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 Ulrich Pabst vermittelt Pflege- und Haushaltskräfte aus Polen.

Der Mindestlohn und die Folgen

Die Pflege daheim wird für viele zu teuer

Hohenbrunn - Zuhause alt werden, in liebevoller Betreuung. Diesen Wunsch hört Ulrich Pabst (69) aus Taufkirchen oft. Seit gut vier Jahren vermittelt er Pflege- und Haushaltskräfte aus Polen – und hat sich damit in ein äußert kompliziertes Geschäftsfeld gewagt.

 Aktuellstes Problem: der Mindestlohn. Im „Gasthof zur Post“ in Unterhaching hat Ulrich Pabst sie alle versammelt: Rund 15 Männer und Frauen aus Polen, die im südlichen Landkreis München ältere Damen und Herren betreuen, sich um deren Haushalt kümmern, Ansprechpartner und Kümmerer sind. Als Dank für ihren Einsatz drückt Pabst den Damen je eine rote Rose in die Hand. Ansonsten dient das Treffen vor allem dem Austausch: Die zumeist 40- bis 60-Jährigen sind ohne ihre Familien in Deutschland, leben bei den älteren Menschen, die sie betreuen, zu Hause und kehren nach ein bis drei Monaten nach Polen zurück. So sieht es das „Entsendegesetz“ vor – die rechtliche Grundlage für ihre Arbeit in Deutschland (siehe Kasten). In diesem durchgetakteten Arbeitsalltag sorgt das Treffen für Ablenkung und Zerstreuung: „Manche verabreden sich und fahren in ihrer Freizeit mal gemeinsam zum Marienplatz“, erzählt Pabst. Andere genießen den Nachmittag, betrachten die Zeit in Deutschland aber als reinen Arbeits-Aufenthalt. Der Lohn hierfür: 1100 bis 1300 Euro netto für „eine Regelarbeitszeit von 40 Wochenstunden“. So ist es auf der Internetseite von „Pflege & Haushalt Dr. Pabst“ vermerkt. In der Stunde ergibt das einen Verdienst zwischen 6,87 und 8,12 Euro. Der Mindestlohn, der seit 1. Januar 2015 gilt, liegt in (West-)Deutschland bei 8,50 Euro. Die Konsequenz: Auch die rund 20 Kunden von Ulrich Pabst werden mehr bezahlen müssen. „In den nächsten Tagen erhalten sie einen Brief meiner Partner-Agentur in Polen, der GKT-Serwis“, erläutert Pabst. Die Agentur bezahlt den polnischen Beschäftigten die erforderlichen Versicherungen, Abgaben und Steuern und „entsendet“ die Frauen und Männer anschließend nach Deutschland. Pabsts Befürchtung: „Für viele Familien, die heute zwischen 1500 und 2500 Euro für das Pflegeangebot bezahlen, wird es wohl zu teuer. Einige werden ihre Verträge kündigen.“ Die Schwarzarbeit werde zunehmen, prophezeit er, „auch in anderen Branchen, wie dem Taxigewerbe oder auf dem Bau“. Pabst selbst gehen durch die Gesetzesänderung ebenfalls Einnahmen verloren, wenngleich er auf das Geld nicht angewiesen ist, wie er betont. „Ich mache das aus menschlichem Mitgefühl heraus“, sagt der ehemalige Journalist. „Weil ich bei meiner eigenen Mutter gesehen habe, wie gut die Pflege in den eigenen vier Wänden funktioniert und wie wohl sich die älteren Menschen damit dann fühlen.“ Deshalb hat Pabst vor knapp fünf Jahren das Unternehmen „Pflege und Haushalt“ gegründet. Sein Angebot: Er nimmt denjenigen, die häusliche Betreuung für einen Angehörigen benötigen, die Suche nach geeignetem Personal und die formalen Vorgaben ab. Kontakte pflegt er ausschließlich nach Polen, und die „GKT-Serwis“ ist die einzige Agentur, mit der er zusammenarbeitet. „Als ich anfing, haben sich zig Agenturen aus Osteuropa an mich gewandt“, erinnert er sich, der mehr als zwölf Jahre auch die Agenda-Gruppe in Taufkirchen geleitet hat. „Aber bei vielen läuft lange nicht alles legal.“ Die „GKT-Serwis“ vermittelt „auf Wunsch auch examiniertes Fach- und Pflegepersonal“, heißt es in deren deutschem Infoblatt. In der Regel aber kommen Frauen und Männer nach Deutschland, „die eigene Pflegefälle zu Hause hatten und in der Familie gelernt haben“, sagt Pabst. Wichtigste Voraussetzung: ausreichend Deutschkenntnisse. „Die älteren Menschen brauchen jemanden, der sich um sie kümmert, ihnen zuhört und auf ihre Wünsche eingehen kann“, betont er. „Im Bedarfsfall kommen Hausarzt oder Pflegedienst.“ Auch mit ihnen steht Pabst in Kontakt, sobald er einen Vermittlungsvertrag abgeschlossen hat. 300 Euro bekommt er dafür. Für die monatliche Betreuung berechnet er 100 Euro plus 8,5 Prozent des Monatslohns, der an die polnische Agentur überwiesen wird. Nach geltendem Recht müssen Pflege- und Haushaltkräfte, die Papst vermittelt, Deutschland nach maximal drei Monaten – zumindest vorübergehend – verlassen. Zumeist wechseln sich zwei bis drei Betreuungskräfte aus Polen ab. Seit einer „schwierigen Anlaufphase“ läuft dieses Geschäftsmodell laut Pabst sehr gut. Seit etwa einem Jahr gibt es deshalb einen Partner, der den nördlichen Landkreis und das nördliche Stadtgebiet betreut. Diese Unterstützung entlastet Pabst: „Ich möchte meine Kunden persönlich besuchen können.“

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