Damals voll im Trend: So sah die Skitouren-Mode von Ortovox in den 1980er Jahren aus.
+
Damals voll im Trend: So sah die Skitouren-Mode von Ortovox in den 1980er Jahren aus.

Taufkirchner Bergsport-Unternehmen Ortovox feiert Jubiläum

40 Jahre Ortovox: Mit einem Lawinenpiepser fing alles an

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
    schließen

Das Lawinenverschüttenensuchgerät (LVS) gehört heute zur Standardausrüstung für Skitourengeher. Erfunden hat es vor 40 Jahren Gerald Kampel - und damit die Firma Ortovox gegründet.

Taufkirchen – Kein Skiliftbetrieb wegen der Corona-Pandemie, aber viel Schnee in den Bergen: Diese Konstellation lockt viele Skitourengeher auf die bayerischen Voralpengipfel, auch so manchen Neuling. Doch weil Pisten nicht präpariert werden, besteht selbst dort Lawinengefahr – wie erst vor wenigen Tagen ein Lawinenunfall mit zwei Verschütteten am Brauneck bei Lenggries zeigte..

Zur dreiteiligen Notfallausrüstung im freien Wintergelände gehört deshalb, neben Sonde und Schaufel, ein Lawinenpiepser. Erfunden hat ihn Gerald Kampel vor 40 Jahren. Und daraus eine Firma gemacht: Ortovox mit Sitz in Taufkirchen. Im Jahr des 40-jährigen Bestehens unterstützt die 120 Mitarbeiter starke Firma den von Corona gebeutelten Fachhandel mit einem speziellen Rabatt und die Natur mit einem Öko-Bonus.

Gerald Kampel revolutioniert die Skitourenszene

Als Gerald Kampel 1980 das erste Doppelfrequenz-LVS-Gerät F2 entwickelte, das die Lawinenverschüttetensuche revolutionieren sollte, unkten viele, das werde niemals funktionieren. Doch der Ingenieur und Skitourengeher ließ sich nicht beirren, er hörte auf seine eigene Stimme. Und so entstand auch der Firmenname, der Mix aus „Ortung“ und „Stimme“ (lateinisch „Vox“). Heute gibt es eine Vielzahl von LVS-Geräten unterschiedlichster Hersteller – aber der Ursprung lag, vor 40 Jahren, bei Ortovox.

Nach dieser revolutionären Innovation erweiterte Ortovox im Lauf von vier Jahrzehnten sein Angebot: Rucksäcke, Lawinenschaufeln und Bergsportbekleidung kamen hinzu. Und, weil es vor allem um die Sicherheit von Wintersportlern geht, seit 2008 die sogenannte „Safety Academy“ mit Ausbildungskursen zur Lawinenkunde sowie einer digitalen Lernplattform zum Üben für daheim. Neu in diesem Winter: Am Brauneck richtete Ortovox einen Tourenlehrpfad ein.

Zum Jubiläum werden lokale Sportfachhändler unterstützt

Gefeiert hat das Unternehmen sein 40-jähriges Bestehen, bis auf eine limitierte Sonderkollektion, nahezu nicht im Zeitalter von Corona-Kontaktbeschränkungen. Aber es gibt zwei Aktionen, die gemäß der Firmenphilosophie eine soziale Komponente haben.

Erstens gingen 2020 während corona-bedingter Ladenschließungen 25 Prozent des Bestellwerts aus dem Online-Shop an den lokalen Fachhandel; jeder Kunde konnte das Geschäft seiner Wahl angeben, um dieses in der Krise mit dem Zusatzgewinn zu unterstützen. 2021 erhalten die Fachhändler immerhin noch zehn Prozent „Zugabe“. Eine zweite Aktion aus dem Online-Handel kommt darüber hinaus der Natur zugute: Für Retouren erhebt Ortovox vom Endverbraucher fünf Euro Gebühr – und für jede nicht retournierte Bestellung werden fünf Euro gespendet für den Erhalt des Tarkine.: Es ist der letzte Urwald Tasmanien, der Heimat der Ortovox-Merino-Schafe.

„Wirtschaftlicher Profit darf nicht der Hauptantrieb sein“, sagt Ortovox-Geschäftsführer Christian Schneidermeier. „Unsere Kernwerte sind klar: Schutz und Verantwortung, Nachhaltigkeit und Freundschaft. An diesen Pfeilern misst sich der Erfolg der Marke.“

Fünf Tipps für Skitouren

Auf die Felle, fertig, los! Aber bitte mit Rücksicht. Merkur-Redakteur Martin Becker – selbst erfahrener Skitouren-Geher – hat fünf Tipps für verantwortungsbewusste und naturverträgliche Traumtage auf Skitour:

1. Bewahren und schützen, was wir lieben: Die Leidenschaft für Skitouren, Naturerlebnisse ist unumstößlich mit dem Erhalt der Bergwelt verknüpft. Also: den „Konsum“ der Natur genauso bewusst reflektieren wie das Handeln im Alltag.

2. Bewusste Planung im Corona-Winter: In Zeiten von Reise- und Kontaktbeschränkungen ächzen manche „Hot Spots“ unter Überfüllung (wie beispielsweise an Weihnachten der mittlerweile für Tagestouristen gesperrte Spitzingsee). Die Lösung: antizyklisch auf Tour gehen, andere Ziele aufspüren – oder sogar manchmal verzichten.

3. Tourengeher hinterlassen Spuren in der Natur – und sie bestimmen, wie diese aussehen. Es sollte zur Grundhaltung eines jeden Skitourengehers zählen, diese so gering wie möglich zu halten. Keinen Müll am Berg hinterlassen, Schutzzonen (auch in der Nacht) akzeptieren, Futterstellen und jungen Baumbestand umgehen.

4. Gemeinschaft leben – auch mit „Social Distancing“: Das Skitourengehen ist ein Gemeinschaftserlebnis; mit Freunden unterwegs sein ist nachhaltiger bei der Anreise, sicherer im Notfall und bereichernder für das Erlebnis. Aber: aktuellen Pandemie-Regelungen beachten! Gemeinschaft bedeutet auch, die Menschen vor Ort zu unterstützen (beispielsweise mit einem „To-go-Getränk“, sofern eine Hütte das anbietet.

5. Sicher unterwegs sein: Jeder Wintersportler sollte in regelmäßigen Abständen sein Wissen in Sachen Lawinen- und Schneekunde und den Umgang mit der Notfallausrüstung schulen. Praktische Kurse sind die erste Wahl, aber auch digital bietet das „Safety Academy Lab Snow“ von Ortovox eine multimediale Plattform, um von zu Hause aus das Wissen aufzufrischen. mbe

Auch interessant

Kommentare