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Abgemagerte Mädchen als Abschreckung

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- Essstörungen greifen bei Jugendlichen immer weiter um sich

Pullach (sb) - Auf dem Plakat kauert eine abgemagerte Frau hinter schwarzen Gitterstreifen. Darüber liest der Betrachter: "Eliminate yourself" - vernichte Dich selber. Mit diesen provokanten Bildern eröffnete das Landesjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Kreisjugendring (KJR) München Land am Donnerstag eine Ausstellung zum Thema Essstörungen: "Jedes zweite Mädchen unter 18 Jahren hat schon Erfahrung mit Diäten gemacht", sagt Angelika Geist vom KJR. Die Idee hinter der geplanten Wanderausstellung sei es, Jugendliche, Eltern und Pädagogen auf das Thema aufmerksam zu machen. "Es ist leider ein Dauerthema, dass Jugendliche sich an einem Schönheitsideal der Medien orientieren", erklärt sie. Und das sei "so dünn wie nie."

Auch immer mehr Buben seien betroffen. "Dazu muss man allerdings sagen, dass die Mehrzahl der Essstörungen mit Esssucht, also zu viel Essen, zusammenhängen", schränkt Sandra Oberemm von der Fachberatungsstelle ANAD (Annoxeria Nervosa and assosiated disorders) ein. Allerdings sind die Folgen von Magersucht wesentlich dramatischer: "Zehn Prozent der Betroffenen sterben daran", stellt die Expertin klar.

iese Dramatik hat die Schöpferin der Ausstellungsbilder Melanie Jilg hautnah mit erlebt: "Mit 14 habe ich eine Freundin gehabt, die Ess-Brech-Sucht hatte", erzählt die 19-Jährige. Diese Erfahrung sei in ihre "heile Welt" eingebrochen. "Da habe ich erst bemerkt, wie viele Menschen gerne an ihrem Äußeren herumdoktern wollen", sagt sie. Sie führe das vor allem auf das von den Medien, insbesondere der Werbung, propagierte Schönheitsideal zurück. "Das ist sicher eine Ursache", bestätigt Oberemm. Doch tatsächlich spielten da noch mehr Faktoren eine Rolle: "Ein häufig gemachter Fehler ist, dass die Betroffenen nur als Opfer gesehen werden." Schließlich würden falsche, äußere Ideal unkritisch angenommen. "Hinzu kommt, dass die Fixierung auf Essen als Mittel genutzt wird, sich Problemen nicht zu stellen", erklärt Oberemm.

Gerade in der Pubertät als tiefgreifende Krisenzeit suchten junge Menschen Orientierung. "Wenn sie dann nur Einsamkeit vorfinden, besteht die Gefahr, sich an falsche Ideale zu klammern", fährt sie fort. Dann falle "Jugendliche brauchen Werte, an denen sie sich orientieren können" die Werbung von Pharma-, Mode-, und anderen Konzernen auf fruchtbaren Boden. "Deshalb brauchen Jugendliche Werte, an denen sie sich orientieren können", erklärt die Expertin.

Genau das wollen laut Angelika Geist Landesjungendwerk und KJR mit ihren Aktionen erreichen: "Beziehungsarbeit ist unabdingbar zum Aufbau des Selbstbewusstseins von Jugendlichen." Denn Vernetzung und Kontaktfähigkeit seien die beste Prävention gegen Verhaltensprobleme.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Januar beim KJR in der Burgstraße 10 in Pullach zu sehen.

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