Auch das Luftbild schafft keine Klarheit. Die Wenigsten wissen, welches Gebäude im ehemaligen MBB-Gelände tatsächlich in Ottobrunn liegt und welches in Taufkirchen.

Posse um die Adresse

Wie Ottobrunn Airbus an Taufkirchen verlor

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München - Ottobrunn mit Messerschmitt-Bölkow-Blohm galt immer als führender Technologiestandort im Süden von München. Doch jetzt verliert Airbus als Erbe von MBB die angestammte Heimat und gehört zur Nachbargemeinde Taufkirchen.

Wer das Münchner Quartier des Airbus-Konzerns besucht, kann ein Problem bekommen. Die meisten, die sich auf ihr Navigationsgerät verlassen, geben als Adresse ein: Ottobrunn und Willy-Messerschmitt-Straße 1, und landen damit vor einem Einkaufszentrum in einer Hochhaus-Siedlung. Es ist nicht weit von dem Luftfahrtstandort entfernt, deckt aber ein Geheimnis auf: Es gibt noch eine Willy-Messerschmitt- Straße in Ottobrunn. Und der Standort der früheren Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), der weltweit als Ottobrunn bekannt ist, liegt genaugenommen nicht richtig in Ottobrunn. Er erstreckt sich immer schon über das Grenzgebiet zweier Gemeinden: Taufkirchen und dessen früherem Ortsteil Ottobrunn, der 1955 selbstständig wurde.

Das Gebäude, von dem aus Ludwig Bölkow sein wachsendes Imperium regierte, lag auf Ottobrunner Flur. Und folglich firmierte der ganze Standort unter diesem Ortsnamen – auch noch, als die Unternehmenszentrale in die Willy-Messerschmitt-Straße wanderte und damit strenggenommen nach Taufkirchen.

Die Grenze verlief mitten durch das Gelände, das damals als Ganzes abgesperrt und bewacht war. Und keiner kümmerte sich darum – außer den Kämmerern der beiden Gemeinden. Denn alle beide bekamen reichlich Gewerbesteuer und da kommt es eben auf den Standort an.

Doch in den letzten Jahren hat sich das Gelände verändert: Die Schranken verschwanden von der Straße. Auf dem einstigen Werksgelände entstand in den letzten Jahren der Ludwig Bölkow Campus mit zahlreichen Forschungseinrichtungen und auch anderen Unternehmen. Er ist damit zum Technologiepark geworden. Im Zuge dieser Veränderungen wurde die Gemeinde Taufkirchen auch Eigentümer der Straße und diese wurde, wie es amtlich heißt, öffentlich gewidmet. Das wiederum setzte die Deutsche Post AG in Bewegung. Sie stellte die Postleitzahlen um. Airbus liegt nun für sie nicht mehr in 85521 Ottobrunn, sondern in 82024 Taufkirchen.

Selbst Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander rechnet nicht damit, dass sich die neue Bezeichnung in der Praxis durchsetzt. „Bei den Mitarbeitern auch international wird es bei Ottobrunn bleiben.“ Und er hat auch kein Problem damit. Airbus kann die Umstellung ebenfalls verkraften. Post kommt seit MBB-Zeiten überwiegend über eine Münchner Postfach-Adresse an.

Schwerer ist es für die Nachbarn von Airbus. Sie wurden postamtlich ebenfalls umgemeindet. Sie müssen nun Geschäftspartner informieren und ihre Briefköpfe ändern – viel Aufwand. Proteste gegen die erzwungenen Adressänderungen blieben erfolglos. Die Post blieb hart. Dabei haben selbst ihre Mitarbeiter Probleme mit der Umstellung. Zusteller der Post-Tochter DHL streichen die nun amtlich korrekte Adresse Taufkirchen auf den Paketen durch und ersetzen sie handschriftlich durch das – inzwischen ungültige – Ottobrunn. So kommt die Post wenigstens bei den Empfängern an.

Größeres Ungemach hätte Airbus ein anderer Coup bereitet: Gemeinderäte der Grünen in Taufkirchen wollen Airbus nicht nur den traditionsreichen Ort wegnehmen, sondern auch noch die Straße. Sie ist nach Willy Messerschmitt benannt, dem Flugzeugpionier und Mit-Namensgeber von MBB. Denn Messerschmitt ist – wie viele andere Industrielle auch – 1933 der NSDAP beigetreten. In seinen Werken wurden im Krieg auch Zwangsarbeiter beschäftigt. Das alles ist kein Geheimnis. Airbus macht aus den Makel in der eigenen Vorgeschichte keinen Hehl. Auch Bürgermeister Sander hat kein Problem damit, den Namen zu behalten. „Sonst müsste man überall auch Siemens- oder Porsche-Straßen umbenennen“, sagt er. Im Gemeinderat setzte er sich damit schlussendlich durch.

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