat uns sehr geärgert.“ Ministerpräsident Edmund Stoiber soll zu Elmerings guten Freunden gezählt haben. Beobachtet hatte dies auch Münchens Klatschkolumnist Michael Graeter. Er schrieb im Mai 2009: „Mit Edi (Edmund Stoiber) mussten auch die Strippenzieher gehen, in erster Linie Freunde in Augenzwinkerhöhe wie Industrieberater Dr. ,Wurm’ Elmering, für Stoibers Freizeit zuständig.“

Ob die guten Kontakte den Kauf der Postgebäude erleichtert haben? „Bei dem Erwerb meiner Postimmobilien war von mir kein Politiker eingeschaltet oder vorher informiert“, erklärt Elmering auf Anfrage, „die Deutsche Post AG hat ihre Immobilien in offiziellen Verkaufsvorgängen verkauft.“ Tatsache ist, dass Elmering Post-Areale in Bad Tölz, Gmund, Tegernsee und Rottach-Egern erwarb.

Drei der Immobilien hat Elmering inzwischen verkauft. Das Post-Gebäude in Gmund erwarb die Gemeinde im Dezember 2005. In Tegernsee veräußerte Elmering das Postamt und den Kraftposthof. Dieser ging an einen Bauträger.

Nicht optimal verlaufen seit Jahren die Gespräche zwischen Elmering und der Gemeinde Rottach-Egern. „Die Gemeinde wäre auch bereit gewesen, ihm das Postgebäude abzukaufen“, sagt Bürgermeister Hafner, „doch Elmering ist nicht darauf eingegangen.“ Als dann die Scheiben der Telefonzellen eingeschlagen wurden und Elmering nichts unternahm, sei das Gebäude richtig „grattlerhaft“ gewesen, so Hafner.

Kurz darauf habe der Gescholtene die Telefonzellen mit Brettern zunageln und den Putz etwas ausbessern lassen. „Doch einen Eimer Farbe hat Elmering nicht mehr spendiert“, bedauert Hafner. Der Gemeinderat habe überlegt, ob er in einer Nacht- und Nebelaktion das Heft selbst in die Hand nehmen und für einen neuen Anstrich sorgen soll. „Doch die rechtlichen Bedenken waren stärker, wir haben es dann nicht umgesetzt.“

So ist die Post ein Schandfleck in exponierter Lage gleich neben dem Rathaus geblieben.

Elmering erklärt nun, dass am 6. November eine Besprechung mit dem Kreisbaumeister und dem Landesamt für Denkmalpflege stattgefunden habe. Es seien verschiedene Fragen geklärt worden. Welche Fragen, das lässt er offen. Auch das Miesbacher Landratsamt lässt nichts Näheres verlauten. Immerhin verspricht Elmering: „Im Frühjahr soll die Fassade gestrichen werden. Denn ich lege Wert auf ein gutes Image von Rottach-Egern.“

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