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Bad Wiessee: Kampf um eine Blutbuche

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Die Nachbarn (v.l.) Hildegard Wagner, Margot Alberternst, Sigrun und Gunther Gebhardt kämpfen um den Erhalt der Blutbuche, die neben dem leer stehenden Haus wurzelt. Dabei geht es nicht nur um den Baumschutz: Die Anlieger halten die Dimension des geplanten Neubaus für zu groß. Foto: Thomas Plettenberg

Bad Wiessee - Zum Schutz der Blutbuche in der Wiesseer Klosterjägerstraße rückte die Polizei an. Nachbarn und Bürgermeister Peter Höß hatten Alarm geschlagen und begonnene Fällarbeiten gestoppt.

Das „Haus Gutenberg“ hat bessere Tage gesehen. Ehemals wurde es als kleine Pension an der Wiesseer Klosterjägerstraße betrieben, später zogen zwei Mieter ein. Nun steht es leer, seit etlichen Jahren schon. Das Haus ist ziemlich heruntergekommen, dagegen hat sich der Baumbestand auf dem Areal prächtig entwickelt. Blickfang ist eine mindestens 30 Meter hohe Blutbuche. „Ein Solitär“, sagt Gunther Gebhardt (63), der mit Ehefrau Sigrun (64) das benachbarte Haus bewohnt.

Die beiden sorgen sich um den Baum, seit die Pläne des Unternehmers Otto Ebster bekannt sind. Im Januar hat der Wiesseer das 2000 Quadratmeter große Areal im Innenbereich gekauft. Dort besteht Baurecht, und Ebster plant Großes. Beantragt hat er eine Wohnanlage mit einem dutzend Wohneinheiten, zudem eine Tiefgarage. Realisieren lässt sich die Planung nur, wenn mit dem Abriss des alten Hauses auch die Buche fällt. Über den Antrag wird der Bauausschuss des Gemeinderates am Dienstag, 31. Juli, befinden.

Was aus Sicht des neuen Eigentümers an Fällarbeiten zu erledigen ist, hatte Ebster schon im Frühjahr mit einer Fachfirma besprochen. An einem Samstag rückte ein Arbeiter an, der flugs mit der Rodung begann. Bevor er sich der Blutbuche nähern konnte, rief Hildegard Wagner (47), Betreiberin des benachbarten Hotels Concordia, bei Bürgermeister Peter Höß an. Der wiederum bat die örtliche Polizei, die Arbeiten zu stoppen. „Die Ämter waren ja alle zu“, meint Höß. Über den Bauantrag und damit auch über den Erhalt der Buche sei noch zu entscheiden. Bis dahin bleibe auf dem Grundstück alles so, wie es ist.

Grundsätzlich dürfte die Regel gelten: Baurecht geht vor Baumschutz. Schließlich hat Bad Wiessee keine Baumschutzverordnung.

Er wolle dringend benötigten Wohnraum schaffen, erinnert Otto Ebster. Der Erhalt der Blutbuche sei nicht möglich. „Die steht mitten in der Tiefgarage und vor den Balkonen.“

Grundsätzlich, finden auch die baumschützenden Nachbarn, sei gegen eine Bebauung nichts einzuwenden. „Aber es soll nicht so massiv sein“, betont Gunther Gebhardt. Wie Wagner geht es ihm nicht nur um den Erhalt der Buche, sondern auch um die Größe des Projekts. Insbesondere fürchten die Anlieger, dass noch mehr Wasser als jetzt auf ihre Grundstücke fließt. Der Grundwasserdruck sei sehr hoch, meint Gebhardt, in dessen Keller jetzt schon zwei Pumpen laufen. Er hat das Landratsamt schriftlich aufgefordert, die Gefährdung zu prüfen. „Da wird ja alles versiegelt.“

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