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Freistaat pumpt 50 Millionen in den MVV: Landkreis München hofft auf 60-Euro-Ticket

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Von: Josef Ametsbichler, Charlotte Borst

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Ein dicker Zuschuss aus der Staatskasse weckt Hoffnungen und Begehrlichkeiten für den MVV. Der Landkreis München könnte seine XXL-Wunschzone bekommen.

Landkreis – Gerade hat der Landkreis mit einem eigenen Vorschlag für die MVV-Tarifreform aufgewartet, da ist schon wieder alles anders. Den Vorschlag, die Innenraum-Tarifzone M auf die gesamten jetzigen Zonen 1 und 2 zu erweitern, hatte der stellvertretende Landrat Ernst Weidenbusch (CSU) als Durchbruch gefeiert. Am Freitag beim Spitzentreffen in der Staatskanzlei lag die Idee zwar mit auf dem Tisch – aber nur als eine von rund zehn möglichen Varianten.

Die Runde um Ministerpräsident Markus Söder, Verkehrsministerin Ilse Aigner (beide CSU) legte sich nicht auf ein Konzept fest, sondern spielte den Ball zurück an den MVV – und damit an die Landkreise: 35 Millionen Euro gibt der Freistaat dem MVV jährlich zur freien Verfügung. Dazu kommen 15 Millionen Euro, um Taktlücken zu schließen.

Nach unseren Informationen ist damit speziell die S-Bahn-Linie 3 zwischen Deisenhofen und Sauerlach gemeint, die offenbar auch außerhalb der Stoßzeiten einen 20-Minuten-Takt erhalten soll.

So berichteten wir am 12. September 2018.
So berichteten wir am 12. September 2018. © FKN

50 Millionen Euro Gesamtsumme – das weckt Begehrlichkeiten. Nun müssen die Landkreise auskarteln, was mit dem ganzen Geld passieren soll – und über eigene Zuschüsse entscheiden. „Ich hoffe, dass es nun zügig weitergeht“, sagt Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD). Ihn freut die Entscheidung des Freistaats, mehr zuzuschießen. „Ich bin begeistert, dass der Protest im Norden bewirkt hat, dass eine wirkliche Tarifreform zustande kommt“, so Böck.

MVV: Innenraum-Ticket für Garching, Ismaning und Co.?

Außer Frage steht für ihn weiterhin, dass alle Kommunen im Landkreis München Teil der neuen, vergrößerten Innenraumzone sein sollen. Bei dem zunächst erarbeiteten Modell wären im Norden neben Unterschleißheim auch Garching, Ismaning und Oberschleißheim außen vor geblieben. Sie alle dürfen nun offenbar auf das geplante Innenraum-Monatsticket für rund 60 Euro hoffen.

Das begrüßt auch Ingrid Lenz-Aktas, Chefin der SPD-Kreistagsfraktion. Angesichts der bisherigen rund 90 Euro, die beispielsweise die vielen Landkreisbürger bezahlen müssten, die im Ring 5 leben, würden viele lieber mit dem Auto fahren. „Bei 60 Euro ändert sich das“, sagt Lenz-Aktas, die am liebsten den gesamten MVV-Bereich zu einer Tarifzone zusammenlegen würde. „Je größer die M-Zone gefasst wird, desto besser.“ Je attraktiver das Angebot sei, desto mehr Pendler nutzten es, was wiederum mehr Einnahmen bedeute. Allerdings müsse die Infrastruktur schleunigst auf ein höheres Fahrgastaufkommen vorbereitet werden.

Auch im Landkreis-Süden freut man sich über die Ansage des Freistaats, wenn auch aus anderem Grund: „Die Taktlücken zwischen Deisenhofen und Sauerlach sind uns schon lange ein Dorn im Auge“, sagt Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU). Das Geld sei am besten angelegt, wenn diese geschlossen würden und ein möglichst einheitliches Tarifsystem für den Landkreis geschaffen würde – „ohne große Preissprünge an den Tarifgrenzen – auch außerhalb des Landkreises, sonst bringt es wenig“, mahnt Schelle. Er befürchtet, dass sonst viele mit dem Auto in die verbilligte Zone einpendeln.

Schelle hofft nun dank der Mittel des Freistaats („Das gibt Luft!“), dass bei den weiteren Verhandlungen Qualität und Gerechtigkeit des Tarifsystems im Mittelpunkt stehen.

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