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Vom Addo-Elefanten-Nationalpark schwärmen die Auswanderer noch heute. 
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Über den Dächern Kapstadts
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„Manni“ der Lkw ist das rollende Zuhause des Ehepaars
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Unendliche Freiheit in der Savanne
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Mit Sekt und Kuchen in Mali
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Das freie Leben genießen die Sauerlacher in vollen Zügen

Sauerlacher seit 1000 Tagen in Afrika

Weihnachten im Wüstensand

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Sauerlach/ Kapstadt - Kerzenlichter auf dem Christbaum, Plätzchen- und Glühwein: Das klassische Weihnachts-Ambiente kennen Thomas Lehn (57) und Constanze Kühnel (44) inzwischen nur noch aus der Erinnerung. Das Aussteiger-Ehepaar aus Sauerlach ist seit rund 1000 Tagen in Afrika unterwegs. Oh Tannenbaum? Nein, eher knirscht der Wüstensand.

Unermüdlich tuckert „Manni“ vor sich hin, durchschnittlich 70 Kilometer pro Tag. Mal mehr, mal weniger, mal gar nicht – je nach Lust und Laune. Der „Manni“ ist das Gefährt von Thomas Lehn und Constanze Kühnel, ein perfekt ausgerüsteter Lkw, in den die beiden einen Großteil ihres Vermögens investiert und das verbliebene Hab und Gut hineingepackt haben. Denn „Manni“ ist nicht einfach ein Reisemobil. Sondern seit einigen Jahren das Zuhause der beiden Sauerlacher. 1000 Tage in Afrika: So lange sind Thomas Lehn und Constanze Kühnel nun auf dem zweitgrößten Kontinent der Erde unterwegs. 

Jetzt sind sie in Südafrika

Nachdem sie ein Probejahr im Nahen Osten absolviert und ein Familienjahr in Sauerlach eingelegt hatten, sind sie im Frühjahr 2014 losgezogen, um nach einer Südwest-Europatour nach Afrika überzusetzen. Weihnachten im Wüstensand, das erleben Tommy und Conny, wie sie genannt werden, jetzt zum dritten Mal in Folge. Aktuell haben die Dauer-Weltreisenden ihren silbergrauen Truck in Südafrika geparkt, in der Cederbergen, am Rand der Kalahari-Wüste. 2015 verbrachten sie die Weihnachtsfeiertage ebenfalls in Südafrika, im Addo-Elefanten-Park; 2014 feierten sie Weihnachten in Mali, bei den Felsen von Siby südlich der Hauptstadt Bamako.

Regen - ein Weihnachtswunsch 

Ein Wunsch zu Weihnachten? Regen! Regen? „Wir haben hier zwar gerade Regenzeit, das heißt aber nicht, dass es oft regnet“, übermittelt das Ehepaar per Skype-Telefonat an den Münchner Merkur. Denn Wasser, in Deutschland eine Selbstverständlichkeit, ist am Rand der Kalahari-Wüste Mangelware. „Wir haben hier jeden Tag um die 40 Grad Celsius und sehnen uns, wie die Einheimischen auch, nach einem abkühlenden Regen.“ Wassertropfen aus dunklen Wolken, ein rares Erlebnis: „Den letzten Regen hatten wir vor über einer Woche mitten in der Kalahari in Botswana: Wie die Kinder sind wir nackt im Regen rumgesprungen, so herrlich war das.“ 

Abenteuer mit Risiken

Rückblick, Weihnachten 2014. Vor zwei Jahren erlebten Tommy und Conny alles andere als eine geruhsame Weihnachtszeit. Mitten im Advent blieb ihr „Manni“ im Morast von Mali stecken, sank auf der linken Seite tief ein und drohte umzukippen. Mit Hilfe von Einheimischen wühlten sie tagelang den Schlamm weg, bauten Stein für Stein eine Rampe. Bis es gelang, „Manni“ wieder in Bewegung zu setzen. Danach erreichten die Sauerlacher den Steilabbruch über dem Tal von Siby, schlugen dort ihr Weihnachts-Lager auf, ließen Gedanken und Beine baumeln. Allerdings: An jenen Tagen wurde Mali erschüttert von Terrorakten der Al-Khaida-al Magreb. „Von Weihnachten keine Spur.“ 

Weihnachten zwischen Dickhäutern

Vom Addo-Elefanten-Nationalpark schwärmen die Auswanderer noch heute. 

Etwas beschaulicher verliefen Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage 2015 in Südafrika, im Addo-Elefanten-Nationalpark. „Also statt Ochs und Esel jede Menge Dickhäuter“, berichten die Weltreisenden. „Es war Hochsommer, die Sonne brannte vom Himmel. Weit und breit kein Jingle-Bells, nur satte Natur um uns herum.“ Und heuer also, vor der nächsten Etappe mit dem Königreich Lesotho als Zwischenziel, abermals Südafrika. Kurz vor Kapstadt mit dem berühmten Tafelberg – und eine Notiz für die Reisestatistik: „Damit ist unsere ,Transafrika‘ vollendet. Im Travellerjargon bedeutet das, dass man auf dem Landweg von Europa nach Kapstadt gefahren ist.“ 

Weltreise bedeutet auch Verzicht

Die Rechnung des Ehepaars ist bis dato aufgegangen. Nicht nur, was die Reiseroute mit rund 70 000 Kilometern in 1000 Tagen Afrika angeht, sondern vor allem in puncto Finanzen. Denn ihre bürgerlichen Jobs in der alten Heimat haben sie aufgegeben, die eigene Firma verkauft – von diesen Ressourcen müssen sie zehren. Letztlich für immer. „Möglich ist das, wenn man sparsam lebt“, sagen Thomas Lehn und Constanze Kühnel. 2014 und 2015 lagen sie bei den Ausgaben bei unter 1000 Euro pro Monat, 2016 sind es rund 1100 Euro geworden, „da wir neue Reifen, ein neues Getriebe und eine neue Kupplungsscheibe gebraucht haben“. Diesel für den „Manni“ ist der Hauptfaktor, aber regulierbar: Weniger fahren bedeutet weniger Geldverbrauch. Visakosten indes können teuer werden, auf 1500 Euro haben sie sich bisher in Afrika summiert. „Generell funktioniert das Wirtschaftliche super.“ Was aber auch Verzicht bedingt: möglichst keine Restaurantbesuche, sondern Einkäufe auf Märkten und kochen in der Lkw-Küche; keine kommerziellen Camps zum Übernachten, sondern den Stopp draußen in der Natur. 

Schwierige Momente

Bei aller Romantik, es gab auch schwierige Momente. Beispielsweise heuer die Malaria-Erkrankung von Thomas Lehn mit Fieberschüben bis 40 Grad, Brechreiz ohne Mageninhalt, Gliederschmerzen. „Anfangs dachte ich, ich sei schlicht erkältet. Ein bisschen schlapp, ein bisschen Fieber, das kommt und geht.“ Doch in einem Krankenhaus von Luanda, der Hauptstadt Angolas, klappt der Sauerlacher zusammen. Nach zehn Tagen ist er wieder aufgepäppelt, wegen miserabler Leberwerte darf er allerdings drei Monate lang keinen Alkohol konsumieren. „Dann war alles wieder gut.“ 

Flüchtlingsproblematik ist allgegenwärtig 

Auch die aktuelle Flüchtlingssituation in Europa bekommen die beiden Sauerlacher schon an den Wurzeln mit. „Weniger im Süden Afrikas, da ist das kaum ein Thema, vor allem nicht bei den Schwarzen.“ In Nord- und Zentralafrika allerdings sei der Weg nach Europa allerorts ein Thema. „Hochgerechnet sitzen etwa 25 Millionen Afrikaner auf ihrer gepackten Plastiktüte und erhoffen sich eine Chance, nach Europa zu gelangen“, berichten Lehn und Kühnel. „Unsere Politiker machen sich gar keine Vorstellung von dem, was hier wirklich abgeht!“ Die Meinungen über das Leben in Europa seien allerdings „dermaßen verdreht, dass es kein Wunder ist, dass sie nichts anderes wollen, als dorthin zu gelangen“. Eine realistische Vorstellung von Europa habe nahezu niemand, „und dass das Leben in Deutschland sehr teuer ist, übersteigt völlig die Vorstellungskraft der Afrikaner bei einem durchschnittlichen Monatslohn von kaum über 50 Euro“. Diskussionen darüber mit den Menschen seien ziemlich zwecklos, was oft an mangelnder Bildung liege. Ein schwieriger Spagat für die Dauerreisenden, der sie, bei aller Liebe zu Afrika, immer wieder nachdenklich stimmt. 

Jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten

Die Zeit der Besinnlichkeit, des Grübelns, Weihnachten – wie ist das mit der Verwandtschaft zu Hause? „Kontakt mit der Familie stellen wir an Heiligabend über Satelitentelefon her, da wir für Skype ja Internet brauchen, und das haben wir meist nicht zur Verfügung.“ Auch seien die Eltern an diesem Abend bei den Geschwistern bestens aufgehoben. Heimweh? „Haben wir nicht, im Gegenteil, wir sind eigentlich ganz froh darüber, diesem Weihnachtsrummel entgehen zu können.“ Denn, im Hinblick auf das Privileg, den Lebenstraum von der Dauerweltreise umsetzen zu dürfen: „Für uns ist jeder Tag so ein bisschen wie Weihnachten.“ 

Das größte Geschenk

Damit hat sich auch die Frage nach Geschenken erübrigt. „Wir schenken uns keine materiellen Dinge, sondern: alle Zeit der Welt füreinander, Aufmerksamkeit und Liebe. Also alles Dinge, die in unserer hektischen Welt immer mehr verloren gehen.“ Für Heiligabend ist kein spezielles Weihnachtsessen geplant – Tommy und Conny schauen, was die lokalen Märkte so hergeben. „Dann kochen wir ein tolles Menü, öffnen eine Flasche Rotwein und sinnieren ein wenig.“ Insgesamt gehe Weihnachten aber „ziemlich geräuschlos vorbei, weil das Ambiente in Afrika definitiv fehlt. Aber wenn wir dann bei 28 Grad Celsius den Sonnenuntergang genießen, dann fehlt uns das Graupelwetter eigentlich nicht wirklich.“

Spendenprojekt

Weil sie den Überlebenskampf in Afrika hautnah mitbekommen, wollen Thomas Lehn und Constanze Kühnel sinnvolle Projekte, denen sie auf ihrer Reise begegnen, fördern. Das geschieht unter anderem über den Verkauf ihres Buchs „Mantoco – und morgen die ganze Welt“ (24,90 Euro). Wer das Buch über die Webseite www.mantoco.com bestellt, fördert damit das Hilfsprojekt „Mantoco hilft den Kindern dieser Welt“ – der gesamte Erlös fließt in dieses Hilfsprojekt.

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