Der Psallierchor beherbergt über 11 600 Bücher, Fresken schmücken die Decke. Die Kreissparkasse hat schon viel in die Sanierung investiert. Foto: Thomas Plettenberg

Psallierchor der Tegernseer Kirche: Teures Präsent sucht Käufer

Tegernsee - Als Geschenk für die Öffentlichkeit hatte die Kreissparkasse das Nutzungsrecht für den versteckten Psallierchor der Tegernseer Kirche erworben. Der Handel sorgte in höchsten Kirchenkreisen für Aufruhr. Es wurde über einen Kauf verhandelt. Jetzt signalisiert das Ordinariat: kein Interesse - zu den genannten Bedingungen.

Bei der Präsentation im März 2011 war die Begeisterung groß. Der damalige Kreissparkassenchef Georg Bromme öffnete die Tür zu einem fast vergessenen Raum. Vor fast 200 Jahren hatte König Max I. Joseph den Psallierchor vom Kirchenschiff abgetrennt. Er beherbergt die Bibliothek des Herzogs mit über 11 600 Büchern. Fresken von Hans Georg Asam schmücken die Decke des 150 Quadratmeter großen Raums. 2010 erwarb Bromme von Herzog Max in Bayern ein immerwährendes Nutzungsrecht sowie den Buchbestand, als Geschenk der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee an den Landkreis zum 175-jährigen Bestehen des Geldinstitutes.

Wenig später bekundete die Kirche starkes Interesse am Kauf des Pasallierchors.. „Es soll wieder eine Gebets- und Feierstätte werden“, sagt Walter Waldschütz, Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth. In den Verhandlungen sei die Kreissparkasse dem Erzbischöflichen Ordinariat sehr entgegengekommen.

Das Konsultorenkollegium, ein Beratungsorgan des Bischofs, konnte sich nach längerer Prüfung trotzdem nicht zum Kauf entscheiden. Laut Bernhard Kellner, Pressesprecher der Erzdiözese München-Freising, hat die Kirche Gespräche sowohl mit der Kreissparkasse als auch mit dem Herzog geführt. Zu der genannten Summe und den geltenden Bedingungen halte das Kollegium sein Interesse nicht aufrecht. Dies habe die Diözese der Kreissparkasse schriftlich mitgeteilt.

Hauptproblem dürfte neben der finanziellen Seite der Zugang zu dem Psallierchor sein. Der Raum ist nur übers Gymnasium erreichbar. Wird er öffentlich genutzt, muss es einen zweiten Zugang als Fluchtweg geben.

Der Monsignore hofft, dass bei den Kaufverhandlungen das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gerade für Schulandachten und auch für kleine Gottesdienste ließe sich der Psallierchor gut nutzen. Die Bücher müssten allerdings ausquartiert werden.

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