Schaufenster

Verkaufsoffene Sonntage: Bürgermeister ärgert sich über Landratsamt

Rottach-Egern - An vier Sonntagen sollen die Rottacher Geschäftsleute 2014 ihre Läden öffnen dürfen. So will es die Gemeinde. Doch jetzt kommt ihr das Landratsamt in die Quere.

„Das ist schon fast ein Dauerbrenner bei uns", seufzte Rathaus-Chef Franz Hafner, als es in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend einmal mehr um die verkaufsoffenen Sonntage im Ort ging. Dabei hatte das Gremium eigentlich schon alles per Verordnung geregelt. An vier Sonntagen sollten die Einzelhändler im kommenden Jahr öffenen dürfen: anlässlich des Pferdeschlittenrennens am 16. Februar, zum Mountainbike-Festival am 1. Juni, beim Rosstag am 31. August und bei der Messe Home & Garden. Die Gewerkschaft Verdi hatte daraufhin im September wissen lassen, dass sie strikt gegen die vier Sonntagsöffnungen sei (wir berichteten). Die Gemeinde trotzte dem Widerspruch und hielt an ihrer Verordnung fest. Nun aber zog das Landratsamt Miesbach nach und meldete ebenfalls Bedenken an. Besagtes Pferdeschlittenrennen, so hatte die dortige Juristin gegenüber Hafner erklärt, sei zu weit vom Ortskern entfernt und erfülle damit nicht die Voraussetzungen für eine Öffnung der Geschäfte. Bekanntlich dürfen Einzelhändler laut Gesetz an vier Sonn- oder Feiertagen im Jahr ihre Läden aufsperren, wenn zugleich ein publikumswirksames Großereignis im Ort stattfindet.

Dass das Landratsamt der Gemeinde nun wegen des Pferdeschlittenrennens in die Quere kommt, erzürnte Hafner gewaltig. „Das ist der reine Wahnsinn“, polterte der Rathaus-Chef. Die Miesbacher Behörde, so mutmaßte er, sei wohl das einzige Landratsamt in ganz Deutschland, das eine derartige Verordnung einer Gemeinde in Frage stelle. „Ich bin hellauf entsetzt, dass man bei uns so reagiert", sagte Hafner.

Seine Kollegen am Ratstisch sahen das ähnlich. „Man sollte doch bayernweit bitte mit einem Maß messen“, forderte etwa Christian Köck (CSU). Er verwies unter anderem auf die Vier-Schanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen, anlässlich derer die örtlichen Geschäfte ebenfalls aufsperren dürften. Und da befinde sich die Schanze keineswegs direkt im Ortszentrum, argumentierte Köck. Sein Fraktionskollege Josef Lang appellierte, sich nicht sofort dem Urteil des Landratsamtes zu beugen. „Ich würde nicht gleich aufgeben“, meinte Lang. Er schlug vor, das Pferdeschlittenrennen notfalls im Ortszentrum beginnen zu lassen, etwa mit einem Einzug der Teilnehmer. Auch Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) hatte einen Vorschlag, wie Rottach-Egern einen vierten verkaufsoffenen Sonntag herausholen könnte: Der Förderverein Kunst und Kultur, dessen Vorsitzende Schultes-Jaskolla ist, hätte gemeinsam mit der Musikschule schon einmal einen „Kultur-Sonntag“ in den Geschäften angedacht. Will heißen: In den einzelnen Läden finden Musikaufführungen und Ausstellungen statt. „Wäre das vielleicht eine Möglichkeit für einen verkaufsoffenen Sonntag?“, wollte Schultes-Jaskolla wissen. Weiter verfolgt wurde dieser Vorschlag am Dienstagabend zwar nicht, doch in einem war sich der Gemeinderat am Ende einig: Man will am verkaufsoffenen Sonntag anlässlich des Pferdeschlittenrennens trotz der Widerstände festhalten. „Wir sehen die örtliche Nähe durchaus gegeben“, sagte Hafner. Einstimmig sprach sich das Gremium für diese Haltung aus.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare