Nachfolger da, Standort weg? Der Allgemeinmediziner Hans Höpp könnte seine Praxis im Garchinger Rathaus übergeben. Die Verwaltung allerdings möchte die Räume haben. Foto: ps

Ärztekarussell dreht sich weiter

Garching - Im Garchinger Rathaus braucht die Verwaltung die Räume einer Arztpraxis - damit geht eventuell ein Kassensitz verloren

Garching - Das Thema steht nicht auf der Tagesordnung, doch voraussichtlich wird es im Garchinger Stadtrat auch um die Zukunft der Allgemeinarztpraxis von Hans Höpp im Rathaus gehen. „Wir werden das unter dem Punkt Sonstiges zur Sprache bringen“, kündigt der stellvertretende CSU-Fraktionschef Albert Biersack an.

Seine Partei hat wie berichtet einen Antrag eingereicht, wonach der potenzielle Nachfolger von Höpp - entgegen dem Plan des Bürgermeisters - für eine Übergangszeit weiter im Rathaus bleiben darf, bevor er neue Räume für seine Praxis gefunden hat. „Andernfalls kann es passieren, dass der Kassensitz an die kassenärztliche Vereinigung zurückgeht und Garching einen Allgemeinarzt verliert“, warnt CSU-Mann Jürgen Ascherl.

Auf der anderen Seite argumentieren Bürgermeister Dietmar Gruchmann und seine SPD, dass die Stadtverwaltung die Räume im Rathaus, wo sich aktuell die Praxis befindet, dringend für die eigenen Mitarbeiter benötigt - „auch aus arbeitsrechtlichen Gründen“, wie Gruchmann betont. Daher habe man den Mietvertrag des Arztes, der Ende 2015 ausgelaufen ist, nicht verlängert. „Es wäre wünschenswert, wenn die Praxis bis zum 31. Juli schließen würde“, sagt der Rathauschef. „Dann könnten wir in der Sommerpause umbauen.“

Die SPD-Fraktion hat einen offenen Brief an Hans Höpp verfasst. Darin heißt es: „Soweit wir wissen, wurde Ihnen das Vertragsende ausreichend lange vorher angekündigt. Deshalb besteht aus unserer Sicht keine Option, Ihrer Nachfolgerin einen Mietvertrag anzubieten, der doch wenigstens einige Jahre laufen müsste, um ihr Planungssicherheit zu geben.“

Wobei der Fall Höpp inzwischen eine Reihe von neuen Wendungen genommen hat. Oder anders ausgedrückt: Das Ärztekarussell in Garching dreht sich. So hat die im SPD-Brief angesprochene potenzielle Nachfolgerin mittlerweile abgewunken. Sie wollte mit der Praxis in die Räume des früheren Bio-Markts an der Münchner Straße ziehen, konnte sich aber mit dessen Besitzer nicht einig werden. Stattdessen wird dort Andrea Meißner eine neue Praxis eröffnen. Sie praktiziert momentan noch in einer Praxisgemeinschaft im Auweg mit Roman Ludwig. „Der Vertrag ist unterschrieben“, bestätigt Meißner auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich hoffe, dass ich im April einziehen kann.“

Trotz des Abschieds von Andrea Meißner will Roman Ludwig seine Praxis im Auweg weiterhin vergrößern. Wie berichtet plant der Mediziner den Ausbau des Wartezimmers sowie den Anbau einer 54 Quadratmeter großen Laborfläche im Osten des Gebäudes. Drei Ärzte sollen dort künftig praktizieren.

Derweil hat Hans Höpp bereits einen neuen potenziellen Nachfolger für seine Praxis gefunden: Ein Arzt aus München würde den Kassensitz gerne übernehmen. Der Mediziner hat dem Münchner Merkur bestätigt, dass er mit Andrea Meißner darüber gesprochen hat, ebenfalls in den ehemaligen Bio-Markt einzuziehen. Ob man sich einig werde, sei jedoch noch offen. Falle diese Option weg, könne er die Höpp’sche Praxis nur übernehmen, wenn er länger im Rathaus bleiben dürfe, sagt der Arzt. „Das brauche ich, um ein Stück weit Planungssicherheit zu haben.“

ps

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