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Rudolf Naisar tritt nach 30 Jahren von der Spitze der Feuerwehr ab

Feuerwehr Hochbrück

Rudolf Naisar (61)tritt an der Spitze der Feuerwehr Hochbrück ab

Hochbrück - Bei der Freiwilligen Feuerwehr Hochbrück geht am heutigen Freitag eine Ära zu Ende: Nach 30 Jahren erst als Kommandant und dann als Vorsitzender tritt Rudolf Naisar (61) an der Spitze der Wehr ab.

Warum geht ein junger Mensch zur Feuerwehr? Für die einen erfüllt sich ein Kindheitstraum, für andere geht es um Kameradschaft. Und noch anderen ist es ein Herzensanliegen, Menschen zu helfen. Letzteres trifft inzwischen auch auf Rudolf Naisar zu, den man in Garching eigentlich nur Rudi rufen darf. Doch zu Beginn war etwas ganz anderes dafür verantwortlich, dass sich der 18-jährige Hochbrücker 1972 der Feuerwehr seines Heimatorts anschloss. Nämlich eine Truppe namens Borsalino Club Hochbrück, kurz BCH. „Lachen Sie bitte nicht, wenn Sie den Namen hören“, sagt Naisar heute, wenn er von seiner Jugendclique erzählt – und muss dann selbst grinsen. Die Teenager aus Hochbrück hatten sich damals nach dem Borsalino benannt, jenem Männerhut, den Schauspieler wie Alain Delon und Marlon Brando populär machten. „Wir fanden das einfach cool“, erinnert sich Naisar. Als „cool“ habe auch die Hochbrücker Feuerwehr gegolten – nicht zuletzt, „weil man in den Räumen auch mal eine Party feiern durfte“, erzählt Naisar. Also trat der BCH geschlossen in die Wehr ein, „und ich hab’ halt mitgemacht – sozusagen aus Gruppendruck“.

Es war der Anfang einer Beziehung, die Rudolf Naisars Leben prägen sollte – bis zum heutigen Tag. Im Schnelldurchlauf: 1972 tritt Naisar in die Wehr ein, bald darauf wird er zum Schriftführer und 1985 zum Kommandanten gewählt; dieses Amt füllt er 24 Jahre aus, ehe er 2009 auf den Posten des Vereinsvorsitzenden wechselt. Nun also tritt der 61-Jährige auch von diesem Ehrenamt zurück. „Weil ich der Meinung bin, dass wir die Feuerwehr in einem guten Zustand übergeben – und in gute Hände“, erklärt Naisar. Zudem nähere er sich der Altersgrenze für den aktiven Dienst, die bei 63 Jahren liegt. „Und ich war immer der Ansicht, dass der Vorsitzende auch im aktiven Dienst drin sein sollte.“ Blickt Naisar auf seine mehr als vier Jahrzehnte bei der

Feuerwehr zurück, so staunt er selbst über die „unglaubliche Entwicklung“. Als eine der jüngsten in der Region wurde die Hochbrücker Wehr 1952 gegründet. Als Naisar beitrat, habe es gerade mal 30 Aktive gegeben, die zu 20 bis 25 Einsätzen im Jahr ausrückten. Als Feuerwehrhaus diente eine umgebaute Baracke vis-à-vis der Kirche; alarmiert wurde ausschließlich per Sirene. Heute hat Hochbrück eine moderne Feuerwehr, die für allerlei Einsätze gerüstet ist – und es auch sein muss angesichts eines riesigen Gewerbegebiets inklusive U-Bahnhof.

Fast noch wichtiger als das ist Naisar jedoch etwas anderes: „Die Feuerwehr ist in Hochbrück auch ein gesellschaftspolitischer Faktor und hat Identifikation mit dem Ort geschaffen.“ Beispielhaft seien das Maibaumaufstellen und das einstige Bierfest der Wehr, aus dem sich das heutige Brückenfest entwickelt hat. Dort wird man Naisar natürlich weiterhin antreffen. Und auch im Feuerwehrhaus will er nach seinem Rücktritt präsent bleiben. So plant Naisar mit einigen Kollegen eine Alters- und Ehrenabteilung innerhalb der Wehr zu gründen. „Unser Ziel wird sein, die aktive Wehr zu unterstützen, beispielsweise beim Aufräumen nach einem Einsatz.“ Doch auch das Gesellige soll nicht zu kurz kommen, hofft Naisar. „Wir werden sicher oft zusammensitzen und über alte Zeiten sprechen.“ Frei nach dem Motto: Weißt du noch, als wir alle Borsalino trugen...

 

Patrik Stäbler

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