In "absoluter Endphase" hakt es noch im Detail

- Infineon: Festgelegten Baubeginn längst überschritten

VON MARTIN BECKER Neubiberg - Bloß keine Eile. Nein, aufs Tempo drückt wahrlich niemand bei einem Thema, das inzwischen fast phantomartige Züge annimmt: dem seit Jahren in Planung befindlichen Bau einer neuen Konzernzentrale für den Mikrochip-Hersteller Infineon in Neubiberg. Im März erst speckte Infineon sein "Campeon-Projekt" deutlich ab, seit April muss laut Durchführungsvertrag offiziell gebaut werden. Doch auch Ende Mai liegen im Neubiberger Rathaus noch immer keine Eingaben über die "Light-Version" vor (wir berichteten mehrfach). Trotzdem macht Andreas Schneider von der Agentur "Heller & Partner", die das Vorhaben marketingtechnisch betreut, auf Optimismus: "Ende 2004 ist Campeon bezugsfertig."

Wenn, aber, sofern - im Detail hakt es, verschiedene Punkte bedürfen noch der Feinarbeit. So hat die mit der Objektplanung betraute "TEC PMC GmbH" bis dato noch nicht ihre Änderungswünsche in Form von Tekturanträgen präzisiert. "Die Tekturen werden gerade erarbeitet", sagt Wolfgang Würfel, der für Campeon zuständige Rechtsanwalt. "Wir versuchen, im Rahmen des Bebauungsplans zu bleiben." Das wäre immerhin schon mal ein Fortschritt: Neubibergs Bürgermeisterin Johanna Rumschöttel (SPD) hatte nämlich gemutmaßt, die Neuerungen seien derart gravierend, dass alles auf ein zeitaufwändiges Bebauungsplanänderungsverfahren hinauslaufe. Was die in Arbeit befindlichen Tekturen angeht: An denen werkeln die Campeon-Planer nun schon über zwei Monate.

Abgespeckte Version und kein Generalunternehmer

Ein anderer Knackpunkt: die Finanzierung von Campeon, das ursprünglich 500 Millionen Euro kosten sollte. Im Zuge des Abspeckens (keine Prestige-Bauten, nur sechs statt acht Büro-Module, 5000 statt 7000 Arbeitsplätze) schrumpft diese Summe, wie Schneider verlautbarte: "Vorn wird eine Vier stehen." Die Finanzierungsfrage - Eigentümer und Bauherr ist die "Moto GmbH", Infineon zieht nur als Mieter ein - bewege sich "in der absoluten Endphase", beteuert Schneider. "So was muss sauber dastehen, da lassen wir uns nicht hetzen." Lange Zeit galt auch als Frage, wer als Generalunternehmer den Bau koordinieren soll, als wichtig. "Da haben wir nun das Konzept geändert", sagt Rechtsanwalt Würfel. "Wir verteilen die Aufgaben jetzt auf verschiedene Schultern. Dieses Vergabeverfahren befindet sich im Fluss." Oder, wie Schneider es formuliert: "Das Rennen ist noch offen."

In der Region werden derlei Aussagen längst als Durchhalteparolen gewertet, und nicht wenige unken, dass "Campeon" nie realisiert werde. Derlei Spekulationen tritt Schneider vehement entgegen. "Von der Zeitachse her geht es um drei Themen, die auf Knopfdruck gelöst werden können: Baustraße, Autobahnanschluss sowie Infrastruktur, also die Versorgung der Baustelle mit Strom und Wasser." Laut Schneider erfolgt der Baubeginn - allen Zweiflern zum Trotz - noch "dieses Jahr", gleiches gelte im Idealfall für die Grundsteinlegung. 2004 werde dann "intensiv alles hochgezogen", so dass die Infineon-Mitarbeiter Ende nächsten Jahres in ihr neues Domizil einziehen könnten.

Neubibergs Bürgermeisterin Johanna Rumschöttel hält sich mit zeitlichen Prognosen eher zurück. Zumal die Moto GmbH vertraglich, was den Baubeginn angeht, hinterherhinkt. "Aber wir werden sie nicht drängen", so Rumschöttel. Den unter anderem von der Pullacher Landtagsabgeordneten Susanna Tausendfreund (Grüne) verbreiteten Gerüchten, statt Infineon mache sich womöglich ein Gewerbegebiet auf dem 62 Noch hat Großkonzern auf 62-Hektar-Gelände Vorrang Hektar großen Areal breit, entgegnet Rumschöttel aber deutlich: "Im Moment haben wir keinerlei andere Verwendung des Grundstücks im Auge." Allerdings ließ Rumschöttel durchblicken, dass eine derart attraktive Lage schnell Begehrlichkeiten wecken könnte. "Wenn es (gemeint ist das Campeon-Projekt; d. Red.) nicht würde, würde irgendwann jemand anderes Interesse anmelden", beschreibt Rumschöttel die Perspektive. Noch aber hat Infineon den Vorrang. Dessen Macher sind jetzt am Zug.

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