Streit um Wasserreservoir

Widerstand gegen Wallberg-See wächst

Die Betreiber der Wallberg-Rodelbahn wollen die Strecke ausbauen – und sie dafür zusätzlich beschneien. Für die Schneekanonen soll ein Speichersee entstehen.

Rottach-Egern - Die Betreiber der Wallberg-Rodelbahn wollen die Strecke ausbauen – und sie dafür zusätzlich beschneien. Für die Schneekanonen soll ein Speichersee entstehen. Im Tegernseer Tal wächst der Widerstand gegen das 70 mal 20 Meter große Wasserreservoir. Die Gegner fordern ein Bürgerbegehren.

„Der Speicherteich soll auch im Sommer ein Naturjuwel sein“ – so werben die österreichischen Planer im Internet für ihr Projekt auf dem Münchner Hausberg, dem 1722 Meter hohen Wallberg. Zwischen Panoramarestaurant und Wallbergkircherl will der Eigentümer, die Brauneck- und Wallberg GmbH, ein Speicherbecken entstehen lassen. Mehr als vier Meter tief soll es sein, mit einem Fassungsvermögen von zwei Millionen Litern. Diese sollen als Schmelz- und Regenwasser vom Dach des Bergrestaurants kommen.

Sollte es nicht reichen und der Speichersee zu einer Kloake verkommen, will man die Trinkwasserversorgung im Almgebiet anzapfen und aus den vorhandenen Leitungen den Teich speisen. So die Idealvorstellung der Wallberg GmbH, ein Unternehmen der Schörghuber Gruppe. Damit könne der obere Teil der insgesamt 6,5 Kilometer langen Rodelbahn schneesicher gemacht werden. Rodeln wäre dann an etwa 80 Tagen möglich.

Und im Sommer könnte der Speichersee eine „zusätzliche Erholungsmöglichkeit“ für die Touristen sein – so verkaufte die Klenkhart & Partner Consulting GmbH aus Tirol ihre Vorlage im Juli dem Gemeinderat in Rottach-Egern. „Das Landschaftsbild wird in keiner Weise beeinträchtigt, sondern vielmehr durch die Wasserfläche aufgewertet“, hieß es damals. Entsprechende Folien überzeugten die Mehrheit der Gemeinderäte. Darunter war geschlossen die Fraktion der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG), die auch Franz Hafner, den Bürgermeister, stellt.

Sechs Gemeinderäte stimmten gegen das Projekt. Sie argumentierten, mangels Wassers könnte im Sommer eine Kloake entstehen. Außerdem passe das 70 Meter lange und 20 Meter breite Gewässer nicht in den Ensemble-Charakter am Wallberg. „Mich stört, dass der Mensch überall eingreift“, sagte Christian Köck (CSU). „Ein Speichersee am Wallbergkircherl ist ein Fremdkörper.“ Sein Fraktionskollege Josef Lang denkt sogar laut über ein Bürgerbegehren nach – und glaubt, dass die Chancen, den Speichersee zu verhindern, gut wären. „Dieser See hat keinen Erholungswert“, schimpfte er. „Die Realität hat mit der bildlichen Darstellung gar nichts zu tun.“ Der vier Meter tiefe See brauche einen Damm, da das Gelände in Richtung Kircherl abschüssig ist, argumentierte er. „Es wird also ein Wall mit etwa zwei Metern Höhe entstehen. Ein paar Rodeltage mehr im Jahr sind es nicht wert, dass man den Wallbergkamm zerstört.“

Mit dieser Kritik ist Lang nicht allein. Denn inzwischen erzählt man in Rottach-Egern, dass auch die Front der Befürworter des Projekts bröckelt. Immer mehr Gegner melden sich öffentlich zu Wort.

Darunter ist auch der im Tegernseer Tal hoch geschätzte Musiker Sepp Kandlinger, besser bekannt als der „Ruappn Sepp“. Er wurde Anfang März von Bürgermeister Hafner öffentlich mit der Bürgermedaille ausgezeichnet, für sein Bemühen, „den Namen der Gemeinde weit über die Ort- und Landkreisgrenzen im positiven Sinne hinauszutragen“. Und dieser Kandlinger schreibt doch glatt zum Entsetzen vieler Gemeinderäte in einem Leserbrief an die Tegernseer Zeitung, „der Speicherteich sei überflüssig wie ein Kropf. Auch der letzte Zipfel Natur muss unbedingt noch verramscht und kurzsichtigem Gewinnstreben geopfert werden“.

Verständigt hatte sich der Gemeinderat im Juni auf einen alternativen Speicherstandort, der nicht so viel Staub aufgewirbelt hätte. „Wir sind für einen Speicherteich unten in der Senke an der ehemaligen Talstation des Kircherlhangliftes“, sagte Bürgermeister Franz Hafner. Auch Josef Lang von der CSU war damals dafür: Dort könne eine natürliche Quelle leichter hingeführt werden. Doch weder die Wallbergbahn GmbH noch die Planer stimmten dieser „Variante 2“ zu – sie fürchten neben energietechnischen Problemen, dass keine Einigung mit den betroffenen Grundstückseigentümern möglich ist.

Also musste im Juli ein neuer Gemeinderatsbeschluss her. Diesmal zogen die Planer aus Österreich alle medialen Register und präsentierten Fotomontagen, die den Speichersee neben der Bergstation im schönsten Licht erscheinen lassen. Und schon gab es eine Mehrheit. „Die haben sich über den Tisch ziehen lassen“, sagte ein Teilnehmer der Sitzung nach der Abstimmung. Bürgermeister Hafner betont heute: „Die Darstellungen der Antragstellerin haben dazu geführt, dass mehrheitlich auch einem Speichersee an der Bergstation der Wallbergbahn zugestimmt werden konnte.“

Das letzte Wort haben hier ohnehin übergeordnete Behörden. Das Landratsamt Miesbach teilt auf Anfrage mit, dass noch nicht alle Stellungnahmen von Wasserwirtschaftsamt, Landesamt für Umwelt oder der Unteren Naturschutzbehörde vorliegen. Die Planer aus Tirol hingegen betonen: „Die Natur zu achten ist uns wichtig.“ Die Projektgegner werden sie beim Wort nehmen.

VON KLAUS WIENDL

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