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Sitzungen bis Mitternacht: keine Seltenheit in Pullach.

Grüner aus Pullach gibt auf

Ärger im Gemeinderat: Lutz Schonert wirft hin

Pullach –Lutz Schonert reicht‘s: Er wirft das Handtuch und hört als Gemeinderat auf. Die Zustände im Gremium findet er unerträglich.

Pullachs Gemeinderäte bekommen am heutigen Donnerstag eine Mail von ihrem Grünen-Kollegen Lutz Schonert. Der teilt ihnen mit, dass er sein Mandat niederlegen wird zum 29. November. Weil er es nicht mehr erträgt, wie die Sitzungen ablaufen. „Ich bin nicht in den Gemeinderat gegangen, um mich zu ärgern.“

In einer Erklärung, die er für das örtliche Amtsblatt formuliert hat und die am Freitag erscheint, schreibt er: „Gerade in diesem Jahr ... gab es immer häufiger Debatten, bei denen einzelne wenige Mitglieder des Gemeinderats die Ebene sachlicher Diskussion verließen und durch Unterstellungen, möglicherweise bewusstes Auslassen oder Verdrehen von Fakten eine am Gemeinwohl orientierte Zusammenarbeit über die Fraktionen hinweg torpedierten.“ Was, wie er betont, nichts mit dem Führungsstil von Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne), zu tun habe. Vielleicht, meint er, eher damit, dass Tausendfreund mit wechselnden Mehrheiten regieren muss.

Hat keine Lust mehr: Lutz Schonert.

Oftmals sei er, schreibt Lutz Schonert, nach Debatten „fassungslos“ gewesen – etwa als die Fraktionen von WiP, CSU und FDP den Haushalt blockierten, der

zuvor die vorberatenden Ausschüsse ohne Weiteres passiert hatte. Oder als ebenfalls diese drei Fraktionen gegen den Bau von Sozialwohnungen votierten, in die auch die minderjährigen Flüchtlinge aus der Burg Schwaneck ziehen hätten sollen – und für die es momentan großzügige Förderungen vom Bund gibt. Stattdessen votierten sie dafür, Fertighäuser eines Investors auf gemeindlichen Baugrund stellen zu lassen, von denen schon der Landkreis abgeraten hatte, weil sie schlicht zu teuer sind. Nach einer Initiative des Grünen-Gemeinderats Wilhelm Wülleitner, der Architekt ist, lenkten WiP, CSU und FDP doch noch ein.

„Die Energie und die Kraft, mich hier so manchen Auswüchsen entgegenzustellen, will und kann ich in meiner aktuellen Lebenssituation nicht aufbringen“, schreibt Schonert. Er ist 71 Jahre alt, seit 15 Jahren bei den Grünen. Im Gemeinderat meldete er sich eher selten zu Wort.

Sein Amt als Sprecher des Ortsverbands will er freilich behalten. Im Kommunalplenum, das im November viermal tagt, weil sonst gar nicht zu bewältigen ist, was alles abgearbeitet werden muss vor Weihnachten, rückt für ihn Renate Grasse nach. Die ist 64 Jahre alt und Pädagogin, sie leitet die „Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik“ des Instituts für Gewaltprävention und demokratische Bildung. Und sie bringt, hofft Schonert, damit das „notwendige Rüstzeug“ mit, um in dem Gremium zurechtzukommen, das bereits weit übers Isartal hinaus als schwierig verschrien ist.

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