Mittendrin statt nur dabei: Tatjana Hoesch aus Ebenhausen kümmert sich in Sierra Leone hautnah um den Aufbau von Strukturen in der olympischen Sportart Hockey. 
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Mittendrin statt nur dabei: Tatjana Hoesch aus Ebenhausen kümmert sich in Sierra Leone hautnah um den Aufbau von Strukturen in der olympischen Sportart Hockey. 

Tatjana Hoesch aus Ebenhausen leistet sportliche Entwicklungshilfe in Afrika

In Sierra Leone vom Hockey-Fieber gepackt

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Eine 22-Jährige aus Ebenhausen leistet sportliche Entwicklungshilfe in Afrika: Sie arbeitet mit am Aufbau von Hockey-Teams.

Ebenhausen – Auch wenn es abgedroschen klingt: Aber es kommt immer anders als man denkt. Diese Erfahrung macht gerade Tatjana Hoesch aus Ebenhausen. Die 22-Jährige wollte ursprünglich Freunden zwei Wochen lang beim Aufbau des Sierra Leone Hockey Trust vor Ort helfen – aus den 14 Tagen wurden mehrere Monate.

Angefangen hat Hoeschs Engagement mit Dominique Paul und Cornelius Heidmann. Die Ebenhauserin kannte die beiden von ihrem BWL-Studium aus der Schweiz. Gemeinsam gründeten sie sogar einen (Feld-)Hockeyverein, der in der Schweizer Liga erfolgreich war. Dann wurde Paul auf einer UN-Konferenz vor rund 18 Monaten auf die sehr junge Entwicklung des Hockeysports in Sierra Leone aufmerksam gemacht. „Die lokalen Initiatoren haben nach Unterstützern gesucht“, erzählt Hoesch.

Paul und Heidmann ließen sich nicht lange bitten: „Sie traten mit dem Präsidenten der lokalen Hockey Assocciation in Kontakt und begannen, erste Pakete mit Ausrüstungsgegenständen zu schicken.“ Ein Besuch der beiden jungen Männer in Westafrika folgte im Februar 2020.

Beim abendlichen Training steht Tatjana Hoesch am Spielfeldrand. In Freetown gibt es fünf Klubs mit je 30 bis 60 Kindern.

Seit Dezember ist Hoesch ebenfalls Teil des Teams. „Nun wird ein ganzer Container, gefüllt mit gespendeten 890 Schlägern und weiterem Equipment, in Sierra Leone erwartet – und die beiden fragten mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen.“ Klar, dass Hoesch wollte.

Geplant waren zwei Wochen – doch der Container verspätete sich. „Und die langsamen bürokratischen Prozesse, die aber für den Aufbau eines Hockeyplatzes notwendig sind, tun ihr Übriges.“ Kurzerhand wurde die Reise verlängert.

Aufenthalt alles andere als Urlaub

Doch der Aufenthalt in Westafrika bis Ende Juni war, trotz aller landschaftlichen Schönheit, alles andere als ein Urlaub. „Wir verbrachten sehr viel Zeit mit Warten, um in Ministerien und Behörden auf die Bestätigung von Dokumenten zu warten.“ Auch standen Verhandlungen und das Einholen von Angeboten auf der Agenda, ebenso wie „tägliche Diskussionen mit der Polizei“. Doch die 22-Jährige sah und sieht sich an der richtigen Stelle. „Die Begeisterung für den Hockeysport in Freetown ist sehr groß, sodass wir auch immer wieder von TV- und Radiosendern eingeladen werden.“ Und auch die Ziele für die Zukunft sind nicht ohne: „Wir möchten mit einer eigenen nationalen Liga 2025 am African Hockey-Cup teilnehmen.“

Mit dem Hockey-Spielen haben die Bürger von Freetown 2013 angefangen, als der Präsident der Vereinigung aus England ein paar Schläger mitgebracht hatte. Besonders die Kinder sind von diesem Sport begeistert. Nur: Um zu spielen, braucht es eine Ausrüstung. Mittlerweile hat das Trio über 5000 Schläger aus ganz Europa gesammelt, und will mit dem Aufbau des Hockeyplatzes die Infrastruktur unterstützen – hier läuft eine Fundraising-Aktion, um die benötigte Summe von über 50 000 Euro aufzubringen, knapp 8000 Euro aus 160 Spenden sind bis dato eingegangen. „Unsere dritte Säule ist Knowledge Transfer, auf den wir uns besonders nach dem Aufbau des Hockeyplatzes konzentrieren wollen.“

Das abendliche Hockeytraining mit den Kids (es gibt in Freetown fünf Klubs mit je 30 bis 60 Kindern) gehört für Hoesch mit zu den täglichen Höhepunkten. Denn trotz aller Armut: „Sie sind glücklich mit dem, was sie haben, und es ist schön zu sehen, wie sie miteinander umgehen.“ Bei einer der ersten Trainingsstunden hatten die Deutschen vergessen, Wasser für ihre Schützlinge mitzunehmen. „Da haben mich die Kinder gefragt, ob ich nicht vielleicht doch welches hätte.“ Hoesch zog eine 0,5 Liter-Flasche aus der Tasche und gab sie einem Buben. „Doch anstatt sie selbst zu trinken, hat er sie mit allen Kinder im Team geteilt.“

Weitere Infos: Wer das Projekt unterstützen möchte kann dies über die Webseite www.Sierraleonehockey.org tun – dort steht auch der Spenden-Link zum Konto bei der Deutschen Skatbank.

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