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8000 Neubürger in Keferloh ?

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- Grasbrunn - Wird aus dem 16 Seelen-Weiler Keferloh eine "Europäische Stadt" mit ein paar tausend Einwohnern? Diese Vision will offenbar der Münchner Baulöwe Alfons Doblinger verwirklichen. Dabei zeichnet sich bereits ab, dass das Großprojekt in Grasbrunn und den Nachbargemeinden auf Widerstände stoßen würde.

Doblinger will heute Abend (18.30 Uhr) mit einer öffentlichen Informationsveranstaltung in einem in Keferloh aufgestellten Zelt in die Offensive gehen.

Pläne für eine Siedlung in Keferloh gibt es seit den 70er-Jahren. Damals wollte die später Pleite gegangene "Neue Heimat" eine Trabantenstadt von bis zu 18 000 Einwohnern bauen, die direkt an das Jagdfeld in Haar anschließen sollte. In den Jahren 1977/78 stieg die Gemeinde Grasbrunn jedoch aus der Planung aus. Jetzt werden die Pläne offenbar wieder aktuell: Die Alternativ-Route zur Autobahnparallele, die nach einem Vorschlag der Bürgerwerkstätte von der Wasserburger Landstraße über Keferloh führen soll, würde eine Erschließung schaffen.

Wie viele Einwohner könnte Doblingers "Europäische Stadt" zählen? Der Bauunternehmer will zum jetzigen Zeitpunkt keine Zahlen nennen. Begründung: Es gebe noch keine konkreten Pläne. Wie berichtet, schätzt jedoch die Grasbrunner SPD, dass in Keferloh eine Siedlung von 7500 Einwohnern entstehen könnte - eine Prognose, für die es nach Angaben Doblingers zum jetzigen Zeitpunkt noch keine planerische Grundlage gibt.

Grasbrunns Bürgermeister Otto Bußjäger (CSU) hält der SPD vor, mit derartigen Spekulationen eine "Irreführung" der Bürger zu betreiben. Der Gemeinde lägen weder Details, noch ein Antrag des Investors vor: "Das ist im Moment wirklich nur eine Vision." Aber auch wenn es offenbar noch keine konkrete Planung gibt: Wegen des städtebaulichen Konzepts einer "Europäischen Stadt" geht Helmut Dworzak, SPD-Bürgermeister, der direkt angrenzenden Nachbargemeinde Haar, von einer Größenordnung von 6000 bis 8000 Einwohner aus. Damit sich nämlich beispielsweise ein Supermarkt oder eine Grundschule tragen, erklärt Dworzak, bedarf es einer gewissen Einwohnerzahl.

Mit Doblingers Vision hat sich der Grasbrunner Gemeinderat zwar noch nicht öffentlich befasst. Dass die "Europäische Stadt" aber zu einer Kontroverse führen wird, zeichnet sich bereits ab.

Bußjäger sichert kritische Prüfung zu

Die Grasbrunner SPD hat einen Bürgerentscheid angekündigt, um das Projekt zu verhindern. Bußjäger betont, eine Vorentscheidung sei keinesfalls bereits gefallen. Der Gemeinderat werde das Großprojekt kritisch prüfen. "Die Bürger brauchen keine Angst haben, die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde." Für Bußjäger ist entscheidend: "Kann sich der Bürger eine Entwicklung vorstellen: ja oder nein?" Er begrüßt daher den frühen Zeitpunkt der Informationsveranstaltung. "So kann man schnell feststellen, welche Fragen die Bürger haben." Er wird heute Abend als Zuhörer anwesend sein, wenn Alfons Doblinger die Bürger in Keferloh über seine Vision einer "Europäischen Stadt" ausführlich informiert.

 

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