Abschied von Helmut Karl: Ein Politiker, der die Menschen liebte

Garching - Hunderte begleiteten heute Morgen den über Garchings Grenzen hinaus beliebten und bedeutenden Kommunalpolitiker Helmut Karl zur letzten Ruhestätte am Kirchenfriedhof.

Helmut Karl liebte Geselligkeit, er liebte Gespräche, er liebte die Menschen. Diese Worte seines Freundes und Weggefährte Heinz-Gerd Hegering in der gestrigen Trauerfeier zum Tod des Alt-Bürgermeisters schienen sich beim großen Trauerzug durch Garching zu bestätigen: Während der Trauerreden hatten viele in Gedanken an Helmut Karl ein Lächeln im Gesicht, wie es die Anwesenden zu Lebzeiten vom lebensfrohen Verstorbenen kannten. Oder wie beschrieb es Garchings amtierende Rathauschefin Hannelore Gabor liebevoll: „Sicherlich können sich viele an Begegnungen mit ihm erinnern; seine sympathische, offenen Art, sein verschmitztes Lachen, seine Brille, die manchmal leicht heruntergerutscht war.“

Offensichtlich konnten sich viele erinnern. Es kamen nicht nur zahlreich die Garchinger, um von ihrem großen Ehrenbürger Abschied zu nehmen; aus der Partnergemeinde Radeberg kam Bürgermeister Gerhard Lemm, aus allen Teilen des Landkreises die Bürgermeister und politischen Weggefährten, beispielsweise der frühere Landtagsabgeordnete Rolf Seebauer oder Alt-Landrat Heiner Janik. Durch die zehn Trauerreden zogen sich wie ein roter Faden die Worte „Freundschaft“ und „Freund“.

SPD-Landtagsabgeordneter Peter Paul Gantzer beschrieb den Verstorbenen als „so menschlich, so offen und sehr, sehr ehrlich“. Am meisten habe ihm imponiert, „wie er im privaten Leben gehandelt hat“. Gantzer erinnerte an Karls pflegebedürftige Ehefrau Inge, die er über Jahre hinweg neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister persönlich gepflegt habe.

Karl habe nicht nur von Freundschaft gesprochen, sondern „sie gelebt“, erklärte der Radeberger Lemm und wandte sich an die Garchinger: „Seien sie glücklich und stolz, so einen Mann hervorgebracht und an die Spitze ihrer Stadt gewählt zu haben.“ Dass Karl 1984 mit über 90 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis eines Sozialdemokraten in Bayern erreicht hatte, war sogar Pfarrer Bodo Windolf eine Erwähnung wert. Vielleicht lag es an Karls glaubwürdigem, von sozialdemokratischen Grundsätzen geprägtem Handeln. „Immer verbindlich, aber nicht anbiedernd, immer freundlich, aber nicht widerspruchslos“, sagte Ortsvereinsvorsitzender Götz Braun von der SPD.

Dem „außergewöhnlichen, herausragenden und erfolgreichen Vollblutkommunalpolitiker“ verdanke der Landkreis in den 42 Jahren seiner Kreistagstätigkeit auch die Fortentwicklung der Schullandschaft und den Beitritt zum MVV, erinnerte Landrätin Johanna Rumschöttel: Der Ehrenringträger des Landkreises werde über seinen Tod hinaus präsent bleiben.

Für die Nordallianz zeigte sich der Bürgermeister Rolf Zeitler aus Unterschleißheim über den Verlust des Weggefährten „tief bestürzt“: „Helmut Karl war ein ungewöhnlicher, einmaliger, visionärer und weitsichtiger Politiker über seine Stadtgrenzen hinaus.“ Für ihn sei der Einsatz für das Allgemeinwohl „nicht Verpflichtung sondern Herzensangelegenheit“ gewesen.

Ähnlich drückte es auch Gabor aus: Garching verdanke ihm nicht nur ihre sicherlich bedeutendste Infrastruktureinrichtung, die U-Bahn: „Garching ist durch das Wirken des Verstorbenen eine liebenswerte und lebenswerte Stadt geworden, eine Stadt mit Herz und Charakter!“ Von Annette Ganssmüller-Maluche

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