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Ortstermin an der Staatsstraße 2367: die Bürgermeister Ursula Mayer (Höhenkirchen-Siegertsbrunn) und Stefan Kern aus Brunnthal mit Radlerin Verena Hillgärtner; die Erzieherin wohnt in Höhenkirchen und fährt diesen Weg täglich.

Zuschlag mit Verspätung

180-Grad-Wende im Eiertanz um Radwegprojekt

Brunnthal/Höhenkirchen - Einen Tag nach der Absage gab die Regierung von Oberbayern plötzlich doch grünes Licht für eine Radwegtrasse an der Staatsstraße 2367.

Es war ein zähes Ringen um mehr Sicherheit für jene Schulkinder, die von Brunnthal und seinen Ortsteilen aus per Fahrrad zum Gymnasium nach Höhenkirchen und auch zur örtlichen Mittelschule pendeln. Erst am Freitag gab die Regierung von Oberbayern doch noch grünes Licht für die finanzielle Förderung eines rund 1,7 Kilometer langen Fahrradwegeneubaus entlang der Staatsstraße 2367 zwischen Faistenhaar und Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Gut eine Million Euro soll das Projekt kosten, drei Viertel davon zahlt der Staat. 

Wermutstropfen: Aufgrund des langen Zuwartens des Bezirks bis zur endgültigen Entscheidung wird sich die Realisierung des Projektes deutlich verzögern. Anstelle einer pünktlich zu Beginn des Schuljahres 2016/17 geplanten Inbetriebnahme des seit Jahren von besorgten Bürgern und den beiden Gemeinden vehement geforderten Wegestrangs wird sich die Fertigstellung nach Einschätzung des Brunnthaler Bürgermeisters Stefan Kern (CSU) um zumindest ein Jahr verschieben. 

Grund ist neben den notwendigen Projekt-Ausschreiberegularien auch die fällige Rodungserlaubnis. Da es für die Frühjahres-Fällperiode aufgrund des notwendigen bürokratischen Vorlaufs zu spät ist, kann wohl erst im November gerodet werden. Damit dürften sich die allein aus Brunnthal regelmäßig rund 160 pendelnden Schulkinder erst zum Schuljahresbeginn 2017/18 über das neue, sichere Radwegangebot freuen. 

„Die Chancen für eine frühere Realisierung stehen schlecht“, räumte Kern echte Zeitnot ein. „Hätten wir vier Wochen früher den Zuschlag bekommen, hätten wir die Vorplanungen und Ausschreibungsmodalitäten ebenso wie die Fällung wohl noch in der Frühjahrsperiode durchziehen können.“ Halte man die Regularien nicht penibel ein, gefährde man den wichtigen Ausbauzuschuss komplett. 

Bis zu diesem Freitag befand sich das Projekt ohnehin auf der Abschussliste. Denn der langwierige Eiertanz insbesondere der Gemeinde Brunnthal für den notwendigen, allein rund 200 000 Euro teuren und in Teilen schwer zu realisierenden Grunderwerb von elf Einzelarealen entlang der potenziellen Radtrasse auf der Westseite der Staatsstraße gipfelte zunächst in der Absage der Regierung von Oberbayern, überhaupt Fördermittel zur Verfügung zu stellen.  Begründung des Bezirks: Der Durchschnittswert von ermittelten 2650 Kraftfahrzeugen pro Tag reiche nicht aus. 

Die Rathauschefs Ursula Mayer aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Stefan Kern auf Brunnthaler Seite fielen aus allen Wolken. „Ich bin fast vom Glauben abgefallen. Die Menschen in unseren Gemeinden erklären uns doch jetzt für bescheuert“, hieß es noch am Donnerstag beim gemeinsamen Presse-Ortstermin. Kern wie Mayer mochten über das Festmachen der Förder-Regularien lediglich an reinen KfZ-Verkehrszahlen nur den Kopf schütteln. „Die Staatsstraße ist in vielerorts marodem Zustand, führt im bewussten Bereich bei diffusem Licht fast nur durch den Wald und ist kurvenreich sowie vielerorts schlecht einsehbar“, fassten die Rathauschefs ihre Bedenken zusammen. Hier werde die Sicherheit der Schulkinder gefährdet. Zumal es zwar sicherere Wegevarianten gebe. „Doch diese sind mindestens doppelt so lang“, bestritt Kern deren Nutzwert. 

Interessant ist der Umstand zu bewerten, dass laut aktueller Information aus dem Brunnthaler Rathaus die Einsicht des Bezirks letztlich offenbar nicht auf den Sicherheitsaspekten vor Ort fußte. „Beim Anruf durch den Bezirk hatte ich nach dem Grund für den Sinneswandel gefragt“, so Kern. „Offenbar ist eine andere, zur Förderung vorgesehene Radstrecke am nicht ausreichenden Grunderwerb der dortigen Kommune gescheitert“, so Kern. 

Des einen Pech bedeutet nun – zeitlich verzögertes – Glück für die Kinder aus Brunnthal und Umgebung. 

Aufatmen herrscht angesichts der Kostenspirale auch im Rathaus. „Höhenkirchen hatte seinen Kostenanteil auf zehn Prozent gedeckelt, weil der Radweg vorrangig auf Brunnthaler Flur situiert ist“, fasste Kern schwierige Vorverhandlungen zusammen. Durch die umfangreiche Finanzspritze des Freistaats bewegen sich die Kostenanteile für die beiden Gemeinden nun bei rund 230 000 Euro für Brunnthal und voraussichtlich 25 000 Euro für Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Nur warten muss man können. Kern hat indes noch leise Hoffnung auf eine Sonderfällerlaubnis in der Schutzphase von Fauna-Flora-Habitat. „Da werden wir alles versuchen. Denn ich weiß nicht, ob die Brut der Vögel an der Staatsstraße über das Sicherheitsbedürfnis für die Kinder zu stellen ist."

Harald Hettich

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